Die Lage in der Straße von Hormus hat sich innerhalb weniger Stunden erneut dramatisch verändert. Nachdem der Iran am Vortag noch eine Öffnung der strategisch zentralen Meerenge für Handelsschiffe verkündet hatte, nimmt Teheran diese Entscheidung nun wieder zurück. Laut dem Hauptquartier der iranischen Streitkräfte, das von der Nachrichtenagentur Fars zitiert wird, sei der Schritt eine Reaktion auf die anhaltende Blockade iranischer Häfen durch die USA.
Damit ist der kurzfristige Versuch einer Deeskalation bereits wieder beendet und die wichtigste Route für den globalen Öl- und LNG-Handel zurück im Zustand geopolitischer Unsicherheit. Die Straße von Hormus bleibt damit eines der zentralen Konfliktfelder zwischen Washington und Teheran.
Bereits die ursprüngliche Ankündigung hatte zu erheblicher Verunsicherung in der Schifffahrt geführt. Zwar erklärte Irans Außenminister Abbas Araghtschi, dass die Passage für Handelsschiffe geöffnet sei, allerdings nur auf festgelegten, von der Revolutionsgarde kontrollierten Routen.
Iran-Verhandlungen: Wie geht es weiter?
Schiffsbewegungsdaten zeichnen am Samstagvormittag eine Situation der Unsicherheit. Mehrere Tanker und Frachter aus Griechenland und Indien kehrten kurz vor der Passage um oder stoppten ihre Fahrt. Laut der Plattform Seatrade Maritime News ist „nicht klar, warum Schiffe umgedreht sind“, ob sie gewarnt wurden oder auf Genehmigungen warten. Auch nach Angaben der Datenfirma Kpler brachen rund 20 Handelsschiffe ihre Durchfahrt ab. Die Folge ist ein Stillstand in einer der wichtigsten Handelsrouten der Welt.
Die Branche reagiert entsprechend vorsichtig. Jakob Larsen vom Reederverband BIMCO warnt laut Seatrade Maritime News, die Route sei „möglicherweise vermint“ und nicht sicher freigegeben. Der Generalsekretär der Internationalen Schifffahrts-Kammer ICS, Thomas Kazakos, spricht von „viel Unsicherheit darüber, was das in der Praxis bedeutet“. Und selbst die Internationale Seeschifffahrts-Organisation fordert Klarheit. Ihr Chef Arsenio Dominguez erklärt: „Ich brauche weitere Klarstellungen (…), dass es keine Risiken für die Schiffe gibt.“ In der Branche blieb man entsprechend vorsichtig, viele Reedereien mieden die Meerenge weiterhin.
Parallel dazu verschärft sich der geopolitische Druck. US-Präsident Donald Trump hält an der Seeblockade iranischer Häfen fest – „bis zum vollständigen Abschluss unserer Vereinbarungen“. Für Teheran ist das ein klarer Bruch der Waffenruhe. Irans Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf drohte: „Solange die Blockade andauert, wird die Straße von Hormus nicht offen bleiben.“ Damit bleibt die Meerenge eines der zentralen Druckmittel der Führung in Teheran; ein Hebel, der jederzeit wieder eingesetzt werden kann.
Beide Seiten, sowohl der Iran als auch die Vereinigten Staaten, operieren immer wieder mit gezielter Ambiguität: Weder eine vollständige Öffnung noch eine klare Schließung der Straße von Hormus. Doch genau diese Unsicherheit erhöht den Druck auf Märkte und Verhandlungspartner.
Die Auswirkungen sind derweil global spürbar. Ölpreise reagieren unmittelbar auf jede neue Meldung. Manchmal fallen die Preise innerhalb weniger Stunden auf 85 Dollar pro Barrel, einen Tag später steigen sie erneut auf über 100 Dollar. Auch Reedereien zögern, Versicherer erhöhen währenddessen ihre Prämien.
Entsprechend nüchtern fällt die Einschätzung von Sicherheitsexperten aus. Cormac McGarry von Control Risks sagt der BBC, die Ankündigung „ändert im Grunde nichts“. Die implizite Bedrohung, etwa durch mögliche Minen in der geostrategisch wichtigen Region, bleibe bestehen. Sein Fazit: „Die Szenarien für die Schifffahrt in den nächsten Wochen sehen ziemlich düster aus.“




