Ukraine-Krieg

Russland meldet vollständige Kontrolle über Luhansk

Das Verteidigungsministerium in Moskau spricht vom Abschluss der Eroberung der Region. Aus der Ukraine gibt es vorerst keine Stellungnahme.

Ein russischer Mehrfachraketenwerfer vom Typ Grad im Einsatz im Gebiet Luhansk
Ein russischer Mehrfachraketenwerfer vom Typ Grad im Einsatz im Gebiet LuhanskAlexander Reka/imago

Russland hat nach eigenen Angaben die vollständige Kontrolle über die ostukrainische Region Luhansk übernommen. Das teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Mittwoch mit. Eine Bestätigung aus Kiew lag zunächst nicht vor.

„Einheiten der Militärgruppe West haben die Befreiung der Volksrepublik Luhansk abgeschlossen“, erklärte das Ministerium. Damit wäre auch das letzte Gebiet in der Region unter ukrainischer Kontrolle gefallen, das sich seit Beginn der groß angelegten Invasion 2022 noch gehalten hatte.

Bereits zuvor standen nach russischen Angaben mehr als 99 Prozent der Region unter Moskaus Kontrolle. Russland hatte Luhansk zusammen mit drei weiteren ukrainischen Gebieten im Jahr 2022 annektiert. Die Ukraine und westliche Staaten werten dies als völkerrechtswidrige Annexion. Bisher konnten die Angaben zum Frontverlauf nicht unabhängig überprüft werden.

Forderung nach Rückzug aus Donezk

Luhansk gehört zusammen mit Donezk zum Donbass, einer industriell geprägten Region im Osten der Ukraine. Der Kreml bekräftigte am Mittwoch seine Forderung, dass ukrainische Truppen auch aus den noch von Kiew kontrollierten Teilen der Region Donezk abziehen sollen. Dies sei Voraussetzung für ein Ende der „heißen Phase“ des Krieges, hieß es aus Moskau. Die ukrainische Führung hat solche Forderungen mehrfach zurückgewiesen.

Das russische Verteidigungsministerium erklärte zudem, russische Truppen hätten das Dorf Werchnja Pysariwka in der Region Charkiw sowie den Ort Boikowe im Gebiet Saporischschja eingenommen. Auch diese Angaben ließen sich nicht unabhängig bestätigen.

Russland sieht sich militärisch im Vorteil

Russlands stellvertretender Außenminister Michail Galusin verschärfte den Ton. In einem Interview mit der staatlichen Nachrichtenagentur Tass am Rande einer russisch-usbekischen Konferenz des Waldai-Diskussionsklubs sagte er, die russischen Truppen würden „an allen Fronten vorrücken“ und die strategische Initiative „fest und selbstbewusst“ halten.

„Das Kiewer Regime hatte und hat viele Probleme, und in der Zukunft werden noch mehr hinzukommen“, erklärte Galusin. Kiew müsse begreifen, dass die Bedingungen einer endgültigen Regelung mit der Zeit „immer härter“ würden. Die Aussagen spiegeln die Linie der russischen Führung wider, die ihre Truppen militärisch im Vorteil sieht. Kiew weist diese Darstellung zurück und verweist auf eigenen Widerstand sowie Gegenoffensiven.