Um die für die Weltwirtschaft bedeutsame Straße von Hormus ist ein Nervenkrieg entbrannt. Die USA und der Iran versuchen, die Kontrolle über das maritime Nadelöhr zu gewinnen. Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, hat die Nato und China aufgefordert, Kriegsschiffe in die Region zu schicken, um die Handelsschiffe zu schützen. Die iranischen Revolutionsgarden und der iranische Außenminister haben mitgeteilt, dass die Straße für Feinde des Iran geschlossen, für ausgewählte Partner jedoch geöffnet sei.
Laut dem katarischen Sender Al-Dschasira und Bloomberg wurden bisher nur pakistanischen und indischen Schiffen Passiergenehmigungen gewährt. Die Türkei wartete bis Montag mit 15 Schiffen auf die Erlaubnis zur Durchfahrt. China bekommt seine Schiffe offenbar auch nicht reibungslos durch die Straße. Frankreich und Italien haben den Iran um Gespräche über eine Lösung gebeten. Durch die Straße von Hormus werden etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und 30 Prozent des LNGs transportiert.
Eine „anhaltende Blockade der Straße von Hormus würde einen beispiellosen Energieschock auslösen“, warnte der Ökonom und UN-Diplomat Jeffrey Sachs in einem Beitrag für die Berliner Zeitung. Der Konflikt drohe „außer Kontrolle zu geraten, da die USA und Israel entschlossen nach der Hegemonie in der arabischen Welt und Westasien streben – einer Hegemonie, die die israelische Gebietsausdehnung mit der Kontrolle von Regimen durch die USA in der gesamten Region verbindet“, so Sachs.
Die Aufforderung, Kriegsschiffe zu entsenden, fand bisher wenig positives Echo – allerdings aus unterschiedlichen Gründen: China will die amerikanisch-israelischen Ambitionen keinesfalls unterstützen. Die Europäer suchen dagegen möglicherweise nach einer gesichtswahrenden Variante, in den in Europa extrem unpopulären Krieg einzutreten.

China steht, wie Russland, verdeckt auch militärisch an der Seite des Iran. Die Chinesen trauen der US-Regierung außerdem nicht mehr über den Weg und führen als Grund an, dass die Amerikaner den Iran zweimal während laufender Verhandlungen angegriffen haben. Trump dürfte das Vertrauen weiter erschüttert haben: Während chinesisch-amerikanische Delegationen mit Hochdruck den für April geplanten Gipfel Trumps mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping vorbereiten, drohte Trump in einem Interview mit der Financial Times (FT), den Gipfel abzusagen, wenn China nicht seine Wünsche erfülle.
China hält Trumps Forderung für nicht praktikabel, schreibt die staatliche chinesische Global Times. Die Auffüllung einer instabilen Wasserstraße mit Kriegsschiffen verschiedener Nationen schaffe keine Sicherheit, sondern Ziele: „Sollte ein einziges Schiff getroffen werden, könnten die Folgen schnell außer Kontrolle geraten. Es handelt sich hier weniger um internationale Zusammenarbeit, um die Meerenge offen und sicher zu halten, sondern vielmehr um eine sorgfältig geplante Risikoverlagerung.“ Genau eine solche Verlagerung des Risikos lehnt Peking ab – aus einem einfachen Grund: Die Ursache der Spannungen in der Straße von Hormus sei „nicht ein Mangel an Kriegsschiffen, sondern ein laufender Krieg“.
Der chinesische Außenminister Wang Yi hatte dies in Telefongesprächen mit seinen Amtskollegen aus Kuwait, Bahrain, Pakistan und Katar zum Meinungsaustausch über die Lage im Iran bereits angesprochen. Die USA und Israel hätten den Iran ohne UN-Mandat im Zuge laufender Verhandlungen angegriffen, „was eindeutig gegen internationales Recht verstößt“. Die Global Times: „Jemand hat das Feuer gelegt. Nun bittet er die Welt um Hilfe beim Löschen – und fordert eine Kostenbeteiligung.“
Allerdings könnte es sich bei der Aufforderung Trumps an China um eine Finte handeln. Wenn nämlich China der Aufforderung nicht nachkommt, könnte Trump den Druck auf die Europäer weiter erhöhen, sich um die für Europa essenzielle Handelsverbindung zu kümmern. Damit würde der Krieg nach außen aufgespalten: Die einen – USA und Israel – ringen weiter mit dem Iran, die Europäer widmen sich dem Militäreinsatz zum Schutz der Straße von Hormus.
