Kunst

Der Fotokünstler Andreas Mühe: Provokante Inszenierungen mit „Pathos als Distanz“

Der Berliner Andreas Mühe erzählt uns fortan alle zwei Wochen in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung von seinem Blick auf die Welt. Ergänzt wird jedes Bild durch einen Text seiner Frau Kristina Schrei.

Über den Dächern von Berlin, Herbst 1999. Ein junger Mann steht auf dem Dach des Berliner Verlags mit seiner Kamera. Es ist Andreas Mühe, 1979 in Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz, geboren. Seit seinem dritten Lebensjahr in Berlin, erlebt er die berühmten freien, wilden 90er-Jahre der Stadt als junger Mann, der sich ebenfalls aufs Leben einstellt. An diesem Herbsttag ist der Blick über den Dächern von Berlin noch ein anderer: Der Palast der Republik steht noch, auch wenn sein Abriss schon längst besiegelt ist. Das Berghain heißt noch Ostgut. Der NSU ist schon gegründet. Zehn Jahre nach Mauerfall schauen alle nach vorne, in das versprochene goldene Licht des Westens. Die Jugend blickt in ihre Zukunft; die ersten Enttäuschungen der Eltern kümmern sie kaum. Das alles und noch viel mehr ist Mühes Material, in diesem Raum bewegt sich seine künstlerische Arbeit. Die Aufnahme von damals, hier erstmals abgedruckt, ist gleichsam Ankündigung und Ansage: Fortan seziert Mühe in seiner Arbeit seine Stadt, Deutschland, Geschichte und Gesellschaft. <em>&nbsp;Text: Kristina Schrei.</em>
Über den Dächern von Berlin, Herbst 1999. Ein junger Mann steht auf dem Dach des Berliner Verlags mit seiner Kamera. Es ist Andreas Mühe, 1979 in Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz, geboren. Seit seinem dritten Lebensjahr in Berlin, erlebt er die berühmten freien, wilden 90er-Jahre der Stadt als junger Mann, der sich ebenfalls aufs Leben einstellt. An diesem Herbsttag ist der Blick über den Dächern von Berlin noch ein anderer: Der Palast der Republik steht noch, auch wenn sein Abriss schon längst besiegelt ist. Das Berghain heißt noch Ostgut. Der NSU ist schon gegründet. Zehn Jahre nach Mauerfall schauen alle nach vorne, in das versprochene goldene Licht des Westens. Die Jugend blickt in ihre Zukunft; die ersten Enttäuschungen der Eltern kümmern sie kaum. Das alles und noch viel mehr ist Mühes Material, in diesem Raum bewegt sich seine künstlerische Arbeit. Die Aufnahme von damals, hier erstmals abgedruckt, ist gleichsam Ankündigung und Ansage: Fortan seziert Mühe in seiner Arbeit seine Stadt, Deutschland, Geschichte und Gesellschaft. Text: Kristina Schrei.Archiv Andreas Mühe

Andreas Mühes sorgsam konzipierte und inszenierte Bildkompositionen verraten immer eine gewisse Verwandtschaft zu Schauspiel, Bühne, Film. Das erschließt sich unter anderem aus Mühes Biografie: Sein Vater war der bekannte, früh verstorbene Schauspieler Ulrich Mühe, (Oscarpreisträger mit dem Donnersmarck-Film „Das Leben der Anderen“, 2006). Seine Mutter ist die renommierte Theaterintendantin Annegret Hahn. Sein Bruder Konrad ist Bildhauer, die Halbschwester aus der zweiten Ehe des Vaters ist Anna Maria Mühe, eine bekannte Schauspielerin.

Berliner Zeitung

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