Regionalverkehr

Berlin – Hamburg länger gesperrt: Eine Teilstrecke könnte schon im Mai wieder öffnen

Die Sanierung der Hamburger Bahn verzögert sich. Doch die Bahn prüft, ob zumindest eine Teilstrecke im Mai wieder öffnen kann. Fahrzeiten werden kürzer.

Regionalexpress ins Havelland: 2023 rollt ein RE2 von Cottbus über Berlin nach Falkensee und Nauen. Wegen Bauarbeiten werden die Züge umgeleitet. Werden sie ab Mai wieder nach Nauen fahren?
Regionalexpress ins Havelland: 2023 rollt ein RE2 von Cottbus über Berlin nach Falkensee und Nauen. Wegen Bauarbeiten werden die Züge umgeleitet. Werden sie ab Mai wieder nach Nauen fahren?Emmanuele Contini

Für viele Fahrgäste ist es eine bittere Nachricht. Die direkte Bahnverbindung zwischen Berlin und Hamburg bleibt über April hinaus länger als geplant unterbrochen. Doch nach Informationen der Berliner Zeitung denkt die Deutsche Bahn über eine Lösung für die Hauptstadt-Region nach, die zumindest einem Teil der Betroffenen helfen würde.

Es werde alles unternommen, um „ab dem 1. Mai zumindest Teilverkehre zu ermöglichen“. Das hat die neue Bahnchefin Evelyn Palla den Regierungschefs der betroffenen Bundesländer geschrieben. Das könnte heißen: Ein Abschnitt der Strecke würde dann doch schon wie ursprünglich geplant in rund zwei Monaten wieder in Betrieb gehen.

Dem Vernehmen nach will die DB InfraGo, der Infrastrukturbetreiber der Bahn, die Verantwortlichen in den Ländern schon bald über Möglichkeiten einer Teilinbetriebnahme informieren. Im Brandenburger Infrastrukturministerium hofft man nun, dass es dabei um den Abschnitt zwischen Berlin-Spandau, Falkensee, Brieselang und Nauen geht. Dort fuhren bis Ende Juli Regionalzüge der Linien RE2, RE8, RB10 und RB14. Ob sich die Hoffnung erfüllt, ist ungewiss.

Infrastrukturminister setzt auf Achse Berlin–Nauen

Kurz nachdem bekannt geworden war, dass die Bahn die bislang für den 1. Mai geplante Wiederinbetriebnahme der Hamburger Bahn wegen Frost absagen muss, forderte Minister Detlef Tabbert eine Lösung für die Achse zwischen Berlin und Nauen. Sie sei einer der „am stärksten belasteten Streckenabschnitte im Land“, so der parteilose Politiker. Vor dem Start der Generalsanierung Anfang August 2025 hatte die Bahn mitgeteilt, dass sie eine vorzeitige Wiedereröffnung prüfen will.

Evelyn Pallas’ Schreiben, das der Berliner Zeitung vorliegt, hat fünf Adressaten. Es richtet sich an Berlins Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU), Hamburgs Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sowie an die Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) in Brandenburg, Manuela Schwesig (SPD) in Mecklenburg-Vorpommern und Daniel Günther (CDU) in Schleswig-Holstein. Zuvor hatten sich die Politiker in einem Brief über die Terminverschiebung beklagt. Auch Bürgermeister und Landräte wiesen auf die Folgen für die Pendler hin.

Bus statt Bahn: Ein umfangreicher Schienenersatzverkehr (hier in Wustermark) ersetzt die Regionalzüge. Doch jenseits von Nauen werden die violetten Busse kaum genutzt.
Bus statt Bahn: Ein umfangreicher Schienenersatzverkehr (hier in Wustermark) ersetzt die Regionalzüge. Doch jenseits von Nauen werden die violetten Busse kaum genutzt.Peter Neumann/Berliner Zeitung

Während Fernzug-Fahrgäste weiterhin mit dem ICE von Berlin nach Hamburg gelangen (mit einem Umweg über Stendal), werden  Fahrgäste aus der Region auf den Schienenersatzverkehr verwiesen. Weil die Busse nicht so schnell vorankommen und Straßen anders verlaufen als die Hamburger Bahn, haben sich die Reisezeiten erheblich verlängert. Dauerte eine Fahrt im Regionalexpress RE8 zwischen Wittenberge und dem Berliner Hauptbahnhof vor der Sperrung laut Plan 93 Minuten, sind die Fahrgäste nun mehr als drei Stunden unterwegs.

Bahnsteige haben weiterhin drei unterschiedliche Höhen

Anfangs sollte die direkte Schienenverbindung zwischen den beiden größten Städten Deutschlands sechs Monate gesperrt werden. Dann erhöhte die Bahn auf neun Monate. Weitere Arbeiten seien hinzugekommen, Firmen ließen sich nicht anders einplanen, hieß es.

Dabei waren andere Teile des Bauprogramms abgespeckt worden. So verzichtet die Bahn vorerst darauf, das neue Sicherungssystem ETCS zu installieren. Auch werden weniger neue Überholstellen eingebaut. Beobachter kritisieren außerdem, dass bei den Arbeiten an den Stationen die Bahnsteighöhe nicht vereinheitlicht wurde. So sind die Bahnsteige in Falkensee und Wittenberge 76, in Nauen und Friesack 55 und in Breddin sowie Glöwen dagegen 38 Zentimeter hoch. Die Stadler-Züge auf der Linie RE8 haben eine Einstiegshöhe von 59,4 Zentimetern.

