Argentinien

Die Zeit lässt Javier Milei diskreditieren, dabei ist seine Bilanz hervorragend

Renommierte Ökonomen äußern kaum noch Kritik an Argentiniens Präsident. Zu gut entwickelt sich das Land. IWF, Wachstum und sinkende Armut sprechen eine eindeutige Sprache. Ein Gastbeitrag.

Argentiniens Präsident Javier Milei hat seit seinem Amtsantritt die politische Struktur im Land grundlegend verändert.
Argentiniens Präsident Javier Milei hat seit seinem Amtsantritt die politische Struktur im Land grundlegend verändert.Mauro Pimentel

Am 19. April 2026 hat Patrick Kaczmarczyk in der Wochenzeitung Zeit einen Artikel mit der Überschrift „Mehr Milei wagen? Die Bilanz ist verheerend“ veröffentlicht. Darin beschreibt er den Niedergang Argentiniens. Die „Träumereien“ seien nach zwei Jahren entlarvt.

Diese Aussage, die nahezu ausschließlich auf die Entwicklung von Teilbereichen der argentinischen Industrie gestützt wird, verwundert angesichts der Lobeshymnen des IWF und der Weltbank.

Zerstörung der „industriellen Basis“?

Die Präsidentin des IWF hat auf einem kürzlichen Treffen in Washington mit unter anderen den Vertretern der G20 – nach Aussage des argentinischen Wirtschaftsministers – in einem Vortrag zur aktuellen Krise im Iran Argentinien als das Land mit der besten Entwicklung in 2025 bezeichnet. Es gäbe nur wenige Länder auf der ganzen Welt, die gleichzeitig Energieexporteur seien und einen Haushaltsüberschuss hätten.

Man mag nun die Aussagen einzelner Akteure unterschiedlich gewichten, die Tatsache, dass der IWF jährlich mehrmals ganze Stäbe nach Argentinien entsendet, um die Lage dort zu verifizieren, hat aber schon Bedeutung für die Glaubwürdigkeit und Tiefe der Analyse. Der IWF hat in seiner kürzlich beendeten Überprüfung des aktuellen Programms keinen Anlass zur Kritik gefunden. Anscheinend läuft alles nach Plan. Die Weltbank stellt zusätzliche Sicherheiten.

Die argentinische Zentralbank baut Währungsreserven in bisher ungeahnter Geschwindigkeit auf, ohne dass der Peso an Wert gegenüber dem USD verliert. Im Gegenteil, hat man doch den Eindruck, dass sie den USD gegen einen zu schnellen Kursverfall stützen muss.

Kaczmarczyk bezieht sich auf eine „industrielle Basis“, die angeblich zerstört sei. Über den Zustand dieser „Basis“ kann der Argentinier nach Jahrzehnten der sozialistischen Misswirtschaft ein Lied singen. In den letzten 15 Jahren ist kein Arbeitsplatz zusätzlich entstanden. Die Wirtschaft kannte nur den Rückwärtsgang, und das obwohl die Regierung zum Schluss ein Staatsdefizit von 15 Prozent des BIP pro Jahr in die schwächelnde Wirtschaft gepumpt hat.

In Deutschland wären das vergleichbar 700 Milliarden Euro, mehr als der gesamte Bundeshaushalt. Die Hälfte der Menschen lebte in Armut, ein Drittel war sogar von Obdachlosigkeit bedroht. Und damit ist nicht die statistische Armut europäischer Prägung gemeint, sondern zu wenig, um sich einen stark abgespeckten Warenkorb leisten zu können, oft also auch Hunger.

Argentiniens Präsident Javier Milei hält die jährliche Rede zur Lage der Nation im Kongress.
Argentiniens Präsident Javier Milei hält die jährliche Rede zur Lage der Nation im Kongress.Gustavo Garello

Die durch Importzölle, Exportverbote, Regulierungen und andere sozialistische Errungenschaften geschützte industrielle Basis hatte es leicht, den argentinischen Konsumenten auszubeuten. Im Inland produzierte Reifen kosteten das Zwei- bis Vierfache.

