Nahost

Iran öffnet Straße von Hormus: Ölpreis bricht ein – Trump hält Seeblockade aufrecht

Der Iran gibt die Passage für Handelsschiffe frei – die Ölpreise brechen ein. Gleichzeitig droht Teheran mit einer erneuten Schließung, sollte die US-Blockade bestehen bleiben.

Öltanker auf See: Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Handelsrouten für Energie weltweit.
Öltanker auf See: Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Handelsrouten für Energie weltweit.Kirill/imago

Der Iran hat die strategisch wichtige Straße von Hormus für den internationalen Schiffsverkehr wieder freigegeben. Außenminister Abbas Araghchi erklärte am Freitag, die Passage sei „für alle kommerziellen Schiffe vollständig geöffnet“ – zumindest für die Dauer der aktuellen Waffenruhe. Die Entscheidung stehe im Zusammenhang mit der Waffenruhe zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah, schrieb Araghchi im Onlinedienst X. Der Schiffsverkehr solle entlang zuvor abgestimmter Routen erfolgen, die von der iranischen Hafen- und Seeschifffahrtsbehörde festgelegt worden seien.

Die Straße von Hormus gilt als einer der wichtigsten Engpässe der globalen Energieversorgung. Ein erheblicher Teil des weltweit gehandelten Öls und Flüssiggases passiert die Meerenge zwischen Iran und Oman. Entsprechend sensibel reagieren Märkte und Regierungen auf jede Einschränkung der Passage.

Iran droht mit erneuter Schließung der Meerenge

US-Präsident Donald Trump griff die Ankündigung zunächst knapp auf. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb er, die Meerenge sei „vollständig geöffnet“ und ergänzte: „Danke!“ Kurz darauf präzisierte Trump seine Position deutlich. Die Passage sei zwar „vollständig geöffnet und bereit für den Verkehr“, schrieb er in einem weiteren Beitrag. Die gegen den Iran gerichtete Seeblockade bleibe jedoch „in vollem Umfang in Kraft“, bis ein Abkommen mit Teheran vollständig abgeschlossen sei.

Sollte die US-Blockade iranischer Häfen andauern, wird Teheran dies als Verstoß gegen den Waffenstillstand betrachten und die Straße von Hormus schließen, sagte ein iranischer Beamter der Nachrichtenagentur Fars.

Minenräumung als Voraussetzung für sicheren Schiffsverkehr

Trump erklärte zudem, der Iran arbeite gemeinsam mit den USA daran, Seeminen in der Straße von Hormus zu entfernen. „Iran hat mit Hilfe der USA alle Seeminen entfernt oder ist dabei, sie zu entfernen“, schrieb Trump in einem weiteren Beitrag auf Truth Social. Die Räumung gilt als entscheidend, um das Vertrauen der Reedereien in die Sicherheit der Route wiederherzustellen.

Nach Angaben der USA sowie iranischer Medien hatten die Revolutionsgarden während des Konflikts Seeminen in der Meerenge verlegt. Die US-Marine verfügt über spezialisierte Schiffe zur Minenräumung und hat zusätzliche Einheiten aus Japan in die Region entsandt, um die Arbeiten zu unterstützen.

Der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus nach Ankündung von Irans Außenminister
Der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus nach Ankündung von Irans AußenministerScreenshot/VesselFinder

Ölpreise, Börsen, Märkte: Sofortige Reaktion

Die Öffnung der Meerenge löste sofort starke Bewegungen an den Rohstoffmärkten aus. Nach Angaben von Reuters brachen die Ölpreise um mehr als elf Prozent ein und setzten damit bereits zuvor begonnene Verluste fort. Der Preis für die Nordseesorte Brent fiel um 11,2 Prozent auf 88,27 US-Dollar pro Barrel. Die US-Referenzsorte West Texas Intermediate verlor rund zwölf Prozent und lag zuletzt bei 83,29 US-Dollar. Bereits zuvor hatten Hoffnungen auf eine Entspannung im Konflikt zwischen den USA und dem Iran sowie die Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah die Preise unter Druck gesetzt.

Marktteilnehmer werten die Ankündigung aus Teheran als Signal für eine mögliche Entspannung. „Die Aussagen des iranischen Außenministers deuten auf eine Deeskalation hin, solange die Waffenruhe hält“, sagte der UBS-Analyst Giovanni Staunovo laut Reuters. Entscheidend sei nun, ob der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus tatsächlich wieder deutlich zunimmt.

