Grünheide

Feuer frei auf Tesla: Die West-Presse hat sich auf Elon Musk eingeschossen

Tesla ist der größte Arbeitgeber in Brandenburg. Doch sogar wirtschaftsliberale Medien wollen nun, dass Elon Musk wieder aus Deutschland verschwindet. Was und wer steckt dahinter?

Elon Musk, Tesla-Chef, nimmt an der Eröffnung der Tesla-Fabrik Berlin Brandenburg teil.
Elon Musk, Tesla-Chef, nimmt an der Eröffnung der Tesla-Fabrik Berlin Brandenburg teil.Patrick Pleul/dpa

Das Handelsblatt ist die Koryphäe des deutschen Wirtschaftsjournalismus. Doch das Medium will Tesla und seine amerikanischen Methoden scheinbar nicht in Deutschland haben. Das Handelsblatt stellt sich seit Monaten mit Berichten und einem „Insider-Report“ offen auf die Seite der Gewerkschaft IG Metall und prangert angeblich fiese Arbeitsbedingungen in der Gigafactory Grünheide an.

Fingierte Lauschangriffe soll es seitens der Werksführung gegeben haben. Sogar Satellitenaufnahmen legt die Zeitung vor, die belegen sollen, dass Tesla einen schwächelnden Absatz verbergen will.

Handelsblatt mutiert zur Gewerkschaftspostille

Verkehrte Welt. Sollte ein wirtschaftsliberales Blatt nicht den frischen Wind amerikanischer Unternehmenskultur im verstaubten Deutschland begrüßen? Maßnahmen gegen zu hohen Krankenstand und sinkende Produktivität gutheißen? Erfreut sein, dass die Produktion in Grünheide weiter hoch ist und dort kein Beamtentum à la VW gepflegt wird?

Nicht so das Handelsblatt. In bester Gewerkschaftsmanier prangert die Nummer eins des Wirtschaftsjournalismus Tesla an: „Die Zustände dort sind ein Lehrstück dafür, was passiert, wenn Silicon-Valley-Attitüde auf deutsches Arbeitsrecht trifft.“ Starkes Stück.

Tatsächlich trifft ein erfolgreicher E-Auto-Hersteller auf ein zurückgebliebenes Verbrenner-Auto-Land, das die Zeit zurückdrehen möchte. Doch die Zeit schreitet unerbittlich voran. Vor allem in China, wo man in Zukunft keine Verbrenner mehr will. Auch nicht aus dem kleinen, feinen Deutschland.

Deutsche Hersteller versinken im Diesel-Skandal

Tesla hatte schon immer einen schweren Stand in Deutschland. Lange vor Elon Musks schrillem Ausflug in die Politik Donald Trumps. Als Musk in den 2010er-Jahren begann, den deutschen Automarkt mit seinen elektrischen Luxuskarren aufzumischen, belächelten die deutschen Platzhirsche den skurrilen Cowboy aus den USA noch.

2008 hatte Tesla seinen vollelektrischen Roadster auf den Markt gebracht. Der schicke Flitzer hatte bereits eine Reichweite von mehr als 300 Kilometern. Die Deutschen konnten damals nur E-Autos zum Abgewöhnen herstellen, die wie Golfplatz-Kutschen oder das Papamobil aussahen.

Die Tesla-Gigafactory Berlin-Brandenburg
Die Tesla-Gigafactory Berlin-BrandenburgPatrick Pleul

Mit dem Model S machte sich Tesla 2012 dann auf, die Autowelt der Verbrenner frontal anzugreifen. Nicht nur, dass Elon Musk ein Luxusauto um einen Computer herum baute, er investierte auch selbst in den Aufbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur. Das Model X folgte 2015, 2017 dann das Model 3.

Die Verkaufszahlen stiegen exponentiell an: Verkaufte Musk 2012 gerade einmal 3000 Autos, waren es 2015 schon gut 50.000 und 2019 knapp 400.000. Da lachte niemand mehr. 2023 und 2024 lieferte Tesla rund 1,8 Millionen Autos aus. 2025 gab es einen Dämpfer. Doch im dritten Quartal 2025 hatte Tesla erstmals weltweit mehr Pkw verkauft als Mercedes – Krise hin, Krise her.