Der britische Premier Keir Starmer sagte am Montag, Großbritannien werde sich keinesfalls am Krieg beteiligen. Er und die Kollegen aus den Golfstaaten und Europa befänden sich derzeit in Beratungen, wie die Straße von Hormus geschützt werden könne. Starmer betonte ausdrücklich, dass es sich um „Beratungen“ handle, „eine Entscheidung ist noch nicht gefallen“. Er befinde sich über das weitere Vorgehen auch im Gespräch mit Trump.
Offenbar ist eine Art globale „Koalition der Willigen“ im Gespräch – und nicht die Nato, wie von Trump scheinbar gefordert. Doch es wäre für die US-Regierung besser, wenn sich die Einzelstaaten zu einer Art Projektgruppe zusammenschließen würden. Dann müssten diese Staaten nämlich die gesamten Kosten des Militäreinsatzes tragen, während bei einer Nato-Mission immer die Amerikaner den Löwenteil zu finanzieren haben.
Keir Starmer sagte am Montag: „Es wird keine Nato-Mission sein, und es war auch nie als eine Nato-Mission vorgesehen.“ Die Bundesregierung äußerte sich ähnlich: „Das ist nicht der Krieg der Nato“, sagte der Regierungssprecher Stefan Kornelius in Berlin. „Die Nato ist ein Bündnis zur Verteidigung des Bündnisgebietes.“ Für eine Absicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormus sei ein Bündnis von Partnern „in Europa, am Persischen Golf und mit den USA“ nötig, sagte Starmer.
Trump erklärte laut AFP, „viele Länder“ würden sich beteiligen, und nannte China, Frankreich, Japan, Südkorea und Großbritannien. Am Montag sagte Trump, seine Regierung sei mit „etwa sieben“ Ländern im Gespräch. Es sei „nur angemessen, dass diejenigen, die von der Straße profitieren, auch dazu beitragen, sicherzustellen, dass dort nichts Schlimmes passiert“, sagte er.
Die japanische Regierung schloss eine Beteiligung an einem Marineeinsatz zunächst aus. Regierungschefin Sanae Takaichi erklärte, jeder maritime Sicherheitseinsatz wäre „rechtlich außerordentlich schwierig“. Auch die australische Regierung lehnte eine Beteiligung ab.
Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi kündigte an, den Krieg nach den Angriffen der USA und Israels „so weit wie nötig“ weiterzuführen. Araghtschi sagte vor Medienvertretern, die Islamische Republik werde nicht zögern, sich zu verteidigen. Sein Land sei bereit, „den Krieg, wohin er auch führen mag, fortzusetzen“.
In Jerusalem war laut AFP-Reportern eine Explosion zu hören. Die iranischen Revolutionsgarden teilten mit, sie hätten die israelische Metropole Tel Aviv und den Flughafen Ben Gurion ins Visier genommen, außerdem von den USA genutzte Militärstützpunkte in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain.
In einem Außenbezirk von Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten wurde ein Palästinenser nach Behördenangaben von einer Rakete getötet. Nach einem neuerlichen Drohnenangriff auf das Ölindustriegebiet Fudschaira brach laut örtlichen Behörden ein „großer“ Brand aus. Es seien keine Verletzten gemeldet worden.
Der internationale Flughafen von Dubai setzte seinen Betrieb nach einem Drohnenvorfall und einem Brand an einem Treibstofftank vorübergehend aus. Später wurde der Flugverkehr nach Angaben des Betreibers in Teilen wieder aufgenommen.
Die Streitkräfte von Saudi-Arabien fingen seit Montag um Mitternacht mehr als 60 Drohnen ab, wie das Verteidigungsministerium in Riad im Onlinedienst X mitteilte. In der Hauptstadt von Katar, Doha, waren nach Angaben von AFP-Journalisten Explosionen zu hören.
