„Unkontrolliert“

Bergung von Arctic Metagaz gescheitert – Russischer Öltanker treibt weiter im Mittelmeer

Starke Winde haben den Abschleppversuch des havarierten russischen Tankers Arctic Metagaz vor Libyen zum Scheitern gebracht. An Board befinden sich bis zu 60.000 Tonnen Flüssiggas.

Nach einem gescheiterten Bergungsversuch treibt die Arctic Metagaz „völlig unkontrolliert“ im Mittelmeer.
Nach einem gescheiterten Bergungsversuch treibt die Arctic Metagaz „völlig unkontrolliert“ im Mittelmeer.Matthew Uereb/AFP

Die Bergung des beschädigten russischen Tankers Arctic Metagaz vor der libyschen Küste ist gescheitert. Wie die libysche Hafen- und Seeverkehrsbehörde laut ABC News am Donnerstag mitteilte, musste der Abschleppversuch in den frühen Morgenstunden wegen schwerer Wetterbedingungen und starker Winde abgebrochen werden. Der Tanker treibe nun „völlig unkontrolliert“ auf dem Mittelmeer, erklärte Behörde in einer Mitteilung. Alle Schiffe wurden aufgefordert, mindestens zehn Seemeilen Abstand zu halten.

Laut der Times of Malta könnten starke Winde dazu geführt haben, dass sich der Tanker vom Schleppschiff losgerissen hat. Das Schleppschiff sei unter den gefährlichen Bedingungen nicht in der Lage, das Schiff erneut zu sichern. Der Tanker befand sich zuletzt nordöstlich der Stadt Misrata und trieb nach Osten. Er befindet sich laut dem Bericht derzeit außerhalb der maltesischen Such- und Rettungszone, wobei unklar bleibt, ob Winde ihn erneut in Richtung Malta treiben könnten.

Öltanker Teil der russischen Schattenflotte

Die Arctic Metagaz gehört laut ABC News zur sogenannten russischen Schattenflotte, die fossile Brennstoffe unter Umgehung internationaler Sanktionen transportiert, die wegen Moskaus Krieg gegen die Ukraine verhängt wurden. Im März wurde der Tanker nach Angaben der libyschen Seebehörde durch mutmaßliche Drohnenangriffe beschädigt, wobei „plötzliche Explosionen und ein massiver Brand“ etwa 240 Kilometer vor der Küstenstadt Sirte auftraten. Russland machte die Ukraine für den Angriff verantwortlich; die Ukraine hat sich bisher nicht öffentlich dazu geäußert.

Das Schiff soll laut Times of Malta bis zu 60.000 Tonnen Flüssiggas sowie mehrere Hundert Tonnen Schweröl an Bord haben. Aktuelle Fotos zeigen laut dem Marineportal gCaptain eine starke Schlagseite des Tankers, was auf ein wachsendes Risiko des Sinkens hindeute. Die 30 Besatzungsmitglieder hatten das brennende Schiff per Rettungsboot verlassen; dieses trieb laut Times of Malta in maltesische Gewässer und wird von der maltesischen Transportbehörde festgehalten.

Libyens staatliche Ölgesellschaft hatte laut ABC News vergangene Woche gemeinsam mit dem italienischen Energiekonzern Eni versucht, den Tanker sicher an die Küste zu bringen, um eine Umweltkatastrophe abzuwenden. Malta und Italien hatten zuvor erklärt, Notfallpläne für den Fall einer Annäherung des Tankers an ihre Küsten vorzubereiten. Mit dem gescheiterten Abschleppversuch bleibt die Frage offen, wer die Bergung des havarierten Schiffes übernimmt.