Geopolitik

Kanzler-Besuch im Weißen Haus beendet: Ukrainekrieg und Elon Musk bestimmen das Gespräch

Beim mit Spannung erwarteten Antrittsbesuch von Kanzler Friedrich Merz bei US-Präsident Trump blieb der große Eklat aus – trotz Stolperfalle, heiklem Ukraine-Thema und spitzer Musk-Kritik.

Entspannte Stimmung: US-Präsident Donald Trump trifft sich mit Bundeskanzler Friedrich Merz im Oval Office des Weißen Hauses.
Entspannte Stimmung: US-Präsident Donald Trump trifft sich mit Bundeskanzler Friedrich Merz im Oval Office des Weißen Hauses.Michael Kappeler/AFP

Beim mit Spannung erwarteten Treffen zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und US-Präsident Donald Trump blieb ein Eklat aus. Merz wirkte gut vorbereitet, schmeichelte Trump und sagte trotzdem klar seine Meinung. Bei brenzeligen Situationen wich er aus oder hielt sich zurück. Die meiste Zeit redete der US-Präsident - der die Show vor den laufenden Kameras offenbar sehr genoss. „Vielleicht sollte man sie erstmal kämpfen lassen“: Er vermied es erneut, Russlands Präsidenten Wladimir Putin für seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu kritisieren - und teilte gegen seinen Ex-Berater Elon Musk aus.

Vor dem Treffen im Weißen Haus hatte es Spekulationen darüber gegeben, dass Trump den Bundeskanzler überrumpeln oder provozieren könnte. Dafür sorgte auch eine überraschende Änderung des Tagesablaufs: Der gemeinsame Auftritt vor den Journalisten wurde überraschend vorgezogen - das zuvor geplante Kennenlernessen wurde auf danach verschoben.

Beobachter hatten die Planänderung als gezielte „Stolperfalle“ gewertet, zumal der US-Präsident bei ähnlichen Gelegenheiten in der Vergangenheit bereits andere Staatsgäste bloßgestellt hatte – etwa den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj oder Südafrikas Staatschef Ramaphosa. Am Abend sagte Merz gegenüber dem ARD-„Brennpunkt“, Trump habe eine von ihm ausgesprochene Einladung zu einem Besuch in Deutschland angenommen. „Die Teams werden nach einem Termin suchen“, so Merz.

Treffen zwischen Merz und Trump - so lief das Gespräch

Der Bundeskanzler begann seine Rede mit einem Dank an Trump für die Einladung ins Weiße Haus. Er sagte, er sei „sehr glücklich, hier zu sein. Wir haben viel gemeinsam“. Dann überreichte er dem US-Präsidenten die Geburtsurkunde von Trumps Großvater väterlicherseits. Der Auftakt des Treffens verlief für Merz ideal, Trump versprach ein „sehr gutes“ Verhältnis zu Deutschland. Wie erwartet, kam die Ukraine schnell zur Sprache. Trump lächelte, wirkte höflich und herzlich.

Thema Ukrainekrieg: Trump weicht aus - Merz hofft auf US-Unterstützung

Auf die Frage, ob er bereit sei, Druck auf Putin auszuüben, wich Trump aus. Stattdessen lenkte er das Gespräch auf Nord Stream 2 – und dann überraschend auf Merz. „Ich denke, er ist schwierig. Kann ich das sagen?“, sagte Trump über den Bundeskanzler. Dennoch sei Merz ein hervorragender Vertreter seines Landes, und man hoffe, bald ein Handelsabkommen abschließen zu können. Merz kam daraufhin zu Wort und sprach erstmal auf Deutsch. Er sagte, er freue sich, die Beziehungen mit den USA weiter zu vertiefen. Trump testete seine Sprachkenntnisse und wollte wissen, ob sein Englisch genauso gut sei wie sein Deutsch. Merz antwortete: „Ich verstehe so gut wie alles.“ Seine Muttersprache aber sei Deutsch. Er lächelte freundlich, wirkte entspannt und ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.

Trump bezeichnete den Kanzler als „schwierig“ – scherzte aber, Merz würde nicht wollen, dass man ihn als „einfach“ bezeichnet. „Wir werden ein gutes Handelsabkommen haben“, fuhr Trump fort. Er sagte, es werde größtenteils von der EU bestimmt, „aber Sie spielen dabei eine große Rolle“, sagte Trump zu Merz.