Als die Sperrung der Hamburger Bahn am 1. August 2025 begann, sollte sie bis 30. April 2026 dauern. Doch Mitte Februar wurde diese Zusage überraschend zurückgenommen. Dauerfrost und Schneefälle hätten die Arbeiten verzögert, erklärt die Bahnchefin in ihrem Brief vom 18. Februar. Die Region erlebe die längste Frostperiode seit mehr als 15 Jahren. Es sei „technisch schlicht nicht möglich“, bei Schnee und Eis 740 Kilometer Kabel zu verlegen. Inzwischen wurden Ressourcen gebündelt, und die Firmen setzen zusätzliche Mitarbeiter ein, so Palla.

Noch drei Monate Schienenersatzverkehr möglich

Spätestens am 13. März wolle die Bahn mitteilen, wann und in welchem Umfang der Zugverkehr wieder beginne, teilte die Vorstandsvorsitzende den Regierungschefs mit. Beobachter erwarten, dass die Verbindung frühestens im Juni wieder durchgehend befahrbar sein wird.

Palla zerstreute Befürchtungen, dass der vom Konsortium Ecovista betriebene SEV über April hinaus nicht fortgeführt werden kann. „Das Ersatzverkehrskonzept kann bei Bedarf in vollem Umfang verlängert werden“, so Palla. Dem Vernehmen nach müssten Busse und Fahrer bis Ende Juli zur Verfügung stehen. Bis Mitte März muss die Bahn Ecovista mitteilen, wie es ab Mai 2026 mit dem Busverkehr weitergehen soll.

Wann immer der durchgehende Betrieb auf der Hamburger Bahn wieder beginnt: Erwartungen, dass sich die ICE-Fahrzeiten zwischen Berlin und Hamburg verkürzen, werden nicht erfüllt. „2025 waren die ICE zwischen Berlin und Hamburg mit der schnellsten Verbindung eine Stunde und 45 Minuten unterwegs, nach der Korridorsanierung voraussichtlich eine Stunde und 47 Minuten“, so die Bahn. Die meisten Fahrten dauern länger – bei mehreren Halten mehr als zwei Stunden.

Damit kommen zwischen Berlin und Hamburg weitere Minuten hinzu. Als die Trasse 2004 nach einem mehr als 500 Millionen Euro teuren Ausbau für Tempo 230 wiedereröffnet wurde, wollte der damalige Bahnchef Hartmut Mehdorn die Fahrzeit dagegen auf attraktive 90 Minuten begrenzen. Doch weil neben Fernverkehrszügen auch Regionalzüge unterwegs sind, waren es damals schon 93 Minuten.

Über die Jahre mussten die Reisenden immer mehr Zeit einplanen, weil der Regionalverkehr ausgebaut wurde – ohne dass die Anlagen mitwuchsen. Auch Güterzüge nutzen die Hamburger Bahn. „Mit steigender Verkehrsmenge und bei höherer Netzauslastung steigen tendenziell die notwendigen Fahrzeiten“, bekräftigte die Bahn jetzt.

RE8 vier Minuten schneller von Wittenberge nach Berlin

Dass ICE-Nutzer erneut länger unterwegs sind, wurde bereits von vielen Medien berichtet. Doch die Entwicklung im Regionalverkehr blieb dabei außer Acht. Dabei gibt es für die Nutzer der stark frequentierten Linie RE8, die nach der Wiedereröffnung erneut Wismar mit Berlin und Elsterwerda verbinden wird, eine gute Nachricht. Die Ostdeutsche Eisenbahn (Odeg) teilte mit, dass sich die Fahrzeiten teils verringern. Dafür hatte sich der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg eingesetzt.

Vor der Sperrung dauerte die Fahrt von Wittenberge nach Falkensee laut Plan 69 Minuten, nach dem Ende der Generalsanierung sollen es 65 Minuten sein. Die Fahrzeit von Wittenberge nach Berlin-Spandau verkürzt sich um eine Minute auf 75 Minuten. Zwischen Wittenberge und Berlin-Hauptbahnhof müssen die Fahrgäste statt 93 künftig 89 Minuten einkalkulieren, teilte Odeg-Chef Lars Gehrke mit.

Vor der Sperrung der Bahn Berlin–Hamburg: Ein Regionalexpress der Ostdeutschen Eisenbahn (Odeg) hält in Neustadt (Dosse). Künftig soll der RE8 schneller in Berlin sein.
Vor der Sperrung der Bahn Berlin–Hamburg: Ein Regionalexpress der Ostdeutschen Eisenbahn (Odeg) hält in Neustadt (Dosse). Künftig soll der RE8 schneller in Berlin sein.Peter Neumann/Berliner Zeitung

Eine Analyse zeigt, dass die Fahrzeitgewinne den Abschnitt Nauen–Berlin betreffen. Dagegen erhöhen sich die Fahrzeiten zwischen den Stationen auf dem vorangegangenen Teilstück. So verlängert sie sich zwischen Wittenberge und Bad Wilsnack von sieben auf acht Minuten. Auch zwischen Neustadt und Friesack kommt eine Minute hinzu.

Gehrke ist gespannt, was die DB InfraGo mitteilen wird. „Wichtig ist, dass auch die Verkehrsunternehmen ins Boot genommen werden“, sagte er. Die Sperrung der rund 280 Kilometer langen Strecke hat zu einer umfassenden Neuorganisation des Regionalverkehrs geführt. Züge und Personale wurden von der Hamburger Bahn abgezogen. Es werde eine Zeit lang dauern, den alten Zustand wiederherzustellen.