Reedereien zögern – Zweifel an schneller Normalisierung

Trotz der Ankündigung aus Teheran bleibt die Lage für die Schifffahrt unsicher. Erste Einschätzungen aus der Branche deuten darauf hin, dass Reedereien vorerst zögern, die Route wieder regulär zu nutzen. Ein Betreiber von Öl- und Gastankern sagte der BBC, die iranische Erklärung ändere „vorerst nichts“. Man wolle „keine unnötigen Risiken eingehen“ und nicht zu den ersten gehören, die die Meerenge wieder passieren. Auch der Tankerbetreiber Stena Bulk erklärte, man beobachte die Entwicklung genau. „Die Sicherheit unserer Besatzungen und Schiffe bestimmt jede Routenentscheidung“, hieß es. Eine Durchfahrt komme erst infrage, wenn die Lage als sicher eingeschätzt werde.

Zusätzlich prüft die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) die Ankündigung. Generalsekretär Arsenio Dominguez erklärte, es gehe nun darum zu klären, ob die Öffnung tatsächlich die freie und sichere Passage für alle Handelsschiffe gewährleistet.

Europa bereitet Schutzmission vor

Die Öffnung der Meerenge wird auch international mit Vorsicht aufgenommen. Bei einer Konferenz zur Sicherung der Straße von Hormus in Paris, an der Vertreter von rund 50 Staaten und Organisationen teilnahmen, bezeichnete Bundeskanzler Friedrich Merz die Ankündigung aus Teheran als „gute Nachricht“. Sie müsse jedoch „zuverlässig“ und „dauerhaft“ sein und im Einklang mit dem internationalen Seerecht stehen.

An dem Treffen nahmen neben Frankreichs Präsident Emmanuel Macron auch der britische Premierminister Keir Starmer sowie Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni teil. Großbritannien und Frankreich treiben nach Angaben Starmers die Planung einer internationalen Mission zum Schutz der Schifffahrt voran. Mehr als ein Dutzend Staaten hätten bereits zugesagt, militärische Mittel bereitzustellen.

Die geplante Mission soll nach Starmers Worten defensiv ausgerichtet sein und unter anderem die Minenräumung unterstützen. Weitere Details sollen in der kommenden Woche vorgestellt werden. Auch Deutschland könnte sich beteiligen. Nach Angaben aus Regierungskreisen in Berlin wird geprüft, ob die Bundeswehr Fähigkeiten zur Minenräumung oder zur maritimen Aufklärung bereitstellen kann, berichtete die Nachrichtenagentur AFP.

Trump lehnt Nato-Hilfe in Straße von Hormus ab

Trump lehnte am Freitag eine Hilfe der Nato bei der Sicherung der Straße von Hormus ab. „Jetzt, wo die Situation an der Straße von Hormus zu Ende ist, habe ich einen Anruf von der Nato bekommen, ob wir Hilfe brauchen“, schrieb Trump auf seiner Onlineplattform Truth Social. „Ich habe ihnen gesagt, sie sollen wegbleiben, es sei denn, sie wollen einfach nur ihre Schiffe mit Öl beladen.“ Die Nato sei „nutzlos“ gewesen, als sie gebraucht worden sei, schrieb Trump. Er beschimpfte das westliche Verteidigungsbündnis - wie er es bereits mehrfach getan hatte - erneut als „Papiertiger“. Unklar war, ob Trump tatsächlich die Nato meinte oder einzelne Nato-Mitgliedstaaten.

US-Militär: 19 Schiffe gestoppt

Das US-Militär unterstrich derweil den Druck auf den Iran. Das für die Region zuständige Zentralkommando erklärte am Freitag auf der Plattform X, während der US-amerikanischen Seeblockade habe kein einziges Schiff die US-Seestreitkräfte umgehen können. Insgesamt hätten 19 Schiffe auf Anweisung der US-Marine ihren Kurs geändert und seien in Richtung Iran zurückgekehrt.

Der Iran-Krieg hatte am 28. Februar mit US-israelischen Angriffen begonnen, bei denen unter anderem der oberste Führer Ali Chamenei getötet worden war. Der Iran reagierte mit Angriffen auf Israel, mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Region - und der de-facto-Blockade der Straße von Hormus. Am 7. April einigten sich die USA und der Iran auf eine zweiwöchige Waffenruhe.

Am vergangenen Wochenende endeten Verhandlungen für einen dauerhaften Frieden zwischen dem Iran und den USA in der pakistanischen Hautstadt Islamabad ohne Einigung. Trump verhängte daraufhin die Blockade iranischer Häfen. Es gibt aber weiter Bemühungen, ein Friedensabkommen zu erreichen. Trump hat wiederholt erklärt, ein solcher Deal könne bald abgeschlossen werden.