Luftverkehr

Nichts geht mehr: Flughafen BER wird bestreikt

Keine Starts, keine Landungen: Der Warnstreik in Schönefeld trifft 57.000 Passagiere. Ein Verdi-Mann erklärt, warum die Beschäftigten so sauer sind.

In den vergangenen Jahren haben Beschäftigte des BER iummer wieder gestreikt.
In den vergangenen Jahren haben Beschäftigte des BER iummer wieder gestreikt.Rainer Keuenhof/Imago

Nichts geht mehr am Flughafen Berlin Brandenburg (BER). Wer an diesem Mittwoch verreisen will, wurde hoffentlich schon von der Airline benachrichtigt. Am 18. März findet kein regulärer Flugverkehr statt. Die Gewerkschaft Verdi hat die rund 2000 Beschäftigten der Flughafengesellschaft FBB in Schönefeld zum Warnstreik aufgerufen – und es könnte sein, dass weitere Arbeitsniederlegungen folgen.

Das bisherige Angebot der FBB sei ein „Witz“ und eine Provokation, hieß es bei der Gewerkschaft. „Wir erwarten, dass der Arbeitgeber es bei der nächsten Verhandlungsrunde nachbessert“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Holger Rößler am Dienstag der Berliner Zeitung.

Am 25. März kommen beide Seiten zur dritten Runde in diesem Tarifkonflikt zusammen. „Dann werden wir entscheiden, ob weitere Arbeitskampfmaßnahmen folgen müssen“, droht Rößler. Kommt es dazu, wären erneut alle Passagiere und Frachtkunden betroffen.

Starts bleiben möglich – aber nur auf eigene Gefahr

Am BER wurden wichtige Aufgaben privaten Unternehmen übertragen. Die Airlines haben Firmen mit Bodenverkehrsdiensten beauftragt – dazu gehören das Check-in und der Gepäcktransport. Für die Kontrollen der Reisenden und ihres Gepäcks ist die Securitas zuständig. Andere, ebenfalls unverzichtbare Funktionen werden jedoch durch Beschäftigte der FBB, die Berlin, Brandenburg und dem Bund gehört, ausgeführt.

Gestrandet am Flughafen Berlin Brandenburg (BER): Am 25. Januar 2023 wurde die Flughafengesellschaft FBB zuletzt von Verdi bestreikt. Nun ist es wieder so weit.
Gestrandet am Flughafen Berlin Brandenburg (BER): Am 25. Januar 2023 wurde die Flughafengesellschaft FBB zuletzt von Verdi bestreikt. Nun ist es wieder so weit.Markus Wächter/Berliner Zeitung

Flughafenmitarbeiter betreiben die Feuerwehr am BER. Sie leiten mit Follow-me-Autos Flugzeuge zu ihrer Parkposition. Sie sorgen dafür, dass auf Vorfeldern und Pisten die Befeuerungen sowie andere Anlagen funktionieren. Die Flughafensicherheit, die Verkehrsleitung, Fahrzeugwerkstätten und die IT sind weitere Arbeitsbereiche der FBB.

„Die Flughafengesellschaft ist für einen sicheren Flugbetrieb verantwortlich“, sagte Holger Rößler. Wird sie bestreikt, sind keine Landungen möglich. Starts müssten auf eigene Gefahr stattfinden – aber welcher Flugkapitän übernimmt dieses Risiko?

Wichtig für die Sicherheit: ein Feuerwehrmann der BER-Werkfeuerwehr in Schönefeld. Am 18. März wird auch dieser Bereich am Hauptstadt-Flughafen von Verdi bestreikt.
Wichtig für die Sicherheit: ein Feuerwehrmann der BER-Werkfeuerwehr in Schönefeld. Am 18. März wird auch dieser Bereich am Hauptstadt-Flughafen von Verdi bestreikt.FBB

Damit ist klar, dass an diesem Mittwoch am BER keine Flüge möglich sind. Bisher waren für den 18. März rund 445 Abflüge und Landungen mit rund 57.000 Passagieren geplant, teilte die FBB mit. Das Unternehmen bittet die Fluggäste, sich bei ihrer Fluggesellschaft zu Umbuchungen und alternativen Reisemöglichkeiten zu informieren.

