Frost verschiebt Europas Gasströme. Seit dem Wegfall russischer Lieferungen zählt vor allem, wer kurzfristig zusätzliche Mengen liefern kann.
Genau das zeigen die aktuellen Flussdaten. Nach Angaben des europäischen Netzbetreiberverbands ENTSOG legten die Gaslieferungen über die TurkStream-Pipeline im Januar im Jahresvergleich um rund sieben Prozent zu.
Konkret flossen über die Route in Richtung EU knapp 19 Terawattstunden (TWh) Gas, nach rund 17,7 TWh im Januar 2025. Der Anstieg ist politisch heikel. Denn TurkStream ist die letzte verbliebene Route für russisches Gas nach Europa, nachdem der Transit über die Ukraine Ende 2024 eingestellt wurde. Zugleich hat die EU beschlossen, bis spätestens 2027 vollständig aus russischem Gas auszusteigen – auch aus LNG.
Trotz EU-Ausstieg: Russisches Gas über TurkStream noch ein stabilisierender Faktor
Die Januar-Daten zeigen damit eine unbequeme Realität: Während Brüssel den Ausstieg vorbereitet, bleibt russisches Pipeline-Gas im Winter ein stabilisierender Faktor, wenn auch kein dominanter.
Auch alternative Pipelines legten zu, allerdings mit klaren Grenzen. Über die Transanatolische Pipeline (TANAP) sowie die Trans-Adria-Pipeline (TAP) flossen im Januar aus Aserbaidschan gut 10,5 TWh Gas nach Südosteuropa, ein Plus von etwa 13 Prozent. Davon gingen rund 8,3 TWh allein nach Italien. Erst vor kurzem hat Aserbaidschan nach eigenen Angaben Lieferungen über die TAP auch nach Deutschland und Österreich gestartet.
LNG-Importe der EU steigen im Januar um 24 Prozent
Diese Mengen tauchen in den ENTSOG-Daten bislang nicht gesondert auf, der zusätzliche Gasfluss bleibt damit überwiegend im südosteuropäischen Raum. Es zeigt sich: Für Westeuropa ist diese Route kein Ersatz für wegfallende russische Mengen, sondern eine regionale Entlastung mit begrenztem Spielraum nach oben.
Die Hauptlast der zusätzlichen EU-Nachfrage nach Erdgas im Januar wurde jedoch nicht über Pipelines, sondern über Flüssigerdgas (LNG) gedeckt. EU-weit stiegen die LNG-Importe im Januar auf 163 TWh, ein Plus von rund 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit wuchs LNG deutlich stärker als jede Pipeline-Route.
Winterkälte: Deutschland setzt auf LNG und Norwegen
Deutschland, das seit dem Wegfall der Nord-Stream-Lieferungen kein russisches Gas mehr direkt importiert, ist derzeit auf norwegisches Pipeline-Gas sowie LNG angewiesen. Die Pipeline-Lieferungen aus Norwegen stiegen im Januar moderat um gut sieben Prozent auf rund 42,2 TWh (Vorjahresmonat: 39,4 TWh).
Den entscheidenden Beitrag leistete jedoch LNG. In Wilhelmshaven sprang das Volumen von knapp 1,9 TWh auf rund 5,0 TWh. Brunsbüttel legte von 1,74 TWh auf gut 2,1 TWh zu. Besonders auffällig sind die Importe über das LNG-Terminal „Deutsche Ostsee“ auf Rügen (Mukran): Dort stiegen die Anlandungen von praktisch null im Vorjahr (0,03 TWh) auf rund 4,4 TWh. Der Betreiber des Terminals, Deutsche ReGas, will nun seine LNG-Kapazitäten auf Rügen weiter ausbauen, wie das Unternehmen letzte Woche mitteilte.
LNG-Importe werden direkt verbraucht – Gasspeicher leeren sich weiter
Der zusätzliche Winterbedarf wurde damit überwiegend über LNG gedeckt – deutlich stärker als über Pipeline-Routen. Das entspricht den Erwartungen der Internationalen Energieagentur (IEA), die für 2026 mit Rekord-LNG-Importen in die EU rechnet, obwohl die Gasnachfrage insgesamt sinkt. Zusätzliche norwegische Mengen wachsen nur moderat, alternative Pipelines laufen nahe an der Kapazität.




