Energiehandel

LNG: Russland wickelt in der Arktis drei Umladungen gleichzeitig ab – trotz US-Sanktionen

Trotz US-Sanktionen führt Russland offenbar erstmals drei gleichzeitige LNG-Umladungen in der Arktis durch. Sie gehen nach China und womöglich nach Europa.

Russland ist es offenbar erstmals gelungen, drei gleichzeitige LNG-Schiff-zu-Schiff-Umladungen in der Arktis durchzuführen.
Russland ist es offenbar erstmals gelungen, drei gleichzeitige LNG-Schiff-zu-Schiff-Umladungen in der Arktis durchzuführen.Friedemann Kohler/dpa

Trotz umfangreicher US-Sanktionen hat Russland offenbar erstmals drei gleichzeitige LNG-Schiff-zu-Schiff-Umladungen (STS) in der Arktis durchgeführt. Das berichtet das Nachrichtenportal gCaptain unter Berufung auf Schiffsverfolgungsdaten des Anbieters MagicPort.

Zwei der Umladungen erfolgten demnach am schwimmenden Terminal Saam, wo LNG aus dem russischen Projekt Arctic LNG 2 gleichzeitig entladen und für den Weitertransport wieder verladen wurde. Die dritte Umladung habe in der Nähe der Insel Kildin stattgefunden, wo LNG aus dem Yamal-Projekt verschifft wird. An dieses Projekt ist unter anderem auch der deutsche Gasimporteur Sefe weiterhin vertraglich gebunden. Laut gCaptain befinden sich die Ladungen aus Arctic LNG 2 auf dem Weg nach China, während die Yamal-Ladung entweder nach Europa oder Asien verschifft werden dürfte.

Putin will Russlands LNG-Exporte bis 2030 verdreifachen

Russlands arktische LNG-Projekte haben sich neben dem Öl zu einer der wichtigsten Exportquellen entwickelt. Die Yamal-Anlage vom Betreiber Novatek hat seit ihrer Inbetriebnahme 2017 Schätzungen von Experten zufolge bereits Dutzende Millionen Tonnen LNG exportiert. Bis 2030 will Russlands Präsident Wladimir Putin die LNG-Ausfuhren seines Landes verdreifachen.

Auch Arctic LNG 2 galt lange Zeit als Russlands ambitioniertestes LNG-Vorhaben: In der Arktis sollte Erdgas gefördert, in Flüssigerdgas verwandelt und bis zu 20 Millionen Tonnen davon jährlich in die Welt exportiert werden. Selbst die Bundesregierung prüfte 2020 laut Medienberichten noch eine Förderung des Projekts. Allerdings haben die USA die Anlage infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im November 2023 sanktioniert, was das Projekt weitgehend zum Erliegen brachte. Novatek versucht seither, das Terminal trotz der Restriktionen in Betrieb zu halten – offenbar mit Erfolg.

Ende des vergangenen Jahres kam neue Bewegung ins russische LNG-Projekt. Mehrere Tanker aus der sanktionierten Anlage hatten Flüssigerdgas am chinesischen Terminal Beihai im Süden des Landes entladen, die Berliner Zeitung berichtete. Für den LNG-Transport stehen Moskau rund 13 Tanker der sogenannten Schattenflotte bereit. Die Schiffe wechseln regelmäßig ihre Flaggen und Eigentümer, um Kontrollen zu entgehen. Durch verschleierte Daten können die Tanker im internationalen Seeverkehr nur schwer identifiziert werden.

Auch in die EU gelangen nach wie vor große Mengen LNG aus Russland. Laut Daten des Analyseunternehmens Kpler gab die EU im vergangenen Jahr rund 7,2 Milliarden Euro für russisches LNG aus – deutlich mehr als die 6,3 Milliarden Euro im Jahr 2024. Zwar hat sich die EU mittlerweile auf ein vollständiges Importverbot von russischem Gas ab 2027 geeinigt. Doch die Zahlen belegen, dass die Nachfrage nach LNG aus Russland bislang kaum abnimmt.

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