„Wir halten einen Warnstreik für unverhältnismäßig – gerade in einer durch den Iran-Krieg ohnehin sehr angespannten Lage“, kommentierte Aletta von Massenbach, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Flughafengesellschaft. Die Einschränkungen des Verkehrs in den Nahen Osten haben das Passagieraufkommen deutlich gesenkt.

Dass es nun zum Warnstreik kommt, habe sich das Unternehmen selbst zuzuschreiben, entgegnete die Gewerkschaft. Die Verdi-Tarifkommission habe das Angebot der FBB als nicht verhandlungsfähig zurückgewiesen. Es sieht bis zum Ende der geplanten Laufzeit am 31. Dezember 2028 nur rund ein Prozent Lohnsteigerung pro Jahr vor: „Angesichts der Preisentwicklung bedeutet dies einen deutlichen Reallohnverlust.“

Nur rund ein Prozent mehr Lohn pro Jahr

„Das ist kein ernsthaftes Angebot, sondern eine Provokation am Verhandlungstisch“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Holger Rößler. „Wer den Beschäftigten über mehrere Jahre hinweg praktisch nur ein Prozent mehr Lohn pro Jahr anbietet, während die Lebenshaltungskosten steigen, zeigt keinerlei Wertschätzung für ihre Arbeit.“

Zusätzlich habe die Arbeitgeberseite tarifliche Vorteilsregelungen für Verdi-Mitglieder offen infrage gestellt. Zudem weigere sie sich, den Ausbildungstarifvertrag neu zu verhandeln und wieder in Kraft zu setzen. „Dieser hatte sich in der Vergangenheit als Instrument zur Sicherung einer guten Ausbildung am BER bewährt“, lobte Rößler.

Nächsten Mittwoch wird wieder verhandelt

„Die nächste Verhandlungsrunde ist fest für den 25. März angesetzt“, sagte Flughafenchefin von Massenbach. „Wir sind zuversichtlich, dass eine Einigung zustande kommt.“ Verdi-Sekretär Rößler entgegnete: „Die Beschäftigten am BER halten den Flughafenbetrieb täglich am Laufen. Sie verdienen Respekt – und einen Tarifabschluss, der ihre Arbeit anerkennt.“

Der jüngste Warnstreik beim staatlichen BER-Betreiber liegt mehr als drei Jahre zurück. Am 25. Januar 2023 kam es am neuen Schönefelder Flughafen zu massiven Ausfällen. Außer den Beschäftigten der FBB legte damals auch das Personal der Bodenverkehrsdienste sowie der Luftsicherheit die Arbeit einen Tag lang nieder.

Ist Deutschland ein Streikland? Das sind die Zahlen

Im internationalen Vergleich wird in Deutschland eher wenig gestreikt. „Da in der deutschen Wirtschaft Flächentarifverträge dominieren, die für alle Unternehmen einer Branche und Region bindend sind und auch für nicht gewerkschaftlich organisierte Angestellte gelten, sind Streiks eher selten“, fasst das Statistische Bundesamt zusammen. „Dies zeigt, dass Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretungen in Deutschland eher konsensorientiert sind.“

In Deutschland fielen 2024 je tausend Beschäftigte durchschnittlich 11,2 Arbeitstage durch Streiks aus. Das sind deutlich weniger als zum Beispiel 2015, als es im Durchschnitt mehr als 28 Ausfalltage gab. Wie oft es Ausfälle gibt, hängt von der Branche ab. Im Wirtschaftsbereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe ist für 2024 mit 23 Ausfalltagen je tausend Arbeitnehmer der zweithöchste Wert zu erkennen.