Merz spart nicht mit diplomatischem Lob für Trump

Merz forderte Trump auf, gemeinsam mit Deutschland und Europa an einem Ende des Ukrainekrieges zu arbeiten. Amerika sei „in einer sehr starken Position, um in diesem Krieg etwas zu unternehmen und ihn zu beenden“, sagte Merz bei seinem Treffen mit Trump. Er sei gekommen, um darüber zu sprechen, was man gemeinsam für dieses Ziel tun könne. „Wir sind bereit, alles zu tun, was wir können“, sagte Merz. Der Kanzler wies darauf hin, dass Deutschland und Europa die Ukraine unterstützt habe und man den Druck auf Russland erhöhen wolle.

Merz reagierte diplomatisch auf Trumps umstrittenen Vergleich, Russland und die Ukraine seien wie zwei streitende Kinder. Einen direkten Widerspruch vermied er, doch er lenkte die Deutung in eine andere Richtung: Beide Seiten suchten Wege, um den Krieg zu beenden – er bezeichnete Trump dabei als Schlüsselfigur. Damit schmeichelte Merz dem US-Präsidenten und bediente dessen Bedürfnis nach Bedeutung. Gleichzeitig setzte er ein klares Zeichen: Deutschland steht an der Seite der Ukraine. Eine Gleichsetzung der Kriegsparteien, wie sie Trump nahelegte, lehnte Merz damit implizit ab – ohne offene Konfrontation, aber mit Haltung

Trump meinte dann, er findet es gut, wenn Deutschland aufrüstet. Ob Deutschland schon genug für die eigene Verteidigung ausgibt, konnte er nicht sagen. Anschließend kam das Thema US-Truppen in Deutschland auf den Tisch. Trump betonte, dass rund 45.000 amerikanische Soldaten in Deutschland und Europa stationiert seien – „das ist im Grunde eine Kleinstadt“, so der Präsident. Man werde darüber sprechen, versichert er, betonte aber zugleich die „sehr guten Beziehungen“ zu Deutschland.

Streit zwischen Musk und Trump eskaliert öffentlich

Das angespannte Verhältnis zu Elon Musk bliebt nicht unerwähnt. Trump betonte, es habe „überhaupt kein Problem“ gegeben – bis seine Regierung die staatliche Förderung für Elektroautos gestrichen habe. „Da ist Musk wütend geworden“, so Trump. Mit Blick auf die jüngste Kritik des Tech-Milliardärs fügt er hinzu: „Jetzt bin ich doch sehr enttäuscht. Ich habe ihm schließlich sehr geholfen.“

Musk reagierte prompt und schrieb auf X, dass Trump ohne ihn niemals Präsident geworden wäre. Kurze Zeit später legte er nach und behauptete in einem explosiven Post auf X, Trump sei in den Fall um den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein verwickelt – und das sei der wahre Grund, warum die betreffenden Unterlagen bislang nicht veröffentlicht wurden. „Zeit, die ganz große Bombe platzen zu lassen“, schrieb Musk und richtete sich direkt an den Ex-Präsidenten: „@realDonaldTrump ist in den Epstein-Akten. Das ist der wahre Grund, warum sie nicht veröffentlicht wurden. Schönen Tag noch, DJT!“. Der Tech-Milliardär fügte hinzu: „Merke dir diesen Beitrag für die Zukunft. Die Wahrheit wird ans Licht kommen“.

Vor dem Treffen: Kritik an deutscher Meinungsfreiheit

Offiziell sollte es bei dem Treffen um die Zukunft der Nato, den Ukraine-Krieg und transatlantische Handelskonflikte gehen. Zuvor war erwartet worden, dass Trump auch seinen Vorwurf zur angeblichen Einschränkung der Meinungsfreiheit in Deutschland zur Sprache bringen könnte – ein Thema, das in der Trump-Regierung seit Monaten öffentlich gespielt wird. Das hatte die New York Times vermutet.

Merz zeigte sich vor dem Treffen kampfbereit: Sollte Trump entsprechende Vorwürfe erheben, werde er „sehr klar“ Position beziehen. Schon im Februar hatte Merz als damaliger Kanzlerkandidat scharf auf Äußerungen des US-Vizepräsidenten J.D. Vance reagiert, der Deutschland auf der Münchner Sicherheitskonferenz mangelnde Meinungsfreiheit vorgeworfen hatte. Auch US-Außenminister Marco Rubio hatte den Umgang mit der AfD in Deutschland als „verkappte Tyrannei“ bezeichnet. Trumps außenpolitischer Scharfmacher Vance soll Medienberichten zufolge beim Treffen mit Merz im Weißen Haus jedoch nicht dabei sein.

Das erste direkte Aufeinandertreffen zwischen Merz und Trump galt als wichtiger Indikator für das künftige transatlantische Klima. Der Kanzler selbst hatte im Vorfeld betont, es sei wichtig, „miteinander zu reden – auch über strittige Themen“.