Die Golfairline Emirates hat derzeit andere Sorgen. Nach den militärischen Spannungen rund um den Iran läuft der Betrieb in der Region noch immer nicht überall stabil. Zwar hat die Airline ihr Streckennetz rund um ihr Drehkreuz in Dubai weitgehend wieder hochgefahren. Doch vereinzelte Drohnenangriffe und Sicherheitsprobleme sorgen weiterhin für Störungen im Luftverkehr.
Kurzfristig beschäftigt Emirates deshalb vor allem das operative Geschäft. Mittelfristig jedoch dürfte die Airline zu einem Expansionsplan zurückkehren, den sie bereits vor dem Konflikt mit Nachdruck verfolgt hat: zusätzliche Ziele in Deutschland. Und dabei steht seit Jahren ein Ziel besonders im Fokus – Berlin.
Vier Flughäfen – mehr erlaubt das Abkommen nicht
Derzeit darf Emirates in Deutschland maximal vier Flughäfen bedienen. Diese Möglichkeiten nutzt die Airline vollständig aus: mit Verbindungen nach Frankfurt, München, Düsseldorf und Hamburg.
Weitere Ziele sind aktuell nicht erlaubt. Genau das würde Emirates jedoch gerne ändern. Seit Jahren interessiert sich die Airline für zusätzliche deutsche Destinationen – insbesondere Berlin, zuletzt auch Stuttgart.
In den vergangenen Monaten gab es erste Anzeichen für Bewegung. Ende Januar berichteten Medien über mögliche Flüge nach Berlin. Emirates erklärte daraufhin, man habe lediglich im Rahmen üblicher Planungsprozesse Slots am Flughafen Berlin Brandenburg beantragt.
Kurz darauf folgten politische Signale. Mehrere Medien berichteten, dass das Kanzleramt zusätzliche Landerechte für Emirates in Berlin und Stuttgart prüfe. Eine Delegation von Bundeskanzler Friedrich Merz soll während eines Besuchs in den Vereinigte Arabische Emirate sogar zugesagt haben, entsprechende Verbindungen zu ermöglichen, berichtete die Berliner Zeitung.
Sollte sich die Bundesregierung tatsächlich dazu entschließen, könnte das Kanzleramt eine Änderung der Verkehrsrechte veranlassen, während das Bundesministerium für Digitales und Verkehr sie umsetzen würde. Ob es tatsächlich dazu kommt, ist jedoch offen.
Berlin fordert eine Entscheidung
In der Hauptstadt wächst der Druck. Bereits im Februar forderten der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zusätzliche Langstreckenverbindungen für den BER.
„Die Menschen und Unternehmen in der Hauptstadtregion erwarten zu Recht mehr Direktverbindungen ohne unnötige und ökologisch fragwürdige Umstiege“, erklärten beide Regierungschefs in einer gemeinsamen Stellungnahme. Eine Direktverbindung in eine globale Wachstumsregion würde Ostdeutschland als Wirtschaftsstandort stärken und neue Investitionen anziehen.
Die Botschaft an den Bund ist klar: Nach Jahren der Diskussion solle Emirates endlich Start- und Landerechte am BER erhalten. Doch bislang ist nichts passiert. Branchenkenner geben auch Kai Wegner eine Mitschuld: Statt öffentlicher Bekenntnisse solle er mehr kämpfen, sich für Emirates stark machen.
Ein Lobbykonflikt der Luftfahrt
Der Streit um zusätzliche Emirates-Rechte gehört zu den hartnäckigsten Konflikten der deutschen Luftverkehrspolitik. Seit Jahren liefern sich Airlines, Bundesländer und Bundesregierung einen zähen Lobbykampf.
Vor allem die Lufthansa lehnt zusätzliche Rechte für Golfairlines entschieden ab. Sie argumentiert, staatlich unterstützte Wettbewerber aus dem Nahen Osten könnten europäische Fluggesellschaften unter Druck setzen.
Aktuell kursieren in der Branche sogar Gerüchte über eine neue Eskalationsstufe. Demnach soll Lufthansa-Chef Carsten Spohr in einem Telefonat mit Außenminister Johann Wadephul versucht haben, zusätzliche Emirates-Rechte zu verhindern, berichtet die Welt. Lufthansa weist diese Darstellung zurück. Ob das Gerücht stimmt oder nicht: Es zeigt, wie hart der politische Konflikt inzwischen geführt wird.
Rechtlich wäre die Lösung erstaunlich einfach
Bemerkenswert ist dabei, dass eine Erweiterung der Verkehrsrechte rechtlich deutlich einfacher wäre, als viele vermuten.
Das Luftverkehrsabkommen zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten stammt aus dem Jahr 1994 und ist seit 1997 in Kraft. Damals musste Bundestag und Bundesrat dem Vertrag zustimmen.
Die entscheidenden Details stehen jedoch gar nicht im Abkommen selbst, berichtet jetzt das Branchenblatt aeroTelegraph. Stattdessen heißt es dort lediglich, dass die konkreten Flugstrecken in einem sogenannten Fluglinienplan festgelegt werden.
Dieser Fluglinienplan ist Teil der sogenannten „Agreed Minutes and Revised Route Schedule“ aus dem Jahr 2000. Die Dokumente sind nicht öffentlich. Der entscheidende Punkt: Änderungen daran benötigen keine erneute Zustimmung von Bundestag oder Bundesrat. Nach Angaben der Bundesregierung können Anpassungen nach entsprechenden Verhandlungen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten direkt zwischen den Luftfahrtbehörden vereinbart werden – auch eine Änderung der bisherigen Beschränkung auf vier deutsche Flughäfen.
Solche flexiblen Regelungen sind im internationalen Luftverkehr üblich. Viele bilaterale Abkommen bestehen über Jahrzehnte und werden lediglich über Nebenvereinbarungen angepasst.
Sprich: Sollte die Bundesregierung zusätzliche Rechte gewähren wollen, wäre die Umsetzung daher vergleichsweise unkompliziert. Entscheidend ist daher vor allem der politische Wille.
Emirates am BER: Am Ende entscheidet die Politik
Für Berlin hätte eine Emirates-Verbindung erhebliche Bedeutung. Trotz seiner Rolle als politische Hauptstadt ist die internationale Langstreckenanbindung der Stadt begrenzt. Viele interkontinentale Reisen führen weiterhin über andere Drehkreuze in Deutschland oder Europa. Eine Verbindung nach Dubai würde Berlin dagegen an eines der größten globalen Luftverkehrsdrehkreuze anschließen. Über das Netzwerk von Emirates wären zahlreiche Ziele in Asien, Afrika und Australien erreichbar.