Elektroartikel das Zwei- bis Fünffache, weil sie als Einzelteile importiert und dann teuer von mit der Politik verbundenen Unternehmern zusammengesteckt wurden. Nirgendwo auf der Welt konnte man qualitativ schlechtere Kleidung teurer einkaufen. Wer konnte, ist mit dem leeren Koffer mit der überteuerten, mit Steuermitteln subventionierten, staatlichen Monopolfluglinie in den Urlaub geflogen. Der Argentinier hat sogar einen Begriff für diese Art des politischen Unternehmertums: Jagen im Zoo.

An einer Stelle hat Kaczmarczyk recht. Diese Industrie hat die Befreiung der argentinischen Wirtschaft durch Milei, der alle Exportverbote beendet, viele Importzölle abgesenkt oder ganz abgeschafft und bereits 15.000 Regelungen dereguliert hat, nicht überlebt. Man mag ihr nachtrauern, der Argentinier tut das nicht. Die Fluglinie arbeitet übrigens im entmonopolisierten Wettbewerb nach Androhung der Insolvenz durch Milei erstmals seit der Verstaatlichung mit Gewinnen.

Zudem sei der Vollständigkeit halber angemerkt, dass allein in den letzten beiden Regierungsjahren der Vorgängerregierung die Industrie einen Rückgang von 14 Prozent verzeichnen musste. Offenbar war auch mit gigantischen, schuldenfinanzierten Stimuli nach einer Generation, ähnlich wie in der DDR, nichts mehr zu retten.

Interessant ist die Behauptung, die physische Produktion wäre zuverlässiger als jedes BIP, um den Zustand der Volkwirtschaft zu schätzen. Das mag sein, aber dann muss man auch erklären, woher das BIP-Wachstum kommt, das Argentiniens Wirtschaftsleistung Quartal für Quartal zu neuen historischen Höchstwerten treibt und bislang 400.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, die Armutsquote halbiert und die Obdachlosenquote gedrittelt hat, und das ohne neue Schulden, sprich schuldenfinanzierte Stimuli, bei einem nun im dritten Jahr ausgeglichenen Staatshaushalt.

Von „bescheidenen Erholungen“ zu sprechen, wenn ein Land die höchste Wirtschaftsleistung seiner Geschichte übertrifft, ist zumindest ungewöhnlich. Dass alte, unproduktive Maschinen still stehen, ist auch ein gutes Zeichen. Wenn Stellantis ankündigt 400 Millionen USD für 1000 Arbeitsplätze in die Autoproduktion zu investieren, kann es so schlecht um die argentinische Autoindustrie nicht bestellt sein. Die Neuzulassungen steigen ohnehin zweistellig. Kürzlich haben argentinische Privatinvestoren von Mercedes die lokale Produktion des Sprinters übernommen.

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Mises Institut
Zur Person
Dr. Stephan Ring, Jurist und Autor, 63 Jahre alt, hat sich schon immer für Wirtschaft interessiert. Er war als Berater, Vorstand und Geschäftsführer für unterschiedliche Branchen tätig. Als Gründungsvorstand des Ludwig-von-Mises-Institut Deutschland hat er den Werdegang und die Entwicklung des argentinischen Präsidenten Javier Milei mit großem Interesse für den deutschen Sprachraum verfolgt, in diversen Artikeln, Interviews und Vorträgen kommentiert und auch ein Buch hierzu veröffentlicht. „Die Rettung Argentiniens: Javier Milei, die ersten 16 Monate“ schließt lückenlos an das Buch von Prof. Philipp Bagus, „Die Ära Milei“, an und beschreibt den Plan für, die Widerstände gegen und die Umsetzung dieser in der neueren Geschichte einzigartigen Rettung eines Landes. Er ist neben Prof. Bagus wahrscheinlich der beste Kenner der aktuellen Vorgänge in Argentinien im deutschsprachigen Raum.

Das von Kaczmarczyk beanstandete Wachstum der Industrie in 2025 von nur noch 0,8 Prozent ist jetzt nachhaltig, ohne staatliche Zuschüsse, im rauen Wind des internationalen Wettbewerbs und mit dem Wettbewerbsdruck eines erstarkenden Peso. In einer derartigen brutalen Umbruchsphase auch noch zu wachsen, wo andere Länder, wie Deutschland, trotz massiver Ausgabenprogramme praktisch nichts zustande bringen, ist aller Ehren wert. Warum eine starke Währung bei ausgeglichenem Staatshaushalt schlecht für die Menschen sein soll, wäre auch erklärungsbedürftig. Die starke D-Mark hat Deutschlands Industrie jedenfalls nicht geschadet.

