Handelsstreit

Trumps neue Zölle: Deutsche Autobauer vor ganz schweren Zeiten

Die USA verwickeln Deutschlands wichtigste Industrie in einen Handelskrieg. Just zu diesem Zeitpunkt kommt China mit günstigen Modellen nach Deutschland.

US-Präsident Donald Trump spricht während einer Veranstaltung zur Ankündigung neuer Zölle im Rosengarten des Weißen Hauses.
US-Präsident Donald Trump spricht während einer Veranstaltung zur Ankündigung neuer Zölle im Rosengarten des Weißen Hauses.AP

Die deutsche Autoindustrie muss sich auf harte Zeiten einstellen: Am Freitag kündigte der amerikanische Präsident Donald Trump an, er werde die Zölle auf aus der Europäischen Union in die USA eingeführte Lkw und Pkw auf 25 Prozent erhöhen. Der neue Satz soll ab kommender Woche gelten. Aktuell gilt gemäß dem zwischen Ursula von der Leyen und Trump auf einem schottischen Golfplatz von Trump vereinbarten Deal ein Satz von 15 Prozent. Trump warf der EU vor, sich nicht an die Vereinbarung gehalten zu haben.

Der Vorsitzende des Handelsausschusses im Europäischen Parlament, Bernd Lange, wies den Vorwurf zurück. Der SPD-Politiker sagte in einer Mitteilung, die EU habe die Beratungen zweimal unterbrechen müssen, „einmal wegen der Drohungen von Donald Trump zu Grönland und zum Zweiten, als die illegalen rechtlichen Grundlagen für die Zölle vom Obersten Gerichtshof aufgehoben“ wurden.

Die Entscheidung des Supreme Court betrifft allerdings nicht die EU-Zölle, diese wurden in einem eigenen Gesetz über die Nationale Sicherheit geregelt. Daher muss die EU die Trump-Drohungen ernst nehmen. Lange droht Trump mit einem „umfassenden Werkzeugkasten mit handelspolitischen Schutzmaßnahmen, und dazu zählt natürlich auch das Instrument gegen wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen Dritter (ACI)“.

Warnung vor Handelskrieg und „weiteren Eskalationen“

Das Münchner Ifo-Institut warnte vor einem neuen Handelskrieg zwischen der EU und den USA, sollte die Europäische Union nun ihrerseits mit Zöllen auf US-Produkte reagieren. Ifo-Präsident Clemens Fuest sagte laut Bild, Deutschland drohe 2026 eine Rezession.  Die Zollerhöhungen träfen die deutsche Autoindustrie „in einer ohnehin schwierigen Lage“. In einer Erklärung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) heißt es, „weiteren Eskalationen“ sei „vorzubeugen“. Der Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Volker Treier, sagte laut AFP, die EU müsse „klarstellen, dass einseitige Eskalationen nicht ohne Reaktion bleiben“.  Der Ökonom und Berater von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil, Jens Südekum, rät laut AFP zu „angemessenen Gegenmaßnahmen“, falls die Zölle wirklich kommen.

Der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer hatte am Samstag zu den neuen Zöllen gesagt, das Vorgehen Trumps lasse sich als „Beginn eines Wirtschaftskriegs gegen Deutschland“ interpretieren. Die direkten Auswirkungen für die Autohersteller stufte Dudenhöffer allerdings als begrenzt ein. Er bezifferte die jährliche Zusatzlast in einer am Samstag in Bochum veröffentlichten Erklärung auf voraussichtlich etwa 2,5 Milliarden Euro. Allerdings dürften die Hersteller versuchen, einen Teil davon über höhere Preise an Käuferinnen und Käufer in den USA weiterzugeben.

Doch sind die Zölle nicht das einzige Problem für die deutschen Autobauer. Wegen des Iran-Kriegs ist der Preis für Aluminium an der Londoner Metallbörse seit Kriegsausbruch um bis zu 16 Prozent gestiegen. Das Metall wird in Fahrzeugen in großem Umfang verwendet, von Karosserieteilen über Motoren bis hin zu Türen. Gerrit Reepmeyer von AlixPartners schätzt laut der Financial Times (FT), dass der Anstieg der Aluminiumpreise die Kosten eines Fahrzeugs um 500 bis 1500 US-Dollar erhöhen könnte.

Druck auf deutsche Hersteller auch aus China

Höhere Öl- und Gaspreise sowie die Knappheit an Naphtha, einem aus Erdöl gewonnenen Rohstoff, der zur Kunststoffherstellung verwendet wird, wirken sich ebenfalls auf verschiedene Fahrzeugkomponenten aus – von der Innenausstattung und Lackierungen bis hin zu Gummireifen. Automobilhersteller verwiesen zudem auf höhere Kosten für DRAM-Chips, da Speicherchip-Unternehmen ihre Produktion von den weniger fortschrittlichen Halbleitern für Autos hin zu Chips für KI-Rechenzentren verlagern. „Wir gehen davon aus, dass die Rohstoffkosten im weiteren Jahresverlauf weiter steigen werden, und zwar stärker als zu Jahresbeginn erwartet“, sagte Mercedes-Benz-Finanzchef Harald Wilhelm diese Woche im Gespräch mit Investoren laut FT.

Die deutschen Autobauer sehen sich in diesem Umfeld vor allem durch die EU eingeschränkt. Im Zuge der Revision der EU-Richtlinie über Gewicht und Abmessungen von Fahrzeugen drängen die französischen Hersteller auf die Förderung von kleineren Autos – wie sie eben von den Franzosen produziert werden. Die deutschen Hersteller befürchten eine Benachteiligung ihrer Modelle.

Die vielen Konfliktherde kommen für deutsche Hersteller ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, da die chinesischen Hersteller auf den europäischen Markt drängen, vor allem bei Elektroautos. So meldet das chinesische Unternehmen BYD, im März 2026 erstmals innerhalb eines einzigen Monats mehr als 1000 Fahrzeuge an Privatkunden in Deutschland ausgeliefert zu haben. Von 3439 Neuzulassungen im vergangenen Monat waren 1353 Privatkäufe. Das sind zwar keine riesigen Stückzahlen. Doch ist der Kauf durch private Kunden ein wichtiger Indikator dafür, ob eine Marke auf einem völlig neuen Markt akzeptiert wird. Das wichtigste Argument für die Chinesen ist der Preis: Einen BYD können Kunden zu bezahlbaren Preisen erwerben. Der ADAC schreibt zum BYD Dolphin Surf: „BYD liefert, womit sich deutsche und europäische Autobauer bisher noch schwertun: ein technisch attraktives Elektroauto zum Preis von unter 20.000 Euro.“ Nur der von Stellantis vertriebene Leapmotor T03 – ebenfalls aus China – , der Dacia Spring sowie die neue Basisversion des Citroën e-C3 seien für diesen Preis zu haben. Deutsche Elektroautos sind laut ADAC nicht unter 30.000 Euro zu bekommen. Wenn die Deutschen nun wegen neuer US-Zölle weniger Rabatte anbieten oder gar höhere Preise verlangen müssten, könnten Hersteller aus China noch schneller Marktanteile gewinnen.