Trotz der am Montag gestarteten US-Seeblockade iranischer Häfen ist der Ölpreis am Dienstag gesunken. Die Nordseesorte Brent fiel laut BBC um rund ein Prozent auf 98,40 Dollar pro Barrel, nachdem der Preis zuvor die Marke von 100 Dollar überschritten hatte. Grund für die Entspannung: Beide Seiten signalisieren Bereitschaft zu einer zweiten Verhandlungsrunde, noch bevor die derzeitige Waffenruhe am 21. April ausläuft.
Präsident Donald Trump erklärte am Montag, der Iran habe die US-Regierung am Morgen kontaktiert. „Sie wollen unbedingt einen Deal“, sagte Trump vor Reportern im Weißen Haus, ohne zu präzisieren, wer genau angerufen habe. Diese Äußerung wurde an den Märkten als „Zeichen möglicher Deeskalation“ gewertet, sagte Jiajia Yang von der australischen James Cook University der BBC.
Laut CNN diskutieren US-Beamte intern bereits über mögliche Termine und Orte für ein zweites persönliches Treffen mit iranischen Vertretern. Genf und Islamabad stünden erneut zur Debatte, die Planungen seien jedoch vorläufig. Bloomberg berichtet, dass auch die Türkei und Ägypten als Vermittler und mögliche Gastgeber in Frage kämen.
Treffen in Pakistan ohne Ergebnis
Das 21-stündige Treffen in Islamabad am Samstag, geleitet von US-Vizepräsident JD Vance, endete ohne Ergebnis. Laut CNN fordert Washington als nicht verhandelbare Bedingungen die vollständige Einstellung der iranischen Urananreicherung, die Demontage beschädigter Atomanlagen sowie die Sicherstellung von mehr als 400 Kilogramm hoch angereichertem Uran. Die USA schlugen eine 20-jährige Anreicherungspause vor, der Iran bot lediglich fünf Jahre an, wie die New York Times berichtete.
„Sie haben sich in unsere Richtung bewegt, aber nicht weit genug“, sagte Vance dem Sender Fox News. Irans Außenminister Abbas Araghtschi schrieb auf X, man sei „nur Zentimeter“ von einer Absichtserklärung entfernt gewesen, dann aber auf „Maximalforderungen und sich verschiebende Zielvorgaben“ gestoßen.
Aus Teheran berichtet Al Jazeera, dass zahlreiche Streitpunkte bestehen bleiben – darunter die Straße von Hormus, ein regionaler Waffenstillstand insbesondere im Libanon, Sanktionserleichterungen, eingefrorene Vermögenswerte und Irans Regionalbündnisse. Hinzu komme ein tiefes gegenseitiges Misstrauen, so der Korrespondent Tohid Asadi.
US-Blockade als Druckmittel
Die Seeblockade soll den Iran wirtschaftlich unter Druck setzen und zurück an den Verhandlungstisch zwingen. Laut CNN birgt die Maßnahme jedoch Risiken: Die US-Marine sieht sich asymmetrischen Bedrohungen durch iranische Schnellboote, Drohnen und Minen in der Straße von Hormus ausgesetzt.
Analyst Gregory Brew vom Forschungs- und Beratungsunternehmen Eurasia Group schätzt laut CNN, dass der Iran den wirtschaftlichen Druck mindestens drei bis vier Wochen aushalten könne – möglicherweise länger, da zuvor gelockerte Sanktionen dem Land erlaubt hätten, zusätzliche Ölreserven zu exportieren. Die asiatischen Aktienmärkte reagierten am Dienstag positiv: Der japanische Nikkei stieg um 2,6 Prozent, der südkoreanische Kospi um mehr als 3 Prozent, wie die BBC berichtet.