Geht man in der Analyse tiefer und betrachtet die Entwicklung einzelner Industriebereiche in den Daten der INDEC, so fällt auf, dass noch im Mai 2025 von den 16 unterschiedenen Bereichen 15 negative Entwicklungen zeigten. Nur der Raffinerie-Bereich war bereits positiv. Im Februar 2026 wachsen dagegen bereits wieder zehn Bereiche im Monatsvergleich und von den verbleibenden sechs reduziert sich der Rückgang im Vergleich zu den Vormonaten bei fünf.

Der Schrumpfungsprozess endet. Insgesamt wächst die Industrie seit Dezember jeden Monat, im Februar nun schon den zweiten Monat in Folge. Der Index des verarbeitenden Gewerbes des INDEC erholt sich seit Dezember 2025 nun den dritten Monat in Folge. Die positiven Erwartungen übertreffen die negativen. Insoweit muss man zur Rechtfertigung anfügen, dass Kaczmarczyk vielleicht auf veraltetes Datenmaterial von Ende 2025 zugreift, was für eine aktuelle Beurteilungen der Dynamik in Argentinien eine zu große Zeitspanne ist.

Dass 73.000 Arbeitsplätze „verschwunden“ sind, ist zumindest missverständlich, wenn es um die industrielle „Basis“ geht, da im Vergleich der dritten Quartale 2023 und 2025 die Industrie ohne Baubereich 2 Prozent mehr Arbeitnehmer beschäftigt hat. Der Baubereich ist dagegen deutlich eingebrochen, nachdem Milei gleich nach Amtsantritt alle staatlichen Bauvorhaben gestoppt hat.

Allerdings zeigt auch dieser Bereich aktuell Wachstum, wenn auch von deutlich niedrigerem Niveau. Die Arbeiten an den von Milei privatisierten Straßen beginnen, die Baugenehmigungen in den Ballungsräumen erreichen aktuell Höchststände mit weiter wachsender Tendenz, was vor allem auch daran liegt, dass es dank Milei seit etwa Mitte 2024 wieder Zugang zu Hypotheken für Private gibt.

Unerwartet ist die Aussage, keiner der zuletzt stark wachsenden Sektoren verdanke seine Dynamik dem Abbau von Bürokratie. Wo doch alle Marktteilnehmer den Ab- oder Rückbau der bislang 15.000 Vorschriften als wichtig benennen. Manchen neuen inländischen Wettbewerb gäbe es ohne Deregulierung gar nicht. Offenbar gibt es unterschiedliche Ansichten, was Bürokratie ist.

Javier Mileis radikaler Politikwechsel zeigt Wirkung.
Javier Mileis radikaler Politikwechsel zeigt Wirkung.Attila Kisbenedek

Eine Behauptung, die nicht nur hier, sondern schon immer durch die Volkswirtschaft geistert, ist die angebliche große Gefahr des Imports. Schutzzölle seien ein notwendiges Mittel, zur Rettung der heimischen Wirtschaft. Der Import vernichte angeblich Arbeitsplätze und verarme das Land. Woher diese Aussagen kommen, ist nicht so ganz klar.

In Zeiten des ungedeckten Papiergeldes ist diese Behauptung jedenfalls nicht nachvollziehbar. Folgt man der Spur des Geldes, ergibt sich vielmehr folgendes Bild: Zunächst kann der Argentinier billiger ein besseres Kleidungsstück aus chinesischer Produktion erwerben. Sein Wohlstand ist definitiv gestiegen. Zugleich gibt er die Ersparnis an anderer Stelle, zum Beispiel in einem Restaurant, aus. Dort entsteht nun ein neuer Arbeitsplatz.

Für den Politiker ist das natürlich nicht so griffig. Man kann nicht den neu entstandenen Arbeitsplatz als Erfolg vorweisen. Viel besser lässt sich auf den gefährdeten Arbeitsplatz in der eignen Textilindustrie deuten. Verlustszenarien funktionieren in der Politik ohnehin besser und Dankbarkeit ist auch nur dort zu gewinnen.

