Inflation

Trotz steigender Ölpreise: EZB-Leitzins bleibt bei zwei Prozent

Höhere Energiepreise sorgen für Inflationsgefahr. Die Europäischen Zentralbank lässt den Leitzins am Donnerstag dennoch unverändert. So erklärt sie die Entscheidung.

Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank Christine Lagarde nach der EZB-Ratssitzung am Donnerstag in Frankfurt
Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank Christine Lagarde nach der EZB-Ratssitzung am Donnerstag in FrankfurtHannelore Förster/imago

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Leitzins trotz massiv gestiegener Öl- und Gaspreise bei 2,0 Prozent belassen. Es ist die sechste Zinspause in Folge. „Wir sind gut darauf vorbereitet, mit diesem großen Schock umzugehen“, sagte die EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Donnerstag bei der Pressekonferenz des EZB-Rats in Frankfurt. Einen Termin für eine mögliche Zinserhöhung nannte sie nicht. Die Notenbank beobachte nun besonders die Entwicklung von Rohstoffpreisen, Angebotsengpässen und Löhnen.

Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran hat die Energiepreise massiv nach oben getrieben. Der Iran hat den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus gestoppt – die wichtigste Ölhandelsroute der Welt. Die Preise für Gas und Öl stiegen daraufhin um 40 bis 50 Prozent. Für Verbraucher bedeutet das: Tanken und Heizen sind bereits deutlich teurer geworden.

EZB hebt Inflationsprognose auf knapp drei Prozent an

Im Februar lag die Inflation im Euroraum noch bei 1,9 Prozent. Die EZB rechnet nun für das laufende Jahr mit durchschnittlich 2,6 Prozent – die Dezember-Prognose von 1,9 Prozent wurde damit deutlich korrigiert. „Ursächlich dafür ist, dass die Energiepreise aufgrund des Krieges im Nahen Osten höher sein werden“, teilte die Notenbank mit. Der EZB-Chefvolkswirt Philip Lane bezeichnete eine Eskalation des Nahostkonflikts als „eines der wichtigsten Risikoszenarien, die von der EZB beobachtet werden“. Dies könne die Wirtschaft bremsen und die Inflation anheizen.

Auch die Düngemittelversorgung ist betroffen: Ein Drittel des globalen Düngerhandels läuft über die Straße von Hormus. In Indien wurde die Produktion gedrosselt, in den USA fehlen rund 25 Prozent der saisonüblichen Lieferungen. Die steigenden Düngerpreise könnten auch die Lebensmittelkosten in die Höhe treiben.

Lehren aus Ukraine-Krieg: EZB ist handlungsbereit

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 hatte die Notenbank den Preisanstieg unterschätzt – die Inflation im Euroraum schoss zeitweise auf über zehn Prozent. Der EZB-Rat teilte mit, er sei „bereit, alle seine Instrumente im Rahmen seines Mandats anzupassen, um sicherzustellen, dass sich die Inflation auf mittlere Frist beim Zielwert von zwei Prozent stabilisiert“. Auf einen bestimmten Zinspfad lege man sich nicht im Voraus fest.

Die EZB steht mit ihrer abwartenden Haltung nicht allein: Auch die amerikanische Notenbank Federal Reserve, die Schweizerische Nationalbank und die Bank of England ließen ihre Leitzinsen zuletzt unverändert.