Ein niederländischer Freiwilliger, der mehrere Jahre aufseiten der Ukraine gekämpft hat, erhebt in einem Interview mit der Zeitung De Telegraaf schwere Vorwürfe gegen Zustände innerhalb der ukrainischen Streitkräfte. Die Aussagen des Mannes, der unter dem Pseudonym „Hendrik“ auftritt, werden inzwischen auch von renommierten ukrainischen Medien wie dem Dzerkalo Tyzhnia aufgegriffen.
Der 40-Jährige war nach eigenen Angaben rund dreieinhalb Jahre an verschiedenen Frontabschnitten im Donbass im Einsatz. Zuvor diente er in der niederländischen Luftwaffe. Im De Telegraaf berichtet er, ausländische Freiwillige würden systematisch schlecht behandelt. Er habe sich wie „Dreck“ behandelt gefühlt, sagt er der auflagenstärksten niederländischen Tageszeitung.
„Ich wollte mit diesem ganzen Zeug nichts mehr zu tun haben“
Für den Freiwilligen kam es irgendwann in der Ukraine Schlag auf Schlag. Nach einer schweren Verwundung durch einen Mörsereinschlag habe Hendrik seine medizinische Versorgung selbst organisieren und bezahlen müssen. Staatliche Hilfe habe es nicht gegeben. „Sie lassen einen buchstäblich zugrunde gehen, und wenn man dann wieder fit ist, nehmen sie einen plötzlich wieder auf“, sagt er laut De Telegraaf. Außerdem sei ihm nicht einmal das zugesagte Gehalt ausgezahlt worden.
Auch Familien anderer ausländischer Kämpfer in der Ukraine, die im Einsatz gegen russische Soldaten gefallen sind, gingen häufig leer aus. „Die Angehörigen bekommen das versprochene Geld oft überhaupt nicht“, so Hendrik in dem Interview.
Besonders scharfe Kritik äußert der Niederländer an der 3. Separaten Angriffsbrigade, einer kampferprobten Einheit der ukrainischen Armee, die 2022 aus Freiwilligen des Asow-Bataillons hervorging und in die regulären Truppen integriert wurde. Die berüchtigte Einheit ist für ihre offensiv-taktischen Operationen und den Einsatz bei Häuserkämpfen bekannt. Bei seiner Aufnahme habe man ihm versichert, „dass dies nicht mehr das Asow von früher sei – reformiert, gesäubert und neu aufgebaut“, berichtet er De Telegraaf.

Vor Ort habe Hendrik jedoch eine andere Realität erlebt. In Büros der Einheit habe er schwarz-rote Fahnen der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN), Darstellungen von Stepan Bandera sowie Hakenkreuze gesehen. „Ich wollte mit diesem ganzen Zeug nichts mehr zu tun haben“, zitiert ihn die niederländische Zeitung. Andere ausländische Kämpfer hätten ihm berichtet, dass es Einheiten gebe, „in denen jeden Morgen der Hitlergruß gezeigt wird“.
Ukraine: Korruption auch in der Armee
Ein weiteres zentrales Thema seiner Aussagen sind lateinamerikanische Söldner, insbesondere aus Kolumbien. Diese hätten innerhalb der ukrainischen Armee eine Art „Staat im Staat“ gebildet. „Man erlebte regelrecht eine kolumbianische Invasion in der Ukraine“, so der Niederländer. „Sie hielten sich nur untereinander auf. An anderen Ausländern hatten sie kein Interesse.“ Unter den Südamerikanern seien auch Männer mit Verbindungen zu Drogenkartellen gewesen. Hendrik habe von schweren Verbrechen gehört, darunter Folter und Verstümmelungen. Sie sollen ihm Fotos von Enthauptungen gezeigt haben, berichtet er.
Ein Konflikt mit dieser Gruppe, der völlig aus dem Ruder gelaufen ist, war dann für den Niederländer ein Wendepunkt. Nachdem er die Kolumbianer gebeten hatte, laute Musik vor dem morgendlichen Appell abzustellen, sei er mit einem Messer bedroht worden. „Sie sagten, sie würden mir im Schlaf ein ,warmes kolumbianisches Willkommen‘ bereiten. Ein Dolchstoß ins Herz“, zitiert ihn De Telegraaf. Ein Mann sei mit gezogenem Messer auf ihn zugegangen und habe ihn angeschrien, er solle „die Klappe halten“.
Trotz der Drohungen sei letztlich er selbst bestraft worden. Man ließ ihn 35 Liegestütze im strömenden Regen machen, sagt Hendrik. Als er den verantwortlichen Unteroffizier darauf angesprochen habe, sei dieser wütend geworden. Kurz darauf habe er seine Unterlagen abgeholt und die Einheit endgültig verlassen.




