Steigende Ölpreise infolge der Spannungen im Nahen Osten verschärfen die ohnehin dramatische Lage in Haiti. Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, müssen viele Menschen in dem Karibikstaat ihre ohnehin knappen Mahlzeiten weiter reduzieren, während Transport und Lebensmittel deutlich teurer werden.
Der 35-jährige Fabrikarbeiter Alexandre Joseph läuft inzwischen täglich jeweils zwei Stunden zur Arbeit und zurück, weil er sich den Transport nicht mehr leisten kann. „Die Regierung hat die Preise für Benzin, Diesel und Kerosin erhöht“, sagte er laut AP. „Ich kann meine beiden Kinder mit meinem Gehalt nicht mehr ernähren.“
Anfang April hatte die Regierung die Preise für Diesel um 37 Prozent und für Benzin um 29 Prozent angehoben. Experten warnen, dass die steigenden Ölpreise infolge des Konflikts mit dem Iran die fragile Wirtschaft des Landes weiter unter Druck setzen.
Hungerkrise verschärft sich
Fast die Hälfte der rund zwölf Millionen Einwohner Haitis leidet bereits unter akutem Hunger. Nach Angaben des Welternährungsprogramms (WFP) könnten die jüngsten Preissteigerungen Fortschritte der vergangenen Monate zunichtemachen. „Die Folgen sind enorm“, sagte der stellvertretende WFP-Landesdirektor Erwan Rumen laut AP. Viele Menschen seien „am Rande des Zusammenbruchs“.
Hilfsorganisationen warnen, dass steigende Kosten für Transport und Lebensmittel die Lage weiter verschärfen. „Das ist keine abstrakte Inflation“, sagte Allen Joseph von der Organisation Mercy Corps. „Das wird sich direkt auf das Überleben auswirken.“
Gewalt durch Banden verschärft Lage
Die Krise wird zusätzlich durch anhaltende Gewalt von bewaffneten Gruppen verschärft. Banden kontrollieren wichtige Verkehrswege und erschweren die Versorgung mit Gütern. In einigen Regionen werden Treibstoffe laut Helfern deutlich über den offiziellen Preisen verkauft.
Hilfsorganisationen müssen teilweise auf Boote ausweichen oder längere Routen nutzen, um Bedürftige zu erreichen. Nach Angaben des WFP konnten zuletzt rund 60.000 Menschen nicht mit Hilfsgütern versorgt werden, weil ein Gebiet von bewaffneten Gruppen angegriffen wurde.
Alltag wird unbezahlbar
Auch im Alltag zeigt sich die Krise. Händler und Familien berichten, dass sie Preise erhöhen müssen oder weniger einkaufen. „Die Leute kaufen nichts mehr, weil sie kein Geld haben“, sagte eine Marktfrau laut AP. Viele Familien leben bereits unter extremen Bedingungen. Rund 40 Prozent der Bevölkerung kommen nach Angaben der Weltbank mit weniger als 2,15 US-Dollar pro Tag aus. Gleichzeitig schrumpft die Wirtschaft seit Jahren, die Inflation lag zuletzt bei mehr als 30 Prozent.
„Reisen ist teuer, Essen ist teuer – alles ist teuer“, sagte ein Straßenverkäufer gegenüber AP. „Ich weiß nicht, wie lange ich das noch durchhalte.“


