Während der Krieg in Nahost die Energiepreise in die Höhe treibt, verdient der Iran offenbar massiv an seinen Ölexporten – und die USA tolerieren dies nach eigenen Angaben, um den globalen Markt nicht weiter zu destabilisieren.
Der Iran nimmt derzeit schätzungsweise mehr als 140 Millionen US-Dollar pro Tag durch Ölverkäufe ein, berichtet die Financial Times unter Berufung auf Daten von Analysefirmen. Seit Beginn der Angriffe durch die USA und Israel Ende Februar hätten mindestens 13 Supertanker Rohöl am wichtigsten Exportterminal auf der Insel Kharg geladen.
Insgesamt seien in diesem Zeitraum rund 24 Millionen Barrel iranisches Öl durch die Straße von Hormus transportiert worden, so das Datenunternehmen Kpler. Die Meerenge ist von zentraler Bedeutung für den Weltmarkt: Normalerweise passieren dort etwa 20 Prozent des globalen Öl- und Flüssiggastransports. Die strategisch wichtige Handelsroute ist jedoch weitgehend zum Erliegen gekommen.
US-Finanzminister Scott Bessent bestätigte, dass Washington die iranischen Lieferungen derzeit duldet – trotz bestehender Sanktionen. „Die iranischen Schiffe sind bereits ausgelaufen, und wir haben das zugelassen, um die Welt zu versorgen“, sagte er dem Sender CNBC.
Hintergrund ist die angespannte Lage auf den Energiemärkten. Angriffe in der Region und Einschränkungen bei der Förderung in anderen Ländern haben den Ölpreis zuletzt auf über 100 US-Dollar pro Barrel steigen lassen. Für die US-Regierung ist das politisch heikel, da steigende Benzinpreise die Stimmung vor den Zwischenwahlen belasten könnten.
Großteil der iranischen Ölexporte geht nach China
Nach Angaben von Analysten exportiert der Iran derzeit täglich zwischen 1,5 und 1,6 Millionen Barrel Öl. Aufgrund von Preisabschlägen infolge der Sanktionen wird das Rohöl meist unter Marktpreis verkauft – bei den aktuell hohen Preisen steigen die Einnahmen dennoch deutlich. Ein Großteil der Exporte geht dem Bericht zufolge nach China. Mehr als 90 Prozent des iranischen Öls würden von dortigen Raffinerien abgenommen, häufig trotz Sanktionen, da die Lieferungen günstiger sind.
Gleichzeitig wächst in Washington der Druck, die Einnahmen Teherans stärker einzuschränken. Experten warnen laut Financial Times jedoch, dass ein härteres Vorgehen die ohnehin angespannten Märkte weiter belasten könnte.
Trotz einzelner Angriffe auf militärische Ziele ließ die US-Regierung die iranische Ölinfrastruktur bislang unangetastet. Beobachter werten dies als bewusstes Signal, die Versorgungslage nicht weiter zu verschärfen.




