Ganz Deutschland ist in heller Aufregung: Der Spiegel-Bericht vom 21. März 2026 „Du hast mich virtuell vergewaltigt“ hat bei Lesern, Medien und Politikern den Eindruck hinterlassen, Ulmens Ex-Frau Collien Fernandes verdächtige ihn, sexualisierte Deepfakes erstellt und verbreitet zu haben – also Fotomontagen, bei denen ihr Gesicht so in pornografische Inhalte hineinretuschiert worden sei, dass der Eindruck entsteht, sie selbst sei in diesen Szenen zu sehen.
Der Bericht wirft Fragen auf. Darunter, ob Christian Ulmen und die deutsche Öffentlichkeit Opfer einer irreführenden Spiegel-Inszenierung geworden sind? Und in welchem Licht erscheinen die damit begründeten Strafrechtsverschärfungen?
Konstruierte Strafbarkeitslücken?
Zeitgleich mit der Veröffentlichung der Geschichte im renommierten Magazin meldete sich SPD-Justizministerin Hubig mit einem Vorschlag dramatischer Verschärfungen des deutschen Strafrechts. Private Fotomontagehandlungen ohne jede Verbreitungsabsicht sollen danach mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft werden. Tatsächlich sind die gegenüber Christian Ulmen geäußerten Verdachtsmomente, nämlich das Verbreiten sexuell konnotierter Deepfakes, als öffentliche Verleumdung bereits jetzt mit einer Haftstrafe von bis zu fünf Jahren bedroht. Es gibt hier also keine Strafbarkeitslücken, sondern diese sind konstruiert.
Brauchen wir angesichts des Falls Christian Ulmen eine Verschärfung des Strafrechts gegen Deepfakes? Warum Forderungen nach Strafrechtsverschärfungen unbegründeter Aktionismus sind:
— Carsten Brennecke (@RABrennecke) March 20, 2026
Angesichts des Ulmen-Falls (Vorwürfe "digitaler Gewalt" durch Deepfakes) wird über… https://t.co/FWOIyG8pxK
Ebenfalls zeitgleich mit dem Spiegel-Bericht melden sich verschiedene Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die ebenfalls Strafrechtsverschärfungen fordern, zum Teil auch dramatische Verschärfungen in anderen Bereichen, nämlich mit der Forderung nach einer Klarnamenpflicht im Internet.
Der Bericht im Nachrichtenmagazin bekommt Risse
Doch die durch den Spiegel nach dem Leserverständnis erzählte Geschichte, Fernandes verdächtige Christian Ulmen der Herstellung und Verbreitung sexualisierter Deepfakes, bekommt Risse: Ist die Geschichte dramatisch aufgebauscht? Sind Ulmen und die Öffentlichkeit Opfer einer irreführenden Inszenierung in der Tradition der Correctiv-Legende zum Potsdam-Treffen?
Unabhängig davon, dass Christian Ulmen sämtliche Vorwürfe von Beginn an bestritten hat, wirft die Darstellung des Spiegel Fragen auf:
Wenn man sich den Bericht genau ansieht, dann wird deutlich: Bei genauer Betrachtung ist keinesfalls klar, dass Collien Fernandes gegen Christian Ulmen überhaupt den Verdacht geäußert hat, dass dieser sexuell konnotierte Deepfakes von Fernandes hergestellt und verbreitet hat. Es scheint vielmehr so zu sein, dass das Magazin in seinem Bericht lediglich durch geschickte Insinuierungen und wolkige Wertungen beim Leser den Eindruck erweckt hat, dass Fernandes gegen Ulmen solche Verdachtsmomente äußere, sich das Magazin aber am Ende tatsächlich darauf zurückziehen könnte, man habe solches als Tatsache gar nicht berichtet.
Wie entsteht dieser Eindruck?
Das weltweit bekannte Nachrichtenmagazin berichtet über verschiedene Verdachtsmomente, nämlich darüber, Ulmen könne sich mit Männern zum Telefonsex verabredet haben, dabei vorgegeben haben, er sei seine Frau (verstellte Stimme), und er könne pornografische Bilder und Videos verschickt haben, in denen Frauen auftreten, die Fernandes täuschend ähnlich sehen sollen. Auf der anderen Seite enthält der Spiegel-Bericht die momentan zur Begründung von Strafrechtsverschärfungen diskutierten dramatischen Vorwürfe der Erstellung und Verbreitung von pornografischen Deepfakes.
