Nach heftigen Regenfällen ist es in den italienischen Regionen Emilia-Romagna und den Marken zu teils dramatischen Überschwemmungen gekommen. Das Gebiet an der Adriaküste wird seit Dienstag von schweren Unwettern heimgesucht. Mindestens acht Tote wurden bislang geborgen, wie Irene Priolo, Vizepräsidentin der am heftigsten betroffenen Region Emilia-Romagna, am Mittwoch mitteilte. Unzählige Straßen sind überflutet, viele von ihnen wurden heftig beschädigt. Der Zivilschutz berichtete von etwa 50.000 Menschen ohne Strom und 100.000 Leuten ohne Mobilfunknetz.
Das für Sonntag angesetzte Formel-1-Rennen in Imola wurde wegen der starken Regenfälle abgesagt, wie die Rennserie am Mittwoch mitteilte. Vorausgegangen waren Gespräche mit dem Automobil-Weltverband FIA und regionalen Behörden. Zur Möglichkeit eines Ersatztermins später im Jahr machte die Formel 1 zunächst keine Angaben.
Die Formel 1 und die Teams sprachen den Betroffenen der Unwetter ihr Mitgefühl aus. Formel-1-Weltmeister Max Verstappen etwa brachte in den sozialen Medien seine Unterstützung für die unwetterbedingte Absage zum Ausdruck. „Unsere Gedanken sind bei allen, die von den heftigen Regenfällen und Überschwemmungen in der Region Emilia-Romagna betroffen sind. Wir wünschen Euch allen Stärke, damit ihr diese Zeit sicher übersteht“, verkündete der Red-Bull-Pilot am Mittwoch bei Twitter.
Statement: 2023 Emilia Romagna Grand Prix
— Max Verstappen (@VerstappenCOM) May 17, 2023
Our thoughts are with all those affected in the greater Emilia Romagna region.
Stay safe 🙏#ImolaGP pic.twitter.com/yr5y7tUQxw
Der Grand Prix in Imola war als sechster Saisonlauf geplant und sollte der Start in die Europa-Saison der Formel 1 sein. Ob das Rennen in diesem Jahr noch nachgeholt wird, ist äußerst fraglich. Der Kalender ist bereits dicht gefüllt. Schon in der kommenden Woche soll es mit dem Klassiker in Monaco weitergehen.
Flüsse in Italien über Ufer getreten: Feuerwehr und Bergretter im Dauereinsatz
Am stärksten von den Unwettern betroffen sind laut der italienischen Feuerwehr die Provinzen Ravenna, Forlì-Cesena, Rimini und Bologna – und dort insbesondere die Städte Faenza, Cesena und Forlì. Die Feuerwehr rückte demnach seit Dienstagmorgen zu 600 Einsätzen aus und war dort mit 400 Feuerwehrleuten vor Ort. Sie retteten etwa Menschen, die in ihren Häusern vom Wasser eingeschlossen waren, oder in den Wassermassen gestrandete Autofahrer. In der Stadt Cesena, wo der Fluss Savio über die Ufer getreten ist, haben die Einsatzkräfte Dutzende von Menschen gerettet, die auf den Dächern ihrer Häuser festsaßen.
Auf Bildern und Videos der Feuerwehr ist zu sehen, wie ganze Straßenzüge unter Wasser stehen, Schlammlawinen Straßen blockieren und Felder wegen der Wassermassen Seelandschaften gleichen.
🔴 #Maltempo #EmiliaRomagna, esondato il fiume Savio a #Cesena nella zona di via Roversano e via dei Mulini: segnalate persone bloccate sui tetti per l'alto livello dell'acqua, in atto sull'area operazioni di soccorso con l'elicottero dei #vigilidelfuoco [#16maggio 17:45] pic.twitter.com/UiRZ8CGU2r
— Vigili del Fuoco (@vigilidelfuoco) May 16, 2023
Die Einsatzkräfte waren unter anderem mit Helikoptern im Einsatz – einige Menschen konnten so in Sicherheit gebracht werden. In mehreren Teilen der Stadt Faenza kam es zudem zu Stromausfällen, auch bei den Telefonverbindungen gab es Probleme. In den betroffenen Gebieten sind auch Einsatzkräfte der italienischen Bergrettung zur Hilfe vor Ort. Rund 40 Bergretter, die auf Rettungen in überfluteten Gebieten spezialisiert sind, sind im Einsatz, um Menschen zu helfen.
Eine Frau in Faenza berichtete, wie schnell sich die Wassermassen ihren Weg ebneten – innerhalb von zehn Minuten stieg das Wasser nach ihren Worten fast bis zum ersten Stock ihres Hauses. „Eine Nachbarin von mir war allein mit vier kleinen Kindern im Haus, sie rief um Hilfe und niemand kam. Wir blieben die ganze Nacht bei ihnen, im Schlafanzug. Die Kinder weinten. Eine Katastrophe“, wird sie von Ansa zitiert.
Überflutungen: Italiens Regierung sichert 10 Millionen Euro Hilfsgelder zu
Laut Zivilschutz-Minister Nello Musumeci werden etwa 5000 Menschen in den betroffenen Gegenden in Italien evakuiert. „Aber es könnten noch mehr werden. Wir sind bereit einzugreifen als Regierung“, sagte er am Mittwochmorgen im italienischen Radio. Regionalpräsident Stefano Bonaccini sprach von „unglaublichen Zahlen und sehr vielen Evakuierten“. Unter anderem in der Provinz Ravenna und rund um die Hauptstadt Bologna mussten mehrere Tausend Menschen ihre Häuser verlassen und in Sicherheit gebracht werden.
Die Regierung hat indes bereits 10 Millionen Euro für die ersten Ausgaben und Notfälle infolge der Überschwemmungen bewilligt. Der Zivilschutz rief die Menschen auch in den kommenden Stunden zu großer Vorsicht auf. Menschen, die nicht evakuiert wurden, sollten sich etwa in höheren Stockwerken von Gebäuden in Sicherheit bringen.






