Die Ölpreise sind gefallen, nachdem die irakische Regierung und die kurdische Lokalregierung (KRG) sich auf die Wiederaufnahme von Ölexporten über den türkischen Hafen Ceyhan geeinigt haben, wie Bloomberg und Reuters übereinstimmend berichten.
Der Ölpreis fiel laut Reuters am Mittwoch um rund zwei US-Dollar pro Barrel und gab damit einen Teil seiner starken Gewinne vom Vortag ab. Der Brent-Ölpreis lag unter 101 US-Dollar pro Barrel, nachdem er am Dienstag um mehr als drei Prozent gestiegen war, berichtete Bloomberg. Die US-Referenzsorte West Texas Intermediate notierte bei etwa 92 US-Dollar.
Ölexporte sollen noch am Mittwoch wieder starten
Das irakische Ölministerium hatte die KRG laut Reuters Anfang März in um Erlaubnis gebeten, mindestens 100.000 Barrel pro Tag aus den Kirkuk-Ölfeldern über das kurdische Pipelinenetz nach Ceyhan zu transportieren. Zunächst wurde darüber jedoch keine Einigung erzielt. Am Dienstag verkündeten beide Seiten dann, eine Vereinbarung getroffen zu haben.
Der irakische Ölminister Hayan Abdel-Ghani erklärte laut staatlichen Medien, dass die Öllieferungen über den türkischen Hafen Ceyhan voraussichtlich bereits am Mittwoch wieder beginnen sollen. „Die Nachricht hat dem Markt etwas Erleichterung verschafft“, sagte Anh Pham, Senior-Analystin beim Finanzdatenanbieter LSEG, gegenüber Reuters.
Rohölpreise seit Kriegsbeginn um 70 Prozent gestiegen
Die Pipeline durch die kurdische Autonomieregion zur türkischen Mittelmeerküste bietet einen alternativen Exportweg, der die Straße von Hormus umgeht. Der Schiffsverkehr durch die wichtige Handelsroute ist seit Beginn des Iran-Kriegs stark eingeschränkt. Allerdings kann die Pipeline den Export über die Meerenge nur teilweise ersetzen.
„Wir befinden uns weiterhin in einem Umfeld mit Ölpreisen von 100 Dollar pro Barrel, und die Krise rund um die Straße von Hormus zeigt keine Anzeichen einer Entspannung“, so Anh Pham. Die Ölproduktion im Irak ist laut Bloomberg auf etwa 1,4 Millionen Barrel pro Tag gesunken, was etwa einem Drittel des Niveaus vor der weitgehenden Blockade der Straße von Hormus entspreche.
Die Rohölpreis der Sorte Brent ist dem Bericht zufolge seit Jahresbeginn um fast 70 Prozent gestiegen. Robert Rennie, Leiter der Rohstoffforschung bei der Westpac Banking Corp., erwartet laut Bloomberg, dass die Sorte Brent in einer Spanne von 95 bis 110 Dollar verharren wird. Sollte ein großer Schaden an einer Raffinerieanlage in der Region gemeldet oder eine zusätzliche Verminung der Meerenge bestätigt werden, „dürfte sich diese Spanne um weitere 10 bis 20 Dollar nach oben verschieben“, hieß es.