Ausgaben bleiben in Argentinien

Aber es geht weiter. Der chinesische Importeur hat nun argentinische Peso, mit denen er seine Arbeitnehmer in China nicht bezahlen kann. Er braucht also Yuan. Wer gibt ihm diese? Ja doch nur jemand, der gerade Peso braucht, weil er in Argentinien etwas einkaufen möchte. Also auch dieser Betrag fließt zurück nach Argentinien. Alle Ausgaben des argentinischen Konsumenten bleiben so letztlich in Argentinien. Papiergeld hat keinen eigenen Wert. Es hat nur Wert, wenn es gegen etwas Reales getauscht werden kann. Es nach China mitzunehmen, wie vielleicht früher eine Goldmünze, macht keinen Sinn.

Kommt hinzu, dass produktivere Arbeitsplätze normalerweise höhere Löhne bezahlen. Es geht also auch den Arbeitnehmern besser. Alle gewinnen. Der Chinese und seine Arbeitnehmer, der argentinische Exporteur und seine Arbeitnehmer, der argentinische Wirt und seine Arbeitnehmer. Da das Geld im Lande bleibt, ist es auch nicht abwegig anzunehmen, dass die argentinischen Textilarbeiter einen neuen, wahrscheinlich sogar besser bezahlten Job finden. In jedem Fall gibt es keine soziale Rechtfertigung, sie von Staats wegen gegenüber dem Kellner zu bevorzugen.

Echte Verlierer sind der argentinische Textilunternehmer, der bisher im Zoo jagen konnte, und der Politiker, dem die Rechtfertigung für seinen Importzoll abhanden kommt, der mithin weniger zu verteilen hat und seinen Retterjubel einbüßt. Als Fazit bleibt: Wer Importe verteufelt, dem liegen nicht die einfachen Menschen am Herzen, sondern nur die politisch vernetzten Unternehmer und die Politiker. Er will Umverteilung des Wohlstandes von unten nach oben.

Die Erkenntnis, das neue Arbeitsrecht sei „aus dem 19. Jahrhundert“ erstaunt ebenfalls, da Milei aus diversen Gründen das argentinische Arbeitsrecht nur in etwa auf deutsches Niveau zurückbauen konnte. Dass Gewerkschaften nach wie vor, wenn auch nicht mehr in beliebiger Höhe, Beiträge von Nichtmitgliedern erheben dürfen, quasi ein eigenes Steuererhebungsrecht haben, ist aber tatsächlich eher den Zünften des Mittelalters zuzuschreiben und sollte ganz verschwinden.

Schlicht falsch ist die Unterstellung, der Arbeitgeber dürfe einseitig die Vertragsgrundlagen ändern. Was allerdings jetzt geht, ist, dass einvernehmlich Sachleistungen, wie beispielsweise ein Firmenwagen zur Privatnutzung oder Unterkunft, vereinbart werden dürfen. Ebenso, wie der Urlaub nicht mehr zwingend nur zum gesetzlich vorgesehenen Zeitpunkt genommen werden muss. Zudem gibt es jetzt Arbeitszeitkonten. Hier hätte man sich von Herrn Kaczmarczyk als Wissenschaftler etwas mehr Recherche gewünscht.

Richtig ist, dass Milei lokalen Gewerkschaften Vorrang vor nationalen einräumt, was sich von Deutschland, wo Tarifverträge schon immer meist nach Bundesland abgeschlossen werden, nicht unterscheidet. Wie bei uns in Deutschland auch, können nun Unternehmen mit ihren Mitarbeitern eigene Tarifverträge vereinbaren. Das ist in Deutschland bei einem nicht tarifgebundenen Arbeitgeber auch nicht anders. Insoweit ist die Kritik hieran nicht wirklich verständlich, sofern sie nicht als berechtigte, versteckte Kritik am deutschen Arbeitsrecht zu verstehen sein soll.

Inflation deutlich gesunken

Die Inflation ist entgegen der Andeutungen mehr als deutlich unter das Niveau zum Amtsantritt gefallen, selbst wenn man den durch die Aufhebung nahezu aller gesetzlichen Preisgrenzen, die Kaczmarczyk in seiner Aufzählung vergessen hat, ausgelösten Schub am Anfang der Amtszeit nicht berücksichtigt. Man hatte zwar keine Nudeln für den gesetzlich festgelegten Preis der Vorgängerregierung im Supermarkt bekommen, war aber offenbar nicht arm, wahrscheinlich nur hungrig.

