Die Übernahme der Deutschen Agrar Holding (DAH) durch den australischen Investor Igneo Infrastructure Partners sorgt weiterhin für Kritik. Mit dem Deal wechselten 2023 rund 20.000 Hektar Agrarfläche in Ostdeutschland den Besitzer.
Im Oktober 2025 warnte der Thüringer Landwirt Reiko Wöllert von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) im Gespräch mit der Berliner Zeitung vor einem Ausverkauf der deutschen Landwirtschaft – und warf der Politik Untätigkeit vor. Jetzt gibt es auch Bedenken auf EU-Ebene.
Wöllerts zentraler Kritikpunkt: Während bäuerliche Betriebe kaum noch Land kaufen oder finanzieren können, übernehmen internationale Investoren ganze Agrarunternehmen. Möglich werde das über sogenannte Share Deals. Dabei wechselten nicht die Äcker selbst den Besitzer, sondern Unternehmensanteile.
Behörden griffen nicht ein, Grunderwerbsteuer falle nicht an. Gleichzeitig profitierten die Betriebe weiterhin von EU-Agrarsubventionen.„Der Bund verweist auf die Länder, die Länder hingegen auf fehlende Kompetenzen“, sagte Wöllert.
Hansen fordert Kurswechsel
Diese Kritik greift nun auch die EU-Ebene auf. Auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin erklärte der EU-Agrarkommissar Christophe Hansen, Fördergelder müssten künftig gezielter eingesetzt werden.
Das Geld solle bei den Landwirten ankommen, „die auf dem Acker stehen“, nicht bei Großinvestoren oder reinen Landbesitzern. Besonders deutlich wurde Hansen mit Blick auf Ostdeutschland: „Der Großinvestor aus Australien, der in Ostdeutschland Tausende Hektar kauft, soll kein Geld bekommen.“

EU-Förderung nach Fläche
Hansen zielt dabei auf die Deutsche Agrar Holding (DAH) mit Sitz in Oranienburg, Brandenburg, ab. Die DAH ist mit mehr als 36 Tochterfirmen die größte Agrar-Holding Deutschlands. Verkauft wurde die gesamte Unternehmensstruktur. Die Flächen bleiben in Bewirtschaftung, die Betriebe bestehen weiter. Doch Kontrolle und Entscheidungen liegen nun außerhalb der Region.
Schon vor dem Verkauf erhielt die DAH EU-Agrarfördermittel. 2019 flossen rund 5,36 Millionen Euro an Direktzahlungen an das Unternehmen. Möglich macht das die GAP, denn die Direktzahlungen aus Brüssel richten sich nach der bewirtschafteten Fläche. Wer also mehr Land hat, bekommt mehr Geld – egal ob der Betrieb einer Familie gehört oder einem internationalen Investor. Entscheidend ist nur, dass die Flächen bewirtschaftet werden.
In Ostdeutschland sind viele Betriebe historisch bedingt sehr groß – ein Erbe der DDR-Landwirtschaft. Nach der Wende wurden sie privatisiert. Heute können ganze Agrarunternehmen verkauft werden, ohne dass einzelne Ackerflächen den Besitzer wechseln.
Hansen fordert nun, dass die Fördermittel bei den Landwirten ankommen, „die auf dem Acker stehen“. Das Geld solle aktive Bauern unterstützen und jungen Menschen den Einstieg in die Landwirtschaft erleichtern. Der Generationenwechsel sei eine der größten Herausforderungen für die EU.
DAH weist Vorwürfe zurück
Die DAH weist den Vorwurf zurück, ein Beispiel für problematische Landkäufe zu sein. Der Geschäftsführer Christian Heck erklärt gegenüber dem landwirtschaftlichen Fachmagazin agrarheute, die DAH besitze kaum eigene Flächen, sondern pachte sie fast ausschließlich. Die Eigentümer seien weiterhin Menschen aus den Gemeinden vor Ort. Zudem betont Heck, die DAH schaffe Arbeitsplätze und spiele eine wichtige Rolle in der Biogasproduktion und damit für die Energiewende.
Folgen für Landwirte vor Ort
Pachtverhältnisse sind in der Landwirtschaft weit verbreitet. Kritiker halten jedoch dagegen, dass auch langfristige Pachtverträge den Bodenmarkt beeinflussen. Große Betriebe mit sicheren EU-Zahlungen, wie die DAH, können höhere Pachten zahlen als kleinere Höfe. Für junge Landwirte oder Familienbetriebe wird es dadurch immer schwieriger, Flächen zu bekommen.
Der Boden ist knapp, die Preise steigen seit Jahren. Viele Landwirte berichten, dass sie bei Ausschreibungen kaum noch gegen große Unternehmen oder Investoren bestehen können. Die EU-Förderung verstärkt diese Strukturen, weil sie große Flächen zusätzlich attraktiv macht. Ob Hansens Vorstoß zu einer echten Reform führt, bleibt offen. Noch ist unklar, wie die EU künftig zwischen aktiven Landwirten und Investoren unterscheiden will.
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