Energie

Verpufft das EU‑Verbot? Russland baut Schattenflotte für Arctic LNG 2 aus

Laut Bloomberg treibt Russland den Ausbau des sanktionierten Terminals Arctic LNG 2 weiter voran. Demnach stehen vier neue Tanker für die Anlage bereit.

Trotz US-Sanktionen baut Russland offenbar seine Schattenflotte für das Terminal Arctic LNG 2 aus.
Trotz US-Sanktionen baut Russland offenbar seine Schattenflotte für das Terminal Arctic LNG 2 aus.Lev Fedoseyev/imago

Russlands sanktioniertes Terminal Arctic LNG 2 baut offenbar seine Schattenflotte weiter aus. Das berichtet die US-Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf aktuelle Schiffverfolgungsdaten. Demnach nehmen derzeit vier Flüssigerdgastanker, die kürzlich ihre Flagge gewechselt haben, Kurs auf die Arktis – ein Hinweis darauf, dass Moskau seine Bemühungen erhöht, die Exporte aus dem von den USA sanktionierten Projekt auszuweiten.

Laut Bloomberg weisen die vier Schiffe – „Kosmos“, „Luch“, „Orion“ und „Merkuriy“ – Merkmale sogenannter Schattenflottenschiffe auf: Demnach seien sie älter als typische LNG-Tanker und wurden kürzlich über undurchsichtige Zwischenhändler an weniger bekannte Firmen übertragen. Dem Bericht zufolge wechselten die Schiffe im März und April ihre Eigentümer sowie ihre Flaggen zu Russland, nachdem sie zuvor der Oman Ship Management Co. oder deren Tochtergesellschaften gehört hatten. Die Tanker nehmen derzeit offenbar Kurs auf den Hafen Murmansk in Westrussland, der in der Nähe des schwimmenden Gasspeichers Saam liegt und Exporte aus dem Terminal Arctic LNG 2 lagert.

Russland hat offenbar 16 Tanker für LNG-Schattenflotte

Dem Bericht zufolge wechselten die Schiffe „Kosmos“ und „Luch“ im Februar den Besitzer und gingen an die in Hongkong ansässige Mighty Ocean Shipping Ltd. über, während die Schiffe „Orion“ und „Merkuriy“ im Februar den Besitzer wechselten und an Celtic Maritime and Trading SA gingen. Anfragen von Bloomberg an die besagten Firmen seien bislang nicht beantwortet worden, heißt es.

Laut Bloomberg umfasst Russlands LNG-Schattenflotte mittlerweile 16 Tanker. Die Schiffe wechseln regelmäßig ihre Flaggen und Eigentümer und können durch verschleierte Daten im internationalen Seeverkehr nur schwer identifiziert werden. Eines der Schiffe – die „Arctic Metagaz“ – geriet Anfang März vor der Küste Libyens nach Explosionen in Brand und treibt seitdem führerlos über das Mittelmeer. Russland hatte der Ukraine vorgeworfen, den Tanker mit Wasserdrohnen angegriffen zu haben. Kiew hat den Vorfall bislang nicht kommentiert.

EU raus, Asien rein: Russland sucht neue Käufer für LNG

Arctic LNG 2 galt als eines der ambitioniertesten Energieprojekte Russlands: Das Terminal sollte jährlich bis zu 20 Millionen Tonnen Flüssigerdgas in die Welt exportieren. Sogar die Bundesregierung hatte eine Beteiligung am russischen LNG-Projekt ernsthaft geprüft. Die USA verhängten nach dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine 2023 jedoch scharfe Sanktionen gegen Arctic LNG 2 – und brachten das Projekt faktisch zum Erliegen.

Seitdem versucht der Terminalbetreiber Novatek, die Sanktionen zu umgehen und die Produktion und den Export von LNG trotzdem zu ermöglichen. In den vergangenen Monaten tauchten immer wieder Meldungen über verdächtige Schiffe am Terminal auf. China soll bereits einige Ladungen aus der Anlage importiert haben.

Auch über andere Anlagen exportiert Russland sein LNG, teilweise sogar in die EU. Im ersten Quartal 2026 hat die EU rund 97 Prozent der Ladungen aus dem russischen LNG-Projekt Yamal in der Arktis abgenommen – trotz des beschlossenen EU-Verbots für Importe von russischem Gas ab 2027. Im März hat die EU sogar so viel russisches LNG importiert wie noch nie zuvor in einem Monat. Angesichts der bevorstehenden Beschränkungen ab 2027 und der Iran-Krise sucht Russland derzeit neue Abnehmer, vor allem in Asien.