Die von US-Präsident Donald Trump angekündigte Anhebung der US-Zölle auf Autos und Lastwagen aus der EU könnte die deutsche Wirtschaft kurzfristig knapp 15 Milliarden Euro an Produktionsleistung kosten. Das teilte das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters mit.
Trump hatte am Freitag erklärt, er werde den Zollsatz auf Fahrzeuge aus der EU in der kommenden Woche von 15 auf 25 Prozent anheben. Die EU halte sich nicht an das mit Washington geschlossene Handelsabkommen. Die Ankündigung erfolgte über seine Plattform Truth Social, wie das Wall Street Journal und Bloomberg berichten.
"I will be increasing Tariffs charged to the European Union for Cars and Trucks coming into the United States. The Tariff will be increased to 25%. It is fully understood and agreed that, if they produce Cars and Trucks in U.S.A. Plants, there will be NO TARIFF." - President… pic.twitter.com/7vC3Nh7iPD
— The White House (@WhiteHouse) May 1, 2026
Im Rahmen des transatlantischen Handelsabkommens hatte sich die EU nach Angaben von Bloomberg dazu verpflichtet, Abgaben auf US-Industriegüter abzuschaffen.
Langfristig drohen 30 Milliarden Euro Produktionsverlust
IfW-Präsident Moritz Schularick sagte Reuters, die Folgen wären deutlich zu spüren. Auf längere Sicht könnten die Produktionsverluste laut Analyse des Instituts auf rund 30 Milliarden Euro steigen. IfW-Ökonom Julian Hinz sagte Reuters, das ohnehin schwache deutsche Wachstum würde hart getroffen. Das Institut rechnet derzeit mit einem Plus der deutschen Wirtschaftsleistung von 0,8 Prozent in diesem Jahr. Auch andere europäische Länder mit großer Autoindustrie müssten laut IfW mit spürbaren Einbußen rechnen. Genannt werden Italien, die Slowakei und Schweden. Konkrete Zahlen für diese Länder nannte das Institut gegenüber Reuters nicht.
Der Berater des Bundesfinanzministers Jens Südekum riet Reuters zufolge zur Zurückhaltung. Die EU solle zunächst abwarten. Trump setze angekündigte Zölle bekanntlich auch wieder aus oder ziehe sie zurück. Trump müsse erklären, warum er der Auffassung sei, dass die EU das bestehende Handelsabkommen nicht einhalte. Auch sei unklar, ob es für die jüngste Zolldrohung eine rechtliche Grundlage gebe.
Der Supreme Court hatte Anfang des Jahres entschieden, dass Trump keine Notstandsbefugnisse nutzen könne, um sofortige Abgaben gegen Handelspartner zu verhängen. Die Zölle auf Fahrzeuge stützten sich laut Bloomberg jedoch auf eine andere Rechtsgrundlage und seien von dieser Entscheidung nicht betroffen.
Bislang keine formelle Anordnung aus Washington
Laut Wall Street Journal hat die US-Regierung bislang keinen formellen Schritt zur Zollerhöhung unternommen. Wann der höhere Satz gelten solle und welche Bedingungen die EU erfüllen müsste, um eine Anhebung abzuwenden, teilte das Weiße Haus nicht mit. Die Europäische Kommission als Exekutivorgan der EU erklärte dem Blatt zufolge, sie setze das Abkommen im üblichen Gesetzgebungsverfahren um und halte die USA auf dem Laufenden. Sollten die USA Maßnahmen ergreifen, die mit der Vereinbarung nicht vereinbar seien, behalte sich die EU Schritte zum Schutz ihrer Interessen vor.
Der Zollsatz von 15 Prozent auf europäische Autos war Teil der im vergangenen Jahr in Schottland geschlossenen Handelsvereinbarung zwischen den USA und der EU. Zuvor hatte Trump auf Grundlage eines US-Gesetzes, das Zölle aus Gründen der nationalen Sicherheit erlaubt, einen Satz von 25 Prozent verhängt. Die USA sind laut Wall Street Journal nach Angaben des europäischen Herstellerverbands ACEA der zweitgrößte Absatzmarkt für europäische Autoexporte.
Mehr als ein Fünftel aller Fahrzeugexporte aus der EU gehen in die USA. Allein Deutschland exportierte im Jahr 2024 nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) rund 450.000 Fahrzeuge in die USA. Die EU-Autoausfuhren in die USA gingen 2025 um 21 Prozent zurück.


