Stadtbild

Baumsterben in Sanssouci: Jetzt gibt es dort Führungen zum Klimawandel

Viele Bäume im Park des Potsdamer Schlosses Sanssouci mussten abgeholzt werden. Neue Führungen erklären, warum das so ist. Und warum Schilder vor Astbruchgefahr warnen.

Schloss Sanssouci in Potsdam
Schloss Sanssouci in PotsdamJens Kalaene/dpa

Zu meinen großen Vergnügungen als Berlinerin zählen Ausflüge in die Nachbarstadt Potsdam mit Spaziergängen durch den Park Sanssouci. Ohne Sorge – das ist ein Name voller Zuversicht. Meine Aufenthalte dort sind aber auch von Sorge geprägt.

Selbst wenn die Obstbäume im Holländischen Garten vor der Bildergalerie im Park Sanssouci in diesen Tagen wunderbar in weißer und rosafarbener Blüte stehen – die Schönheit des berühmten Parks ist akut bedroht.

Davon künden überall Schilder mit der Warnung „Achtung Astbruchgefahr“. Ängstlich schaut man nach oben. Schuld an den instabilen Verhältnissen ist der Klimawandel. Dem wichtigen Thema widmet die Stiftung Preussische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg in dieser Saison erstmals spezielle Führungen.

Die Zahl schockiert: 396 Parkbäume mussten in diesem Winter im einzigartigen Welterbe abgeholzt werden. Die Bauhistorikerin Alexandra Schmöger fasst zusammen, was zur gefährlichen Schwächung des Bestandes führte: „Schuld ist Austrocknung, da die Sommer seit 2004 immer wasserärmer wurden. Erschwerend sind die ständig zunehmenden Starkregen- und Sturmereignisse. All das hat die Gesundheit der Bäume zerstört.“

Führungen am 7. Mai und 4. Juni

Diese Dezimierung bedroht alles Grün. Mit dem Pflanzen von besonders widerstandsfähigen Bäumen und Sträuchern versuchen die Gärtnerinnen und Gärtner, dem Verfall entgegenzuwirken. Davon erzählen sie in den Führungen über den Ruinenberg und in zentrale Bereiche des Gartens. Die erste findet am Sonntag, den 7. Mai, um 11 Uhr statt (Tickets kosten 6 Euro).

Einmalig in diesem Jahr ist die Führung „Obst für den König: der Holländische Garten im Park Sanssouci“, angelegt 1747 bis 1801. Der Termin: Sonntag, 4. Juni, um 11 Uhr. Das besondere Ziel: Hinter den Boskettenhecken des barocken Gartens an der Gemäldegalerie stehen rund 80 historische Äpfel-, Birnen-, Kirsch-, Pflaumen-, Pfirsich- und Aprikosenbäume. „Das ist ein wertvolles Gen-Depot zur Erhaltung seltener Sorten“, sagt Alexandra Schmöger.

Solche Obstquartiere waren dem Sanssouci-Schöpfer Friedrich II. (1712–1786) besonders wichtig. Die Zähmung selbst der Pflanzen sollte seine Macht symbolisieren. „Sie sind Mittel der herrschaftlichen Repräsentation und seines Selbstverständnisses als absolutistischer König. Er inszenierte sich damit als Herrscher auch über die Natur.“ Ein ebensolches Kulturstück befindet sich vor den Römischen Bädern. Dort sprießen Auberginen, Artischocken, Bohnen, Zucchini und Mais.

Picknick oder Mittagsschlaf im Marlygarten

Von 1747 bis 1918 nutzten die preußischen Könige ihr Sanssouci als Sommersitz, heute sind wir, das Volk, dran! Picknick oder Mittagsschlaf mache ich im Marlygarten an der Friedenskirche, Teatime aus der Thermosflasche am Chinesischen Haus. Ich genieße den weiten Blick auf die Wiesen von Schloss Charlottenhof aus. Oder sause mit dem Rad mitten durch auf dem Weg vom Neuen Palais zum Grünen Gitter.