Kostenexplosion

Verkalkuliert: Trumps Tanker-Beschlagnahmungen werden für die USA zum Millionengrab

Die Regierung um Donald Trump wollte mit der Beschlagnahmung von Tankern aus sanktionierten Staaten Geld verdienen. Laut einem Bericht kosten Wartung und Betrieb der Schiffe jedoch Millionen.

Schlepper bringen ein Handelsschiff in einen Hafen in Kalifornien.
Schlepper bringen ein Handelsschiff in einen Hafen in Kalifornien.Tom Paiva/imago

Die Beschlagnahmung von Öltankern durch die Vereinigten Staaten entwickelt sich laut einem Bericht der New York Times zu einem teuren Unterfangen für die US-Regierung. Allein die Wartung eines einzigen beschlagnahmten Tankers habe innerhalb von drei Monaten rund 47 Millionen US-Dollar gekostet.

Die Regierung von Präsident Donald Trump hatte wiederholt erklärt, die Beschlagnahmung von Tankern mit Öl aus sanktionierten Staaten wie dem Iran oder Venezuela sei finanziell vorteilhaft für die Vereinigten Staaten. In der Praxis verursachen die Schiffe jedoch hohe laufende Kosten.

Ein Beispiel ist der Tanker „Skipper“. Die Vereinigten Staaten beschlagnahmten das Schiff am 10. Dezember auf dem Weg von Venezuela nach Asien. An Bord befanden sich mehr als 1,8 Millionen Barrel Rohöl aus Venezuela.

Ein aus einem Video entnommenes Bild zeigt die Beschlagnahmung eines Öltankers durch US-Streitkräfte vor der Küste Venezuelas. Veröffentlicht wurde es auf dem X-Account von Generalstaatsanwältin Pam Bondi.
Ein aus einem Video entnommenes Bild zeigt die Beschlagnahmung eines Öltankers durch US-Streitkräfte vor der Küste Venezuelas. Veröffentlicht wurde es auf dem X-Account von Generalstaatsanwältin Pam Bondi.U.S. Attorney General's Office

Wartungskosten übersteigen den Wert des Tankers

Laut Gerichtsunterlagen mussten bereits 47 Millionen US-Dollar für Reparaturen und Wartung des alternden Schiffs ausgegeben werden. Der Tanker selbst hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft nur einen geschätzten Wert von etwa zehn Millionen US-Dollar. In den kommenden Monaten könnten weitere rund fünf Millionen US-Dollar für Versicherung, Besatzung und Betrieb anfallen.

Auch die Lagerung des Öls verursacht zusätzliche Kosten. Diese belaufen sich laut dem Bericht auf rund 15.000 US-Dollar pro Tag.

Das beschlagnahmte Öl hat nach Angaben eines ranghohen Beamten des US-Justizministeriums einen Wert zwischen 120 Millionen und 135 Millionen US-Dollar. Allerdings darf die Regierung weder das Schiff noch die Ladung ohne gerichtliche Genehmigung verkaufen. Staatsanwälte haben deshalb ein Gericht in Washington gebeten, den Verkauf vorzeitig zu erlauben. Das Geld soll bis zu einer endgültigen Entscheidung auf einem Konto hinterlegt werden.

USA verstärken Einsätze gegen „Geistertanker“

Die Vereinigten Staaten haben in den vergangenen Monaten ihre Kampagne gegen sogenannte „Geistertanker“ verstärkt. Dabei handelt es sich um Schiffe, die Öl aus sanktionierten Ländern transportieren und häufig mit falschen Flaggen oder verschleierten Eigentümerstrukturen operieren.

Nach Angaben der US-Justiz gehört der „Skipper“ zu einem solchen Netzwerk. Das Schiff sei in der Vergangenheit mehrfach zum Transport iranischen Öls eingesetzt worden. In den vergangenen zwei Jahren habe es mehr als sieben Millionen Barrel Rohöl von der iranischen Insel Kharg geladen.

Die Vereinigten Staaten haben nach Angaben der New York Times bislang zehn Tanker mit Verbindungen zu Venezuela beschlagnahmt. Zwei dieser Schiffe transportierten zum Zeitpunkt der Festsetzung allerdings kein Öl, was die Kosten für Wartung und Besatzung zusätzlich erhöht.

Die Regierung prüft laut dem Bericht zudem, die Beschlagnahmung von Tankern auszuweiten. Ziel könnten künftig auch Schiffe sein, die iranisches Öl transportieren. Die Maßnahme ist Teil der Strategie der US-Regierung, die Einnahmen des Iran aus dem Ölhandel zu schwächen.

Vertreter des Weißen Hauses verteidigen die Vorgehensweise trotz der hohen Kosten. Die Beschlagnahmungen sollen demnach Unternehmen und Staaten davon abschrecken, Sanktionen zu umgehen.

Iran-Krieg belastet US-Haushalt massiv

Die finanziellen Belastungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem der Krieg gegen den Iran bereits enorme Summen verschlingt. Laut der Financial Times hat das US-Militär in dem Konflikt innerhalb kurzer Zeit „Jahre“ an wichtigen Munitionsreserven verbraucht. Besonders stark betroffen seien Marschflugkörper vom Typ Tomahawk. Pentagonvertreter erklärten demnach vor Senatoren, der Krieg habe allein in den ersten sechs Tagen mehr als 11 Milliarden US-Dollar gekostet. Ein Großteil der Summe entfalle auf Munition.

Experten warnen laut Berichten der Washington Post, dass die amerikanischen Waffenbestände derzeit schneller schrumpfen, als sie von der Rüstungsindustrie ersetzt werden können. Trotz der kurzen Dauer des Iran-Krieges erreichen die Ausgaben der USA bereits Rekordwerte: Auf dem Höhepunkt des Irak-Krieges lagen die täglichen Kosten bei etwa 300 bis 400 Millionen US-Dollar. Die Regierung um Trump gibt derzeit nach Berechnungen Crawfords etwa das Fünf- bis Sechsfache pro Tag aus.