Ein chinesisches Start-up behauptet, Treibstoffe aus Luft und Wasser in großem Maßstab herstellen zu können. Sollte sich das Verfahren durchsetzen, könnte es die globale Energiepolitik grundlegend verändern und die Abhängigkeit von Ölimporten verringern.
Das in Shanghai ansässige Unternehmen Carbonology erklärte laut der South China Morning Post, es habe eine Methode entwickelt, um aus Kohlendioxid synthetischen Treibstoff herzustellen. Dafür werde CO₂ aus Luft und Wasser gewonnen und mithilfe von Solar- und Windenergie in Produkte wie Benzin, Diesel, Kerosin und Naphtha umgewandelt.
Unternehmen verspricht günstigen Treibstoff
Nach Angaben des Unternehmens seien die Produktionskosten inzwischen so weit gesunken, dass die Treibstoffe zu wettbewerbsfähigen Preisen angeboten werden könnten. Carbonology bereite derzeit den Aufbau großindustrieller Anlagen in China vor. Ein Mitarbeiter des Unternehmens bestätigte die Angaben telefonisch, machte jedoch keine weiteren Details öffentlich. Unabhängige Überprüfungen der Technologie liegen bislang nicht vor.
Das Verfahren basiert auf sogenannter Direct-Air-Capture-Technologie, bei der Kohlendioxid direkt aus der Atmosphäre gewonnen wird. Solche Ansätze werden seit Jahren erforscht, bislang wird das abgeschiedene CO₂ jedoch meist gespeichert und nicht zur Treibstoffproduktion genutzt.
Die Entwicklung fällt in eine Phase wachsender geopolitischer Spannungen und Unsicherheit auf den Energiemärkten. China treibt seit Jahren die Suche nach Alternativen zu fossilen Energieträgern voran, um unabhängiger von Importen zu werden. Experten äußern jedoch Zweifel an der wirtschaftlichen Tragfähigkeit der Technologie. Insbesondere die Skalierung und die tatsächlichen Produktionskosten gelten als zentrale Herausforderungen.
Sollte sich das Verfahren als praktikabel erweisen, könnte es langfristig die Rolle klassischer Ölproduzenten schwächen und die globalen Energiestrukturen verschieben.
Iran-Krieg lässt Ölpreise steigen
Seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar sind die Ölpreise deutlich gestiegen. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent lag vor Ausbruch der Kämpfe noch bei rund 70 bis 75 US-Dollar, kletterte in den ersten Tagen um etwa 15 bis 20 Prozent und überschritt zeitweise sogar die Marke von 100 US-Dollar. Aktuell liegt Brent weiter stabil über 100 US-Dollar und damit mehr als 40 Prozent über dem Vorkriegsniveau. Grund sind vor allem Angriffe auf Energieinfrastruktur und die unsichere Lage in der Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels läuft.
Analysten warnen, dass die Preise bei anhaltender Eskalation weiter steigen könnten – in Extremfällen auf deutlich über 120 US-Dollar je Barrel.