Abwehrkampf gegen Tesla begann vor zehn Jahren

Während deutsche Automagazine noch am Spaltmaß zwischen Tür und Tesla-Karosserie herummäkelten, begann der Sinkflug der alten Hersteller – und die brachten nun ihre Geschütze gegen Tesla in Stellung. In den Medien las man immer öfter von brennenden Teslas und gefährlichen Akkus, um vor der Gefahr aus den USA ähnlich einem Chlor-Hühnchen zu warnen. Dabei zeigen Statistiken von Versicherern, Feuerwehren und ADAC, dass E-Autos im Verhältnis wesentlich seltener in Brand geraten als Verbrenner mit ihren Öl- und Benzintanks.

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass Reporte und Tesla-Berichte des Handelsblatts gerne von einer großen Audi-Werbung eingerahmt sind. Übrigens sponsort Audi auch die Tesla-Berichterstattung beim Berliner Tagesspiegel, der wie das Handelsblatt im Stuttgarter Holtzbrinck-Verlag erscheint, beziehungsweise seiner Tochter, der Stuttgarter DvH Medien.

Ebenso die altehrwürdige Zeit (gehört ebenfalls zu Holtzbrinck und DvH): Auch hier flankiert Werbung eines Verbrenner-Konzerns die schlechten Nachrichten zu Tesla – diesmal von Stellantis (Citroën, Fiat, Chrysler, Jeep). Das sieht ziemlich schräg und verdächtig aus, auch wenn die Werbeanzeige wahrscheinlich nur von einem Algorithmus eingespielt wurde.

Man muss aber wissen, dass die klassische Automobilindustrie eine Menge Geld in Werbung steckt. Allein Volkswagen investiert pro Jahr Milliarden Euro weltweit in Anzeigen, Online-Banner und TV-Spots. Zudem werden Wirtschaftsjournalisten von vielen Herstellern zu aufwendig inszenierten Pressereisen ins Ausland eingeladen, um neue Modelle zu testen – sogenannte Media Drives.

Oftmals dürfen die Journalisten Autos zu „Testzwecken“ auch längere Zeit behalten. Viele Hersteller gewähren zudem Journalistenrabatte auf Neufahrzeuge. So schaffen die PR-Abteilungen Nähe zu Journalisten, fördern beständig ihre Beißhemmung und machen sie oftmals zum willigen Sprachrohr. Tesla hat hingegen bis 2023 gar keine Werbung geschaltet.

Tesla als Projektionsfläche für Technologie-Versagen

Der technologische Vorsprung Teslas hat seine Basis in den 2000ern. Diesen konnten zwar noch die planwirtschaftlich und staatlich getriebenen Chinesen aufholen, nicht aber die deutschen Hersteller. Die begeben sich nach dem Diesel-Skandal auf neue innovative Abwege, die abermals nicht in die Zukunft führen: Eine aktuelle Studie von Prognos und Fraunhofer zeigt, dass die Herstellerangaben von Plug-in-Hybrid-Autos beim angegebenen Spritverbrauch nicht stimmen.

Ergebnis der Wissenschaftler: „Der mittlere reale Kraftstoffverbrauch liegt bei 5,9 l/100 km und damit um ca. 300 % über dem Typgenehmigungsverbrauch.“ Die meisten Hybrid-Autos fahren ihren Elektromotor also mehr oder weniger ungenutzt spazieren – laut Studie vor allem die von Porsche und anderen deutschen Herstellern.

Die deutschen Autobauer sind in Sachen E-Autos hintendran. Obwohl es im großen chinesischen Automarkt bereits seit 2017 eine sich stetig verschärfende E-Auto-Quote gibt, die 2019 in Kraft trat: Die Zeit wurde nicht genutzt. Jetzt fahren Tesla und die chinesischen E-Auto-Hersteller wie BYD oder Geely voraus und sehen die Deutschen im Rückspiegel hinterhertuckern. Das tut weh.

Ostdeutschland: 11.000 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel

Doch das letzte Aufbäumen der deutschen Auto-Zombies samt ihrer Propaganda könnte hierzulande die innovativen Arbeitsplätze von Tesla in Brandenburg gefährden, und zwar auch als Anzeigenkunden im Verbund mit den Medien.

Gerade wenn die alteingesessene Wirtschaftspresse gegen „Silicon-Valley-Attitüden“ mobilmacht, ist Gefahr im Verzug. Verrückt. Bleibt zu hoffen, dass Tesla in Grünheide weiter trotzig am Ball bleibt. Jetzt erst recht.