Zwar haben die Leser den Bericht so verstanden, dass Fernandes Ulmen verdächtigt, auch sexuelle Deepfakes hergestellt und verbreitet zu haben. Auch die Medien und zahlreiche Politiker haben dies so verstanden und die Verdachtsmomente entsprechend weiterverbreitet.
Schaut man sich die Spiegel-Geschichte ganz genau an, dann behauptet der Bericht gar nicht, dass Fernandes Ulmen auch bezüglich der Herstellung von Deepfakes verdächtigt: Interessant ist, dass es in der Passage, in der von angeblichen Bekenntnissen Ulmens die Rede ist, nur darum geht, dass er angeblich Fakeprofile, das Chatten mit Männern und das Versenden von Videos auf frei zugänglichen Pornoseiten beschrieben habe. In den Teilen der Spiegel-Berichterstattung, in denen konkrete Verdachtsmomente zu Ulmen formuliert werden und in denen angebliche konkrete Eingeständnisse berichtet werden, ist von der Herstellung und Verbreitung von pornografischen Deepfakes gar keine Rede!
Umgekehrt bringt der Spiegel in der nachstehenden Passage versteckt zum Ausdruck, dass Ulmen die Herstellung und Verbreitung von Deepfakes bestreitet:
Er habe, schrieb er, in den vergangenen zehn Jahren „leider einen sexuellen Fetisch“ entwickelt: Immer wieder habe er auf den Namen seiner Frau Fakeprofile auf sozialen Medien angemeldet, über die Accounts habe er mit Männern gechattet, geflirtet, „bis hin zum Sex-Talk“. Er habe den Gesprächspartnern Videos geschickt, die auf frei zugänglichen Pornoseiten erhältlich gewesen seien und deren Protagonistinnen seiner Frau ähnlich gesehen hätten. Man muss das wohl so verstehen, dass er solche Videos aber nicht selbst erstellt hat.

Medienreaktionen und mögliche Fehlinterpretationen
Wurden Leser, Medien und Politiker durch eine Kampagne in die Irre geführt? Fakt ist, dass Leser und Medien den Spiegel-Bericht nachweislich so verstanden haben, als habe Fernandes den Verdacht geäußert, es sei Christian Ulmen gewesen, der pornografische Deepfakes hergestellt und verbreitet habe. Das lässt sich durch die Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nachweisen, der die Vorwürfe exakt in diese Richtung formulierte:
Die „Tagesschau“ berichtet am 20. März 2026: „Die Schauspielerin Collien Fernandes hat schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen erhoben. (…) Der Moderator (…) soll jahrelang im Internet Fake-Profile seiner Frau erstellt und Deepfake-Pornos verbreitet haben.“
Der Deutschlandfunk berichtet am 20. März 2026: „Deepfake – nach Collien Fernandes’ Vorwürfen gegen Ex-Mann Christian Ulmen. (…) Anlass für die Äußerungen der Justizministerin ist ein Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel über Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen. Von ihr waren jahrelang solche mit Künstlicher Intelligenz erzeugte Bilder im Umlauf. Fernandes beschuldigt Ulmen (…)“.
Auch der WDR hat den Spiegel-Bericht wohl so verstanden, dass Ulmen wegen der Anfertigung und Verbreitung pornografischer Deepfakes verdächtigt werde. So berichtet der Sender am 22. März 2026: „Pornografische Fake-Fotos und -Videos, die täuschend echt aussehen, kursieren im Internet. (…) Wer dahintersteckt, wusste Fernandes lange Zeit nicht, wie sie kürzlich dem Nachrichtenmagazin Spiegel erzählte. Inzwischen steht für sie der Verantwortliche fest: Sie beschuldigt ihren Ex-Ehemann Christian Ulmen.“
Während Leser und Medien glauben, Fernandes verdächtige Ulmen der Herstellung und Verbreitung pornografischer Deepfakes, und die Medien, insbesondere des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, dies vorschnell als Verdacht weiterverbreiten, scheint es bei näherer Betrachtung des Spiegel-Artikels so zu sein, dass weder Fernandes noch der Spiegel gegen Christian Ulmen den Vorwurf der Herstellung und Verbreitung von Deepfakes erheben.
