Nach der befristeten Lockerung von US-Sanktionen prüfen Raffinerien in Asien den Kauf von iranischem Öl. In Indien bereiten sich mehrere Unternehmen bereits konkret auf eine Wiederaufnahme von Importen vor, wie Händler und Branchenvertreter laut Reuters berichten.
Drei mit den Planungen vertraute Personen aus indischen Raffinerien erklärten demnach, man wolle iranisches Rohöl beziehen. Voraussetzung seien jedoch noch klare Vorgaben der Regierung sowie Details aus Washington, etwa zu Zahlungsmodalitäten.
Indien reagiert besonders schnell
Indien gilt als besonders betroffen von den aktuellen Marktverwerfungen. Das Land verfügt über vergleichsweise geringe Ölreserven und hatte zuletzt verstärkt russisches Rohöl gekauft, nachdem die USA auch dort Sanktionen zeitweise gelockert hatten.
Auch in anderen Teilen Asiens prüfen Raffinerien laut Reuters, ob Käufe möglich sind. Die Region ist stark auf Lieferungen aus dem Nahen Osten angewiesen und bezieht rund 60 Prozent ihres Rohöls von dort.
Millionen Barrel auf See
Auslöser der Entwicklung ist eine Entscheidung der US-Regierung vom Freitag. Demnach dürfen für 30 Tage auch sanktionierte Mengen iranischen Öls verkauft werden, sofern sie bereits vor dem 20. März auf Tanker verladen wurden. Die Frist für Entladung und Lieferung endet am 19. April.
Nach Einschätzungen von Marktbeobachtern befinden sich derzeit zwischen etwa 130 Millionen und 170 Millionen Barrel iranischen Rohöls auf See. Das entspricht laut Analysten weniger als zwei Wochen der aktuellen Ausfälle aus dem Nahen Osten.
Unsicherheit bei Abwicklung
Allerdings bestehen weiterhin Hürden. Händler verweisen auf offene Fragen bei der Bezahlung sowie auf rechtliche Risiken. Ein großer Teil des Öls wird zudem auf älteren Tankern transportiert, die Teil sogenannter Schattenflotten sind.
„Es dauert üblicherweise etwas, bis Fragen zu Compliance, Verwaltung und Banken geklärt sind“, sagte ein Händler aus Singapur laut Reuters. Gleichzeitig sei zu erwarten, dass Unternehmen versuchen werden, die Käufe möglichst schnell umzusetzen.
Seit der Wiedereinführung der US-Sanktionen im Jahr 2018 war China der wichtigste Abnehmer iranischen Öls. Andere frühere Großkunden wie Indien, Japan oder Südkorea hatten ihre Importe weitgehend eingestellt. Die aktuelle Ausnahmeregelung ist bereits die dritte Lockerung von Energiesanktionen durch die US-Regierung seit Beginn des Kriegs gegen den Iran. Ziel ist es, die stark gestiegenen Ölpreise zu dämpfen.