Zudem ist natürlich auch die Umkehr der Dynamik nicht ganz unentscheidend. Argentinien war, legt man die Großhandelspreis-Inflation im Dezember 2023 zugrunde, auf dem Weg zu 17.000 Prozent Jahresinflation. Da sind gut 30 Prozent schon noch ein Unterschied. Richtig ist, dass der Rückgang seit etwa einem Dreivierteljahr stockt, wofür es diverse Gründe gibt, die größtenteils im April/Mai 2026 entfallen sein sollten. Sinkt die Inflation nicht weiter, wäre das allerdings wirklich ein Problem. Jedoch waren die Wochenzahlen im April 2026 teilweise sogar negativ, sodass hier Optimismus durchaus begründet ist.

Man muss zudem zugeben, dass die aktuelle Geldpolitik der argentinischen Zentralbank die Geldmenge nominal erhöht. Offenbar auf Druck des IWF ist sie gezwungen, Fremdwährungsreserven aufzubauen. Zwar versucht das Finanzministerium, die dafür neu ausgegebenen Pesos durch Bonds wieder einzusammeln, inwieweit dies wirklich nachhaltig gelingt, kann man jedoch noch nicht sagen. Allerdings sollte das ja im Sinne von Kaczmarczyk sein, der ja ausdrücklich eine Schwächung des Pesos verlangt.

Aktuell meldet Argentinien jeden Monat neue historische Exporterfolge sowohl in der Wert- wie auch in der Mengenbetrachtung.
Aktuell meldet Argentinien jeden Monat neue historische Exporterfolge sowohl in der Wert- wie auch in der Mengenbetrachtung.Luis Robayo

Der nächste Einwand, die Zahlen seien nicht aussagekräftig ist eines Volkswirtschaftlers eigentlich unwürdig. Die Zahlen werden nach dem Schema der Vorgänger ermittelt, damit der Vorwurf, die Inflation würde nur sinken, weil der Warenkorb geändert wurde, nicht erhoben werden kann. Tatsächlich werden die Daten aber auch von den statistischen Behörden der Provinzen, die nicht von Mileis Anhängern regiert werden, bestätigt und eine parallele Ermittlung nach den neuen Datensätzen, ergibt auch kein anderes Bild.

Was nämlich bei diesem Argument, die Ermittlungsgrundlage sei veraltet, gerne unterschlagen wird, ist, dass man dann natürlich auch die Vorgängerzahlen zumindest teilweise nach der neuen Methode berechnen müsste, um die Dynamik abschätzen zu können. Milei hat angekündigt, die neue Berechnung freizugeben, wenn die Inflation tatsächlich ein internationales Niveau erreicht hat.

Die Armut wird ohnehin zusätzlich von mehreren unabhängigen Instituten nach leicht unterschiedlichen Methoden ermittelt. Auch hier ergibt sich ein einheitliches Bild in der Dynamik.

Zweitgrößte Gasreserven der Welt

Aufgrund des „völkerrechtswidrigen US-israelischen Angriffs auf den Iran“ sind Wachstumsimpulse nicht „kaum“, sondern erst recht ersichtlich. Argentinien ist seit Milei Netto-Energieexporteur. Es sitzt auf den zweitgrößten Gasreserven der Welt, an denen sich auch Deutschland seit Milei bedient. Im Kontext des RIGI, eines von Milei 2024 eingeführten Programms zur Förderung von Großinvestitionen, sind Anträge für fast 100 Milliarden USD gestellt, wovon bereits knapp 30 Milliarden genehmigt sind.

Der Rohstoffbereich wird Argentinien neben dem erwachten Agrarbereich, der 400 Millionen Menschen weltweit ernährt, auf Jahrzehnte Exportüberschüsse bescheren. Solange der Staat keiner Neuverschuldung bedarf, wird Argentinien damit zu den stabilsten Ländern der Erde gehören, wie auch die Präsidentin des IWF in ihrem schon genannten Vortrag angeblich ausgeführt hat.

Woher daher die behaupteten Handelsdefizite kommen sollen, bleibt offen. Aktuell meldet Argentinien jeden Monat neue historische Exporterfolge sowohl in der Wert- wie auch in der Mengenbetrachtung. Die neu abgeschlossenen Freihandelsabkommen zwischen EU und Mercosur, das mittlerweile vorläufig in Kraft ist, und den USA, mit denen Argentinien extrem positive Bedingungen erreicht hat, werden dem nicht entgegenstehen.

