Nach dem jüngsten Preisschub bei Energie hält Neuseelands Notenbank bei anhaltenden Inflationsrisiken Zinsschritte in beide Richtungen für möglich. Die Regierung hatte zuvor eine befristete Hilfe für arbeitende Familien mit geringem Einkommen angekündigt.
Die Gouverneurin der neuseeländischen Zentralbank, Anna Breman, erklärte am Mittwoch in Auckland, die Geldpolitik werde einen vorübergehenden Anstieg der Energiekosten zunächst hinnehmen. Sollten sich die Inflationsrisiken aber verfestigen, seien Zinserhöhungen nicht ausgeschlossen.
„Ich werde weder Zinserhöhungen noch Zinssenkungen ausschließen, angesichts der Unsicherheit im globalen Umfeld“, sagte Breman laut Reuters. Die Zentralbank hält den Leitzins seit November bei 2,25 Prozent. Zuvor hatte sie ihn seit August 2024 mehrfach gesenkt. Die Inflation lag im vierten Quartal 2025 bei 3,1 Prozent und damit über dem Zielkorridor von ein bis drei Prozent.
An den Finanzmärkten wird laut Reuters eine Wahrscheinlichkeit von rund 60 Prozent für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte im Mai eingepreist. Mehrere Banken hätten bereits begonnen, ihre Hypothekenzinsen anzuheben, heißt es.
Regierung reagiert mit befristeter Hilfe
Bereits zuvor hatte die Regierung in Wellington eine Soforthilfe für arbeitende Familien mit geringem Einkommen angekündigt. Ab April sollen rund 143.000 Haushalte mit Kindern vorübergehend 50 Neuseeland-Dollar, umgerechnet rund 25 Euro, pro Woche zusätzlich erhalten. Das soll die Folgen gestiegener Kraftstoffpreise abfedern.
Weitere rund 14.000 Familien sollen in abgeschwächter Form einbezogen werden. Das Geld fließt über den sogenannten In-Work Tax Credit, eine bestehende Steuergutschrift für erwerbstätige Eltern mit geringem Einkommen.
Die Maßnahme ist eine Reaktion auf stark gestiegene Kraftstoffpreise, die im Zusammenhang mit dem Konflikt im Nahen Osten die Lebenshaltungskosten in Neuseeland nach oben treiben. Die Zulage ist befristet. Sie soll ein Jahr lang gezahlt werden oder enden, wenn der Preis für Benzin der Sorte 91 Oktan vier Wochen in Folge unter drei Neuseeland-Dollar pro Liter liegt.
Der Guardian berichtete über Kritik aus der Opposition. Die Grünen-Co-Vorsitzende Marama Davidson sagte demnach, die Hilfe lasse Empfänger von Sozialleistungen, Rentner und unbezahlte Pflegepersonen außen vor.
Wirtschaftsstark, sozial ungleich
Neuseeland liegt im südwestlichen Pazifik rund 2000 Kilometer südöstlich von Australien. Das Land umfasst zwei Hauptinseln und zahlreiche kleinere Inseln. Die Bevölkerung zählt gut fünf Millionen Menschen. Die meisten leben auf der Nordinsel, vor allem im Großraum Auckland. Neben der europäischen Bevölkerungsmehrheit bilden die indigenen Māori eine große Bevölkerungsgruppe. Hinzu kommen wachsende asiatische und pazifische Gemeinschaften.
Säulen der neuseeländischen Wirtschaft sind die exportorientierte Landwirtschaft sowie Tourismus und Dienstleistungen. Trotz des hohen Lebensstandards gibt es deutliche soziale Unterschiede. Vor allem Māori und Menschen pazifischer Herkunft sind häufiger von niedrigeren Einkommen sowie schlechteren Gesundheits- und Bildungschancen betroffen.
Politisch ist das Land eine parlamentarische Monarchie im Commonwealth. Regierungschef ist seit November 2023 Premierminister Christopher Luxon von der National Party. Seine Mitte-rechts-Koalition stützt sich auf ACT New Zealand und New Zealand First. Außenpolitisch orientiert sich Neuseeland eng an westlichen Partnern, besonders an Australien. Zugleich betont Wellington seine eigenständige Rolle im Pazifikraum.