Parallelen zur Correctiv-Debatte
Die Geschichte des Spiegel wird somit aufbauschend inszenierend erzählt und sie erweckt zulasten von Ulmen einen falschen Eindruck: dass er durch seine Ex-Frau wegen der Herstellung und Verbreitung von Deepfakes verdächtigt werde. Tatsächlich steht dies im Spiegel-Bericht nicht als Tatsache.
Woran erinnert uns diese Inszenierung? Diese Inszenierung erinnert an die Correctiv-Kampagne mit der falschen Legende zum Potsdam-Treffen im Artikel „Geheimplan gegen Deutschland“. Dort hatte Correctiv durch wolkige Insinuierungen den falschen Eindruck erweckt, in Potsdam sei tatsächlich ein Plan zur Ausweisung von deutschen Staatsbürgern besprochen worden. Gerade wurde diese von Teilnehmern des Treffens als Falschbehauptung angegriffene Kernaussage ebenso wie andere Kernaussagen des Correctiv-Berichts durch das Landgericht Berlin verboten.
Handwerklich ähneln sich die Komposition des Spiegel-Artikels und die dramatisierend irreführende Darstellung des Correctiv-Berichts: Im länglichen Spiegel-Bericht wird überwiegend mit Bildern, Insinuierungen und Wertungen gearbeitet, hinzu kommen gezielte Vergleiche mit besonders schwerwiegenden Fällen, um beim Leser den Eindruck zu erwecken, es handele sich um vergleichbare Sachverhalte.
Zur Erinnerung: Correctiv hatte das, was in Potsdam geschehen ist, ausdrücklich in die Nähe der Wannseekonferenz gestellt. Der Spiegel arbeitet damit, dass er ausdrücklich einen Vergleich zur echten mehrfachen Vergewaltigung im aufsehenerregenden Fall Pelicot zieht. All dies erreicht dasselbe Ziel: Ein Sachverhalt wird aufgebauscht.
Mögliche rechtliche Folgen
Welche rechtlichen Konsequenzen drohen dem Spiegel und Medien? Sowohl dem Spiegel als auch den Medien, die unter Berufung auf die Geschichte fälschlich berichteten, Fernandes habe Ulmen dahingehend verdächtigt, dass er pornografische Deepfakes hergestellt und verbreitet habe, droht nun dasselbe Schicksal wie Correctiv und den Medien des überwiegend öffentlich-rechtlichen Rundfunks, die auf die Correctiv-Geschichte hereingefallen sind:
Medien, die unter Berufung auf den Spiegel berichten, Fernandes habe Ulmen wegen der Herstellung und Verbreitung von Deepfakes verdächtigt, berichten falsch, und ihnen droht ein gerichtliches Verbot der Verbreitung der falschen Tatsachenbehauptungen. Also dasselbe Schicksal, das der „Tagesschau“ (NDR), dem ZDF („heute-journal“), dem SWR und anderen Medien zuteil wurde, nachdem sie durch Correctiv in die Irre geführt Falschbehauptungen zu angeblichen Ausweisungsplänen deutscher Staatsbürger verbreitet haben.
Und was ist mit dem renommierten Nachrichtenmagazin? Auch diesem droht ein presserechtlicher Super-GAU: Denn wenn Gerichte zu der Überzeugung kommen, dass der Leser den Spiegel-Bericht so verstehen kann, dass Fernandes Ulmen verdächtigt hat, pornografische Deepfakes hergestellt und verbreitet zu haben – obwohl seine Ehefrau solche Verdächtigungen gar nicht explizit geäußert hat –, dann ist die Kernaussage des Spiegel-Artikels falsch. Auch dem Spiegel droht dann ein Verbot wesentlicher Teile seiner Berichterstattung.








