Die libysche Küstenwache hat damit begonnen, einen beschädigten russischen Flüssiggastanker abzuschleppen, der seit Anfang März ohne Besatzung im Mittelmeer trieb. Wie die in Tripolis ansässige Regierung der Nationalen Einheit (GNU) mitteilte, wurde die Arctic Metagaz zunächst von der Küste vor Zuwara weggeschleppt, berichtet Reuters.
Das unter russischer Flagge fahrende Schiff, das Flüssigerdgas (LNG) aus dem Arktishafen Murmansk transportierte, war laut dem russischen Transportministerium Anfang März von ukrainischen Seedrohnen getroffen worden. Alle 30 Besatzungsmitglieder wurden gerettet, wie The Independent berichtet. Die Ukraine hat sich bisher nicht zu dem Vorfall geäußert.
Ein von der GNU-Medienplattform Hakomitna veröffentlichtes Video zeigt eine Fregatte, die den Tanker mit einem dicken Tau durch das Wasser zieht. Auf den Aufnahmen ist der Tanker seitlich geneigt, der Rumpf vom Brand geschwärzt.
Omar Mohamed Omar Al-Tuwair, Einsatzleiter der Küstenwache für den zentralen Sektor, versicherte laut Reuters, die zuständigen Behörden unternähmen alles, um die Lage zu bewältigen. Das endgültige Ziel des Tankers haben die Behörden bislang nicht bekanntgegeben.
Neun EU-Mittelmeerstaaten warnten vor Umweltkrise
Italien, Frankreich, Spanien und sechs weitere südliche EU-Mitgliedstaaten hatten vergangene Woche in einem Schreiben an die Europäische Kommission vor einem „unmittelbar drohenden und schwerwiegenden Risiko einer großen Umweltkatastrophe“ durch den Tanker gewarnt, wie Reuters meldet. Die Arctic Metagaz soll zur sogenannten russischen Schattenflotte gehören, die fossile Brennstoffe unter Umgehung internationaler Sanktionen transportiert, berichtet The Independent.
Die libysche National Oil Corporation erklärte dem Bericht zufolge, sie arbeite mit dem italienischen Energiekonzern Eni zusammen, um den Tanker sicher an die Küste zu bringen. Die Naturschutzorganisation WWF warnte am Montag, das Schiff sei weiterhin „hochinstabil“ und stelle erhebliche Umweltrisiken für eines der artenreichsten Meeresgebiete des Mittelmeers dar.
Das russische Transportministerium behauptete laut Reuters, die Drohnen seien von libyschem Territorium aus gestartet worden. Weder die Ukraine noch Libyen äußerten sich bisher dazu.