Dass die Devisenreserven aktuell nicht „aufgefressen“ werden, sondern wachsen, wurde schon erwähnt. Zu ergänzen bleibt, dass die Verschuldung Argentiniens in Fremdwährung bei Privaten nur 16 Prozent des BIP beträgt. Insgesamt ist die konsolidierte Verschuldung unter Milei auf unter 70 Prozent des BIP gefallen.

Gänzlich falsch ist leider die Aussage zum Kredit der US-Regierung. Diese Lüge geistert schon länger herum. Von einem Wissenschaftler könnte man allerdings erwarten, dass er die Originalquellen heranzieht. Tatsache ist, dass die USA der argentinischen Zentralbank Ende 2025 ein Währungs-SWAP über 20 Milliarden USD eingeräumt haben, der in Höhe von rund 2,5 Milliarden USD auch kurzfristig genutzt wurde und längst mit schönen Währungsgewinnen für die USA zurückgetauscht ist.

Diese SWAPs sind übrigens üblich. Auch die EZB bedient sich dieses Mittel bei der FED. Die Aussichten für Argentinien sind somit alles andere als „düster“. Wenn Mileis Rezepte daher offenkundig und absehbar Erfolg haben werden, stellt sich die Frage, ob Deutschland nicht auch wieder zu den Grundsätzen Ludwig Erhards zurückkehren sollte. Denn was uns heute als moderne Volkswirtschaft verkauft wird, läuft im Kern auf eine Umverteilung von unten nach oben hinaus, während die gesamtwirtschaftliche Basis vor unseren Augen sichtbar erodiert. Kaczmarczyk ist hier anderer Meinung.

Es bleibt aber offen, wie „wirtschaftlich erfolgreiche Länder ihre industriellen Transformationen tatsächlich bewältigt haben“, da er tatsächlich keines benennt. Das aktuelle Deutschland kann er nicht wirklich meinen. Argentinien zeigt, wie es geht. Und ich bin zuversichtlich, dass das Jahr 2026 den Druck auf all diejenigen erhöhen wird, die immer noch glauben, der Staat könne es mit „einer aktiven Industriepolitik mit strategischer Ausrichtung, fiskalischen Spielräumen für öffentliche Investitionen, und einer Geldpolitik, die Diversifizierung und schöpferische Zerstörung ermöglicht statt verhindert“ erreichen, was immer das dann konkret anderes heißt, als den Freunden Zugriff auf Steuergelder zu ermöglichen.

Ungleichheit gefallen

Argentinien wird dagegen zeigen, was passiert, wenn man darauf aus gut fundierten, wissenschaftlichen Gründen verzichtet. Und das Schöne wird sein, dass es anders als bei Ludwig Erhard nicht einfach werden wird, diesen Erfolg der Österreichischen Schule der Nationalökonomie in ein sozialistisches Projekt umzudeuten. Milei setzt ausdrücklich auf freie und nicht auf soziale Marktwirtschaft. Schon Ludwig Erhard wusste: Der Markt ist sozial.

Und übrigens: Der GINI-Koeffizient hat sich unter Milei reduziert, sprich die Ungleichheit ist selbst nach diesem sinnfreien Index gefallen, und Argentinien hat im Demokratieindex einen Sprung nach vorne um sechs Plätze gemacht. Die Sprung nach vorne um 43 Plätze im wirtschaftlichen Freiheitsindex, den größten Sprung, den es jemals seit Existenz des Index gab, geschenkt.

Wer über Argentinien informiert bleiben möchte, dem sei die Webseite des Ludwig-von-Mises-Institut Deutschland e.V. (www.misesde.org) mit gelegentlichen Artikeln hierzu sowie als deutschsprachige tägliche Informationsquelle @JavierMileiDE auf X empfohlen. Mittlerweile übersetzt X auch die spanischen Posts von Javier Milei und seiner Mannschaft in ganz brauchbares Deutsch.

Von der spannenden Geschichte über die Rettung Argentiniens handelt mein Buch: „Die Rettung Argentiniens: Javier Milei, die ersten 16 Monate“.