Energie

Nach Druschba-Stopp für Deutschland: Kasachstan nennt erstmals neue Ölrouten

Nach dem Druschba-Stopp ordnet Kasachstans Energieministerium die Exportwege neu. Die bislang für Deutschland bestimmten Mengen werden umgeleitet.

Nicht mehr über die Druschba-Pipeline: Kasachstans Energieministerium gibt nun preis, wohin das frühere Deutschland-Öl gehen wird.
Nicht mehr über die Druschba-Pipeline: Kasachstans Energieministerium gibt nun preis, wohin das frühere Deutschland-Öl gehen wird.Open Source

Erst vergangene Woche wurde bekannt, dass Deutschland ab Mai kein kasachisches Öl mehr über die Druschba-Pipeline erhält. Jetzt ist klar, wohin die Mengen stattdessen gehen.

Nach Angaben des Energieministeriums in Astana, über die die staatliche Nachrichtenagentur Kazinform berichtet, sollen im Mai rund 260.000 Tonnen Rohöl auf alternative Wege verteilt werden.

Kasachstan verteilt Deutschland-Öl neu und nennt erstmals neue Routen

Demnach werden etwa 100.000 Tonnen in den russischen Ostseehafen Ust-Luga umgeleitet. Weitere 160.000 Tonnen sollen über das System des Kaspischen Pipeline-Konsortiums (CPC) exportiert werden. Die Anpassung sei bereits mit den beteiligten Unternehmen abgestimmt und habe „operativen Charakter“, teilte das kasachische Ministerium laut Kazinform mit.

Die neuen Angaben aus Astana passen zu der Linie, die Moskau bereits vergangene Woche vorgegeben hatte. Russlands Vizepremier und Energieminister Alexander Nowak kündigte an, die bisherigen Mengen auf „andere logistische Routen“ umzuleiten und begründete dies mit den „technischen Möglichkeiten zum heutigen Zeitpunkt“. Auf den Hinweis, dass Deutschland unter dem Stopp leiden könnte, reagierte er ziemlich eindeutig: „Die Deutschen haben auf russisches Öl verzichtet, also ist bei ihnen alles in Ordnung.“

Nach Darstellung der kasachischen Regierung haben die Änderungen keinen Einfluss auf die Fördermengen. Die bestehende Infrastruktur ermögliche es, die Exporte vollständig über andere Wege abzuwickeln und die Versorgung internationaler Märkte sicherzustellen, heißt es.

Statt Druschba-Pipeline: Wohin die alternativen Ölrouten führen

Welche Abnehmer konkret bedient werden, geht aus den Angaben nicht hervor. Klar ist jedoch: Die bisherigen Lieferungen nach Deutschland werden nicht ersetzt, sondern in andere Exportströme überführt.

Die genannten Routen geben erstmals Einblick, wie diese Umverteilung konkret funktioniert. Der Hafen Ust-Luga ist eines der wichtigsten Exportterminals für Öl an der Ostsee und ermöglicht den Weitertransport per Tanker in verschiedene Weltmärkte. Das CPC-System führt kasachisches Öl vom Kaspischen Meer zum Schwarzmeerhafen Noworossijsk, von wo aus es ebenfalls per Schiff exportiert wird.

Deutschland verliert Öllieferungen – Schwedt muss reagieren

Beide Wege führen in den internationalen Handel. Das kasachische Öl wird künftig also vor allem per Tanker exportiert und nicht mehr über Pipelines nach Deutschland geleitet. Die PCK-Raffinerie in Schwedt, die Berlin und Brandenburg fast komplett mit Kraftstoffen beliefert, muss dennoch einen Teil ihres Rohöls künftig aus anderen Quellen beziehen. Nach aktuellen Schätzungen betrifft das rund ein Fünftel der dort verarbeiteten Mengen. Ob Klagen greifen, ist offen. Der Hauptanteilseigner der PCK-Raffinerie, Rosneft Deutschland, steht unter Treuhand, die Route wird politisch gesteuert. Verträge greifen in der Praxis oft nur begrenzt.

In seiner aktuellen Analyse bewertet das US-Portal Politico den Schritt als möglichen Versuch Moskaus, die verbliebene Abhängigkeit Deutschlands von nicht russischem Öl politisch zu nutzen. Während einzelne EU-Staaten wie Ungarn und die Slowakei weiterhin über die Druschba-Leitung versorgt werden, fällt Deutschland als Abnehmer weg.

Politico verweist darauf, dass bereits vergleichsweise kleine Verschiebungen in diesem System spürbare Effekte haben können – etwa höhere Logistikkosten, weil Ersatzmengen über alternative Wege beschafft werden müssen.

Gleichzeitig wächst die politische Relevanz des Themas in Ostdeutschland, wo steigende Energiepreise und Versorgungssicherheit zentrale Themen im Vorfeld regionaler Wahlen sind. Die Bundesregierung hält dennoch an ihrer Einschätzung fest, dass die Versorgung stabil bleibt; die Bundesnetzagentur sieht derzeit keine Gefahr einer Mangellage.


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