Dedollarisierung

Brics gegen den Dollar: Wie Brics Pay die globale Finanzordnung verändern soll

Die Brics-Staaten rücken von der Idee einer gemeinsamen Währung ab und setzen stattdessen auf etwas Neues. Russland, China und Co. wollen die Abhängigkeiten vom Dollar und von Swift reduzieren.

Der wirtschaftspolitische Druck der USA soll immer mehr Brics-Länder dazu bewegen, Fragen finanzieller Souveränität stärker zu priorisieren.
Der wirtschaftspolitische Druck der USA soll immer mehr Brics-Länder dazu bewegen, Fragen finanzieller Souveränität stärker zu priorisieren.Alexander Shcherbak/imago

Diskussionen um eine Dedollarisierung der Weltwirtschaft sind nicht neu. Besonders nicht in China, Russland oder dem Iran. Innerhalb der Brics-Staaten spielen finanzpolitische Themen eine immer wichtigere Rolle. Nun nimmt eine Zahlungsinfrastruktur auch konkrete institutionelle Formen an. Statt einer vor Jahren noch als Ziel gesetzten gemeinsamen Währung rückt aktuell ein alternatives Transaktionssystem in den Mittelpunkt: Brics Pay. Das Projekt ist ein weiterer strategischer Versuch des Nicht-Westens, die Abhängigkeit vom US-Dollar zu reduzieren, ohne die politisch heikle Frage einer Einheitswährung zu forcieren.

Keine Brics-Währung, aber ein gemeinsames Zahlungssystem

„Bei Brics wird es keine einheitliche Währung geben, wohl aber eine einheitliche Zahlungsplattform“, erklärte der russische Senator Wladimir Dschabarow. Damit erteilt der Block früheren, im Westen aufmerksam registrierten Ideen einer gemeinsamen Brics-Währung vorerst eine Absage. Stattdessen soll eine „grenzüberschreitende digitale Zahlungsarchitektur“ entstehen, die direkte Abrechnungen in nationalen Währungen ermöglicht.

Doch was genau ist Brics Pay? Das Abwicklungssystem ist eine digitale Plattform, die nationale Zahlungssysteme und perspektivisch auch digitale Zentralbankwährungen (CBDCs) miteinander verknüpfen soll. Ziel ist es, Handels- und Finanztransaktionen ohne Umweg über Dollar-Clearing oder westlich dominierte Systeme wie Swift abzuwickeln.

Besondere Bedeutung erhält das Projekt durch den aktuellen Brics-Vorsitz Indiens. Nach russischen Angaben habe vor allem der wirtschaftspolitische Druck der USA, etwa durch angedrohte oder verhängte Zölle, Neu-Delhi dazu bewegt, dringende Fragen finanzieller Souveränität stärker zu priorisieren. Die indische Zentralbank (RBI) empfahl, die Verknüpfung nationaler CBDCs offiziell auf die Agenda des Brics-Gipfels 2026 zu setzen.

„Die RBI hat die indische Regierung aufgefordert, diesen Vorschlag für den Gipfel, den Indien später in diesem Jahr ausrichten wird, zu priorisieren“, heißt es in einem indischen Finanz-Fachmedium. „Dies stellt den ersten formellen Versuch der Brics-Länder dar, ein CBDC-Vernetzungssystem zu etablieren, das die wirtschaftliche Zusammenarbeit unter den Mitgliedstaaten potenziell verbessern könnte.“ Das ist durchaus beachtlich. Denn: Damit verschiebt sich der Fokus innerhalb des Blocks weg von symbolträchtigen Währungsdebatten hin zu funktionalen, technisch umsetzbaren Lösungen.

Mit der Aufnahme von Ländern wie Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Iran, Ägypten und Äthiopien gewinnt das Brics-Projekt zusätzliches Gewicht. Der erweiterte Block vereint mit seiner letzten Aufnahmewelle nicht nur große Schwellenländer, sondern auch zentrale Energieexporteure. Finanzielle Abrechnungen außerhalb des Dollars gewinnen somit sowohl in Moskau und Neu-Delhi als auch in Riad oder Peking immer mehr an strategischer Relevanz.

Die erklärte Absicht der Brics ist allerdings nicht, den Dollar kurzfristig zu verdrängen. Vielmehr soll eine „robuste Alternative“ entstehen, so jedenfalls der Sprech in Russland, die die Verwundbarkeit gegenüber Sanktionen verringert, Transaktionskosten senkt und die wirtschaftspolitische Autonomie der Mitgliedsstaaten stärkt.

Inspiriert ist Brics Pay allen voran durch das brasilianische Pix-System, eines der weltweit erfolgreichsten Echtzeit-Zahlungssysteme. Über Brics Pay sollen auch Zahlungen in Rubel, Yuan, Rupie, Real oder Rand direkt abgewickelt werden. Brasiliens Präsident Lula da Silva wirbt seit Jahren für eine multipolare Finanzordnung und sieht in der technischen Erfahrung seines Landes einen klaren Wettbewerbsvorteil. Pix gilt innerhalb der Brics als Blaupause für Nutzerakzeptanz und staatlich koordinierte Innovation.

Westen wird die Brics-Ambitionen genau beobachten

Dennoch gilt: Alle diskutierten Modelle sind finanzpolitisch hochsensibel und technisch komplex. Innerhalb der Brics-Gruppe gehören nicht nur Regulierungsdebatten, sondern auch geopolitische Rivalitäten zum Alltag. Das gilt insbesondere für die Beziehungen zwischen China und Indien. Hinzu kommt die Sorge mehrerer Mitgliedstaaten vor einem strukturellen Übergewicht Pekings und einer dominierenden Rolle des Yuan in einem künftigen alternativen Finanzsystem.

Gleichzeitig beobachten die USA und ihre europäischen Verbündeten die Maßnahmen zur Dedollarisierung aufmerksam. Eine funktionierende Zahlungsalternative zum Dollar würde zwar nicht dessen globale Rolle beenden, könnte aber beispielsweise die finanzielle Sanktionsmacht des Westens langfristig schwächen. Auch wenn Brics Pay noch kein fertiges Produkt ist, so zeigt das Finanzprojekt klar in eine Richtung: Der Bruch mit dem Dollar und der Aufbau eines parallelen Bezahlsystems stehen wohl bevor.