Die erste von einem ukrainischen Unternehmen aufgestellte Flugabwehreinheit hat den Kampfeinsatz aufgenommen und in der Region Charkiw mehrere russische Drohnen abgeschossen. Das teilte Verteidigungsminister Mykhailo Fedorov am Montag auf Telegram und X mit. Reuters und das ukrainische Medium Ukrinform berichteten darüber. Unter den abgefangenen Drohnen waren demnach Modelle der Typen Shahed und Zala.
Das Pilotprojekt geht auf eine Regierungsentscheidung aus dem vergangenen Jahr zurück. Diese erlaubt Unternehmen aus den Bereichen Energie, Kommunikation und Transport, Flugabwehrausrüstung zu beschaffen und selbst einzusetzen.
Firmenangestellte als Luftverteidiger
Die Einheiten bestehen aus Mitarbeitern der jeweiligen Firmen. Sie werden mit Waffen ausgestattet, operieren unter der Koordination der ukrainischen Luftwaffe und sind in die bestehende Luftverteidigungsstruktur eingebunden. Laut Fedorov werden derzeit von 13 weiteren Unternehmen zusätzliche Einheiten aufgebaut. Einige davon führen bereits Kampfeinsätze durch, andere befinden sich noch in der Ausbildung.
„Wir haben ein Modell geschaffen, in dem Staat, Militär und Privatwirtschaft als ein System funktionieren“, erklärte Fedorov laut Ukrinform. Das Vorgehen ermögliche eine schnelle Ausweitung der Luftabwehr, ohne Fronteinheiten zusätzlich zu belasten. Ziel sei ein mehrschichtiges Verteidigungssystem mit maximaler Abdeckung. Fedorov sagte, Unternehmen erhielten Zugang zum Markt für Flugabwehrsysteme, könnten eigene Systeme entwickeln und ihre Infrastruktur selbst schützen.
Hunderte Drohnen pro Tag
Russland setzt nach Angaben aus Kiew täglich Hunderte Kampfdrohnen gegen ukrainische Industrie- und Energieanlagen ein. In der Nacht zum Montag feuerte Russland nach ukrainischen Militärangaben 164 Drohnen auf die Ukraine ab. 150 davon wurden demnach abgefangen. Laut dem Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, General Oleksandr Syrskyi, stieg die Zahl der Einsätze von Abfangdrohnen und der zerstörten russischen Ziele im März um rund 55 Prozent gegenüber Februar.
Private air defense working. First Shahed & Zala drones downed in Kharkiv by a private firm. 13 more companies joining. Integrated with Air Force command to scale protection without burdening the front. Opening the market to build a resilient, multi-layered sky. pic.twitter.com/GhXuX6a9dS
— Mykhailo Fedorov (@FedorovMykhailo) March 30, 2026
EU stellt Mittel für Drohnenabwehr bereit
Die EU hat mehrere Programme zum Ausbau der ukrainischen Verteidigungsindustrie und der Drohnenabwehr aufgelegt. Das Europäische Verteidigungsindustrieprogramm EDIP umfasst für die Jahre 2025 bis 2027 insgesamt 1,5 Milliarden Euro. Davon sind 300 Millionen Euro zur Unterstützung der ukrainischen Rüstungsindustrie vorgesehen. Mit diesem Mitteln sollen die Produktionskapazitäten ukrainischer Unternehmen ausgebaut werden.
Die Europäische Kommission erklärte zudem im Februar, sie unterstütze den Ausbau der Drohnenabwehr auch über industriepolitische EU-Programme und den Europäischen Verteidigungsfonds. Der Europäische Rat drängte am 19. März außerdem auf eine beschleunigte Produktion und Lieferung von Luftverteidigungssystemen, Drohnen und Raketen für die Ukraine.


