Die Brics-Staatengruppe muss nach Ansicht Russlands weitere Fortschritte bei der Entwicklung eines eigenen Finanz- und Zahlungssystems erzielen. Das erklärte der stellvertretende russische Außenminister Sergej Rjabkow beim Treffen der Brics-Sherpas in Neu-Delhi. Laut dem russischen Außenministerium betonte Rjabkow dabei neben der „grenzüberschreitenden Zahlungsinfrastruktur“ auch ein neues Investitionsprogramm und eine Brics-Getreidebörse.
Der russische Diplomat forderte Mechanismen, die „resistent gegen feindliche Einflüsse von außen“ seien. Gemeint sind damit die westlichen Sanktionen gegen Russland. Ziel ist es, die Abhängigkeit vom US-Dollar als bevorzugtem Medium im internationalen Handel zu verringern.
Einheitliches Auftreten gefordert
Rjabkow betonte, dass die Brics-Staaten bei internationalen Fragen geschlossen auftreten müssten: „Es besteht die Notwendigkeit für Brics, mit einheitlichen Positionen aufzutreten und bei akuten internationalen Fragen mit einer Stimme zu sprechen – darüber wurde heute auch viel während der Sitzung gesagt. Wir werden sehen, welche Aufgaben sich uns angesichts der sich schnell verändernden internationalen Lage stellen, aber wir sind vollständig vorbereitet, und alle Teilnehmer der heutigen Sitzung, sowohl Brics-Mitglieder als auch Partnerstaaten, die bei der heutigen Veranstaltung vertreten waren, sind sich einig, dass nur die Stärkung der Zusammenarbeit, das Finden von Punkten gegenseitigen Verständnisses und Punkten gemeinsamen Wachstums – das ist der Weg, den Brics gehen sollte.“
Laut dem russischen Außenministerium sprachen sich alle Teilnehmer des Treffens für eine „weitere Stärkung der Zusammenarbeit im Brics-Format auf internationalen Plattformen“ aus – angesichts „wachsender Herausforderungen für den Multilateralismus“. Diese Formulierung dürfte als Seitenhieb auf die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump zu verstehen sein.
Unterschiedliche nationale Ansätze erschweren Einigung
Rjabkow räumte ein, dass die Abstimmung zwischen den Mitgliedstaaten komplex sei: „Vieles hängt vom Vorsitz ab. Wir wissen, dass es unterschiedliche Nuancen und Ansätze gibt, und die Situation verändert sich in vielerlei Hinsicht. Brics hat sich als Verbund gleichgesinnter Länder etabliert, aber jede Gruppe von Gleichgesinnten hat Nuancen und Besonderheiten nationaler Ansätze. Wir haben nicht immer fertige Antworten auf diese Fragen, wie man sie zusammenbringen und auf einen gemeinsamen Nenner bringen kann. Wir werden weiter daran arbeiten.“
Indien, das zu Beginn des Jahres den Brics-Vorsitz übernommen hat, verfolgt einen zurückhaltenden Kurs. Die indische Regierung will den Fokus auf Entwicklungszusammenarbeit und den Globalen Süden legen, ohne die Staatengruppe zu einem geopolitischen Gegengewicht zum Westen zu machen. Auch der Brics-Gipfel wird im Herbst in Indien stattfinden. Rjabkows Bemerkung, dass „vieles vom Vorsitz abhängt“, könnte als versteckter Hinweis darauf zu verstehen sein, dass Indien andere Prioritäten setzt.
Hintergrund sind anhaltende Grenzspannungen zwischen Indien und China sowie Neu-Delhis wachsende strategische Beziehungen zu den USA. Indische Regierungsvertreter haben sich besorgt über eine zu schnelle Brics-Erweiterung und eine mögliche chinesische Dominanz innerhalb der Gruppe geäußert.
Digitale Zentralbankwährungen statt Brics-Einheitswährung
Der aktuelle Plan für Brics sieht ein System „interoperabler digitaler Zentralbankwährungen“ vor – ein weniger provokantes Ziel als die Schaffung einer eigenen Brics-Währung oder eine vollständige Abkehr vom Dollar. Dieses System würde es den Mitgliedstaaten erleichtern, Handel mit elektronischen Versionen ihrer jeweiligen nationalen Währungen zu betreiben, ohne den US-Dollar vollständig zu ersetzen. Das bescheidenere Ziel zerstreut auch die Befürchtungen einiger Brics-Mitglieder, dass eine gemeinsame Währung letztlich von China dominiert und kontrolliert werden könnte.




