Waffen

Trotz UN-Embargo: Satellitenbilder zeigen neue Kampfdrohnen in Libyen

Seit dem Sturz Muammar Gaddafis gilt ein UN-Waffenembargo gegen Libyen. Dennoch wurden nun chinesische und türkische Drohnen im Land gesichtet.

Drohnen des aus der Türkei stammenden Typs Baykar Bayraktar TB2 wurden laut Experten in Libyen gesichtet.
Drohnen des aus der Türkei stammenden Typs Baykar Bayraktar TB2 wurden laut Experten in Libyen gesichtet.Gokhan Balci/imago

Satellitenaufnahmen des US-Unternehmens Vantor zeigen mindestens drei Drohnen auf dem Luftwaffenstützpunkt Al Khadim in der ostlibyschen Wüste, rund 100 Kilometer östlich von Bengasi. Darüber berichtet die Nachrichtenagentur Reuters nach eigener Auswertung. Die Aufnahmen stammen aus dem Zeitraum zwischen Ende April und Dezember 2025. Die Ankunft der Fluggeräte war bislang nicht öffentlich bekannt.

Drei unabhängige Waffenexperten – darunter Wim Zwijnenburg von der niederländischen Friedensorganisation PAX, Jeremy Binnie vom Verteidigungsnachrichtendienst Janes und Joseph Dempsey vom Londoner International Institute for Strategic Studies – identifizierten eine der Drohnen als eine chinesische Feilong-1 (FL-1), ein fortgeschrittenes Aufklärungs- und Angriffsmodell. Zwei kleinere Drohnen, die im Dezember 2025 auftauchten, ordneten sie als türkische Bayraktar TB2 ein. Die dazugehörige Bodenkontrollausrüstung mit charakteristischen Doppelantennen spricht ebenfalls für dieses Modell, hieß es.

Weder Haftars Libysche Nationalarmee (LNA) noch die Regierungen in China und der Türkei reagierten auf Anfragen von Reuters. Auch die Drohnenhersteller Zhongtian Feilong und Baykar sowie die Regierung in Tripolis äußerten sich nicht.

Drohnen stärken Libyens Position

Anas El Gomati, Leiter des libyschen Thinktanks Sadeq Institute, bezeichnete die neuen Drohnen gegenüber Reuters als „enormen symbolischen Gewinn“ für Haftar. Sie festigten dessen Kontrolle über den Osten und Süden Libyens, einschließlich wichtiger Ölfelder, und stärkten seine Position in Verhandlungen über eine Einheitsregierung. Gleichzeitig warf Gomati die Frage auf, wer die Drohnen tatsächlich steuere, da der LNA die nötige technische Expertise fehle.

Das UN-Waffenembargo gilt seit dem Sturz Muammar Gaddafis 2011 und verlangt eine Genehmigung des Sicherheitsrats für Waffentransfers. Dennoch flossen während des libyschen Bürgerkriegs 2014–2020 massiv Waffen ins Land. Die Vereinigten Arabischen Emirate unterstützten Haftar laut UN-Ermittlern unter anderem mit chinesischen Wing-Loong-II-Drohnen, die Türkei lieferte TB2-Drohnen an die Regierung in Tripolis.

Satellitenbilder von Planet Labs belegen zudem umfangreiche Bauarbeiten auf Al Khadim, darunter mindestens drei neue Hangars. Laut einem Berichtsentwurf des UN-Expertengremiums dient eine im Bau befindliche Struktur vermutlich der Stationierung türkischer Bayraktar-Drohnen. Im Dezember 2025 schloss die LNA außerdem ein vier Milliarden Dollar schweres Rüstungsgeschäft mit Pakistan ab, wie Reuters berichtete.

Bereits im Juni 2024 beschlagnahmten italienische Behörden auf Hinweis US-amerikanischer Geheimdienste Drohnenteile auf dem Weg von China nach Bengasi. UN-Experten stellten fest, dass die Komponenten zu zwei Feilong-1-Drohnen passten. China bestritt, dass es sich um militärische Ausrüstung handele.