Die Zahl der Gewalttaten gegen Lehrkräfte in Deutschland hat in den vergangenen zehn Jahren drastisch zugenommen. Eine Auswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) zeigt: 2024 wurden 1283 Fälle vorsätzlicher einfacher Körperverletzung gegen Lehrer registriert. Zwischen 2015 und 2023 lag die Zahl zwischen 717 und 1017 Fällen. Lediglich 2021, als Schulen pandemiebedingt geschlossen waren, sank sie auf 564 Fälle.
Die Daten stammen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion und liegen der Deutschen Presse-Agentur vor. Erfasst werden ausschließlich Taten, deren Motivation im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit steht.
Auch bei schweren Gewalttaten – darunter gefährliche Körperverletzung, Raubdelikte und Sexualstraftaten – zeigt sich ein kontinuierlicher Anstieg: von 268 Fällen im Jahr 2015 auf 557 im Jahr 2024.
Mehrheit der Berliner Schulen berichtet von Gewalt
In Berlin beteiligten sich im Schuljahr 2024/2025 laut Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) 82 Prozent aller Schulen an einem neuen Meldeverfahren. Von diesen 599 Schulen berichteten 53,6 Prozent über körperliche Gewalt und 4,3 Prozent über Übergriffe auf Schulpersonal.
Auch die Berliner Polizeistatistik (Datawarehouse Führungsinformation) bestätigt den Trend: Die Zahl der Fälle psychischer und physischer Gewalt gegen Lehrkräfte in der Hauptstadt stieg von 186 im Jahr 2019 auf einen Höchststand von 283 Fällen im Jahr 2024 – ein Anstieg um mehr als 50 Prozent. Nur in den Pandemiejahren 2020 und 2021 gab es einen vorübergehenden Rückgang. Die Daten hatte die Berliner SPD im Januar 2025 erfragt.
Gewalt gegen Lehrer: Grüne fordern Schutzkonzepte
Marcel Emmerich, innenpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag, bezeichnete die Entwicklung als alarmierend. „Es ist höchste Zeit für wirksame Schutzkonzepte“, sagte er. Diese müssten auf die jeweilige Berufsgruppe zugeschnitten sein und durch einheitliche Verfahrensstandards sowie technische Hilfsmittel wie Alarmsysteme ergänzt werden.


