Volle Züge, verärgerte Fahrgäste. Zwischen Berlin und der Ostsee, nach Dessau und in den Spreewald können die Regionalexpresszüge den Andrang oft nicht mehr bewältigen. Fahrgäste drängen sich genervt in vollen Wagen – wenn sie überhaupt hineinkommen.
Zusätzliche Kapazität kostet Geld. Trotzdem sprechen die Deutsche Bahn (DB), der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) und andere Akteure darüber, wie sie den Stress verringern können. Jetzt werden die Pläne konkreter, sagt Carsten Moll von DB Regio Nordost.
Erst das Neun-Euro-Ticket, dann das Deutschlandticket. Attraktive Angebote haben dem Nah- und Regionalverkehr mehr Reisende beschert. Wird die Bahn in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern von dem Erfolg überrollt? Das fragen sich Beobachter.
„Wir versuchen, die Angebote zu verbessern“
„Die Nachfrage steigt, schon seit Jahren. Die Daten zeigen, dass unsere Züge immer öfter genutzt werden“, so Moll zur Berliner Zeitung. Seit Mai 2023 sorgt die Einführung des Deutschlandtickets für zusätzliche Nachfrage. Bei DB Regio Nordost ist die Zahl der Personenkilometer um rund 20 Prozent gestiegen. Das heißt: Alle Reisenden legen insgesamt ein Fünftel mehr Kilometer zurück. Auf der Regionalexpresslinie RE7 hat sich die Zahl der Reisenden sogar verdoppelt. Sie verbindet Dessau mit Bad Belzig, Berlin, Lübbenau (Spreewald) und Senftenberg.
„Wir wissen, dass es auf manchen Verbindungen immer wieder voll wird – zum Beispiel von Berlin in Richtung Ostsee“, bestätigt Moll, der Vorsitzender der Regionalleitung und Regionalleiter Marketing bei DB Regio Nordost ist. „Wir können die Kapazität nicht unbegrenzt erhöhen. Aber wir versuchen, die Angebote zu verbessern, soweit es geht.“

Eine Neuerung ist schon in Kraft getreten. Seit vergangenem Dezember gibt es zwischen Berlin, Greifswald und Stralsund im Regionalverkehr täglich einen Stundentakt: alle zwei Stunden direkt mit dem RE3, alle zwei Stunden mit Umsteigen in Angermünde in den RE30. Dort ist laut Plan in Richtung Meer acht, nach Berlin sieben Minuten Zeit, um den Zug zu wechseln. „In der Regel funktioniert der Anschluss“, so Moll.
Doch viele Reisende trauen der Bahn offenbar nicht. Nach schlechten Erfahrungen bezweifeln sie, dass der Anschluss klappt. Folge ist, dass die durchgehenden Regionalexpresszüge weiterhin ziemlich voll sind. Zudem halten sie in Orten, an denen der RE30 ohne Halt durchfährt.
Deshalb ist es nun das Ziel, den RE3 auf einen Stundentakt umzustellen. Das haben die Landesregierungen von Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg erst kürzlich wieder bekräftigt. „Wir begrüßen den Plan der Ministerpräsidenten Schwesig und Woidke, ab Dezember 2026 den RE3 stündlich durchgehend zwischen Berlin und Stralsund zu fahren“, erklärte Moll. „Das würde den Regionalverkehr weiter verbessern.“
Wieder direkt vom Bahnhof Gesundbrunnen zum BER
Derzeit fährt jeder zweite RE3 über Angermünde nach Schwedt. Wird die Oderstadt zum Fahrplanwechsel abgehängt? Nach Informationen der Berliner Zeitung prüfen die Verantwortlichen die Idee, die neue Linie RE20 aus Cottbus und Lübbenau über Berlin hinaus nach Schwedt zu verlängern, um die Direktverbindung dorthin zu erhalten.
Nebeneffekt: Damit erhielte der Bahnhof Gesundbrunnen die direkte Route zum Flughafen BER zurück. Auch Orte nordöstlich von Berlin würden von der Verbindung zum Hauptstadt-Airport profitieren.
Für die Verbindung von Berlin nach Stralsund mit Anschlüssen nach Usedom und Rügen ist eine weitere Verbesserung geplant. „In der kommenden Fahrplanperiode, die im Dezember 2026 beginnt, wird es auch in puncto Fahrzeuge Verbesserungen im Verkehr zwischen Berlin und der Ostsee geben“, erklärt der Bahn-Manager. „Die Linie RE3 nach Stralsund bekommt 2027 neue Doppelstockzüge des Typs Stadler Kiss.“
Mehr Sitzplätze im Regionalexpress nach Stralsund
Sie werden wie die heutigen Züge fünf Wagen haben. Allerdings werden dort deutlich mehr Sitzplätze untergebracht. Heute können im RE3 bis zu 480 Menschen im Sitzen reisen, künftig sind es 579. Außerdem gibt es in den neuen Zügen Wlan, große Displays für Fahrgastinformationen in Echtzeit und mobilfunkdurchlässigere Fensterscheiben, sagt Moll.
Mit Inkrafttreten des neuen Verkehrsvertrags Ende dieses Jahres wird es auch auf der Linie RE5 Neuerungen geben. „Nach Rostock setzen wir dann zunehmend umfassend redesignte Doppelstockwagen ein“, kündigt Carsten Moll an. Dort werden weiterhin Züge mit fünf Wagen verkehren, gezogen von Loks der Baureihe 146.

Auch die Regionalexpresslinie RE7 zwischen Dessau, Bad Belzig, Berlin, Lübbenau und Senftenberg steht auf der To-do-Liste. Dort ist die Zahl der Reisenden besonders stark gestiegen. Das liegt zum einen daran, dass weiterhin Menschen in den Berliner Speckgürtel ziehen. Zum anderen gehört die Dessau-Route zu den Strecken, auf denen besonders viele Reisende mit Deutschlandticket unterwegs sind. Wer von Berlin nach Halle (Saale) oder Leipzig möchte, reist meist über Dessau.
Derzeit ist vorgesehen, dass die roten Elektrotriebwagen von DB Regio montags bis freitags in Doppeltraktion verkehren. Dann gesellt sich zu jeweils einem Fünfteiler in der Regel ein Dreiteiler. Sonnabends und sonntags hat der Verkehrsverbund jedoch weniger Kapazität bestellt. Seitdem der RE7 auch am Wochenende stündlich nach Dessau verkehrt, wird dann nur ein Fünfteiler eingesetzt – das reicht oft nicht aus.
„Hier besteht dringender Handlungsbedarf“
„Auf der Linie RE7 kommt es das ganze Jahr über vor, dass Züge sehr voll werden können. Vor allem am Wochenende und in der Saison haben wir das Problem, dass Fahrgäste und Fahrräder nicht mehr mitgenommen werden können“, berichtet Carsten Moll. „Deshalb sprechen wir mit den Ländern Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt darüber, auch an diesen Tagen künftig deutlich häufiger in Doppeltraktion zu fahren. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.“





