Manchmal dauert etwas so lange, dass es fast zu spät ist. Aber eben nur fast. Und kommt dann genau zum richtigen Zeitpunkt. Dreieinhalb Jahrzehnte musste Ostdeutschland auf ein eigenes Medium warten – aber das Warten hat sich gelohnt. Ab diesem Donnerstag, dem 19. Februar 2026, erscheint die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung. Zum ersten Mal seit der Wiedervereinigung wird es wieder eine Stimme aus dem Osten für den Osten geben. Und sie ist nicht nur schlau, sie ist auch noch schön!
Die Neugründung eines Mediums ist in diesen ungewissen Zeiten, in diesem Medienmarkt, bei dieser Wirtschaftslage schon für sich genommen eine Leistung, die ihresgleichen sucht. Aber wenn man noch die Ablehnung großer Teile des Establishments und ihrer Sekundanten hinzuzählt, grenzt die Gründung fast an ein Wunder. Denn nicht nur die historische Ausnahmesituation nach 1990 und die Digitalisierung des Medienmarktes haben die journalistische Artikulation echt ostdeutscher Perspektiven erschwert, viele Neider haben über Jahre gegen ein Blatt wie die OAZ gewirkt. Aber für Wunder waren Ostdeutsche eben schon immer gut.
Unmöglich wäre das ohne den unbeirrten Willen der Verleger. Die Gründung der OAZ nach dem Umbau der Berliner Zeitung zeugt von Silke und Holger Friedrichs unerschütterlichem Vertrauen in ihre Vision eines wirtschaftlich komplett unabhängigen, eigenständigen und unbestechlichen Journalismus.
Gerade weil die neueste Zeitung Deutschlands aus dem Osten kommt, darf, nein, soll, sie auch im Westen gelesen werden. Denn das, was dem Osten gefehlt hat, fehlt dem ganzen Land. Ein Medium, das die Realität nicht zugunsten der Weltbilder entrückter Eliten verbiegt und ihre Leser belehrt. Eine Berichterstattung, die erklärt, wie es zu der Lage kam, in der wir alle uns heute befinden. Ein Medium, das die Mächtigen tatsächlich kontrolliert, die Verantwortlichen beim Namen nennt und der demokratischen Willensbildung ein faires Spielfeld bereitet. Gerade in der schwersten Krise der Bundesrepublik nicht nur ein lohnendes, sondern ein unverzichtbares Unterfangen.
Eigentlich wird die OAZ nur das tun, was Journalismus eigentlich immer schon hätte tun sollen. Wahrhaftig über Tatsachen berichten, sodass Leser ihre eigenen Schlüsse ziehen können. Doch im Westen wie im Osten ist genau das Mangelware. Ostdeutsche kennen solche Zeiten von vor 1989. Jetzt schaffen sie erneut Abhilfe.
