Der Vorsprung der deutschen Automobilkonzerne auf dem heimischen Elektroauto-Markt schmilzt. Ihr Marktanteil ist im ersten Quartal von 66 auf 58 Prozent gefallen, wie aus einer veröffentlichten Analyse des Beratungsunternehmens EY hervorgeht. Zwar verkauften die deutschen Hersteller mit knapp 92.000 Elektroautos rund 23 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum – doch die ausländische Konkurrenz legte weitaus stärker zu.
Der gesamte E-Auto-Markt in Deutschland wuchs um 41 Prozent. Chinesische Hersteller steigerten ihren Absatz laut EY um 72 Prozent, Anbieter aus anderen Ländern sogar um 81 Prozent. Die deutschen Konzerne konnten mit diesem Tempo nicht mithalten.
Günstige Preise und Leasingangebote locken Privatkunden zur Konkurrenz
EY-Automobilmarktfachmann Constantin Gall sieht mehrere Gründe für die Verschiebung der Kräfteverhältnisse. Zum einen habe die neue Elektro-Förderung mit Prämien von bis zu 6000 Euro den Markt belebt. Zum anderen habe die im Dezember gestartete EU-Initiative „Greening Corporate Fleets" für zusätzliche Dynamik gesorgt.
Entscheidend sei jedoch das Preisverhalten der ausländischen Anbieter gewesen: „Gerade einige ausländische Anbieter haben die neue Prämie zum Anlass für eigene, zusätzliche Preissenkungen genommen oder sehr günstige Finanzierungs- oder Leasing-Angebote gemacht", erklärte Gall. Damit hätten sie bei preisbewussten Kunden gepunktet.
Gewerbekunden bleiben eine Stärke der deutschen Marken
Die deutschen Konzerne seien hingegen bei Preisnachlässen „deutlich zurückhaltender" gewesen und zudem in den niedrigeren Preissegmenten kaum vertreten, so der EY-Experte. Das Ergebnis: Im Privatkundengeschäft wachsen die heimischen Hersteller langsamer als ihre internationale Konkurrenz.
Einen Lichtblick gibt es für die deutschen Autobauer dennoch: Im Geschäft mit gewerblichen Kunden und Fahrzeugflotten konnten sie laut der EY-Analyse ihre starke Position nicht nur verteidigen, sondern sogar ausbauen. Dieser Bereich bleibt damit eine wichtige Stütze für VW, BMW, Mercedes und Co. – während der Kampf um die Privatkunden zunehmend härter wird.


