Regionalverkehr

Fahrplanwechsel bei der Bahn: Was auf Pendler in Berlin und Brandenburg zukommt

Mehr Kapazität auf wichtigen Strecken, häufiger ans Meer und neue Baustellen: Der Verkehrsverbund gibt einen Überblick. Die Zukunft ab Ende 2027 ist unklar.

Die neuen Züge für Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. 2027 gehen auf der Linie RE3 Fahrzeuge des Typs KISS in Betrieb. Die Visualisierung zeigt die erste Klasse.
Die neuen Züge für Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. 2027 gehen auf der Linie RE3 Fahrzeuge des Typs KISS in Betrieb. Die Visualisierung zeigt die erste Klasse.Visualisierung: Stadler

Erste Informationen wurden bereits bekannt. Jetzt zeichnet der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) das ganze Bild. Zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2026 können sich die Reisenden in der Hauptstadt-Region auf große Änderungen einstellen.

Im Gespräch mit der Berliner Zeitung erläutert Thomas Dill, der beim Verbund das Center für Nahverkehrs- und Qualitätsmanagement leitet, was auf die Fahrgäste zukommt. Möglicherweise ist es für längere Zeit der letzte Fahrplanwechsel, der vor allem Positives bereithält.

„Unsere Planer haben aus den knappen Mitteln das Bestmögliche herausgeholt“, sagt Dill. Hier die Übersicht über die größten Neuerungen im Fahrplan 2027, die jetzt feststehen:

Neuer Bahnhof am Tesla-Werk soll August 2026 öffnen

Mehr Kapazität auf der Linie RE1: Auf den beiden Teillinien, die sich auf Berlin und Brandenburg beschränken, verkehren ab Mitte Dezember 2026 achtteilige Züge, erklärt Dill. In den Vierteilern in Doppeltraktion, die dann zwischen Brandenburg, Potsdam, Berlin und Frankfurt (Oder) pendeln, haben 800 Fahrgäste Platz. Obwohl die Teillinie von und nach Magdeburg noch stärker genutzt wird, können dort aber weiterhin nur sechsteilige Desiro-HC-Züge mit 637 Plätzen eingesetzt werden. Nicht nur in Sachsen-Anhalt sind Bahnsteige für längere Fahrzeuge zu kurz: In Brandenburg verzögert sich ein Teil der geplanten Bahnsteigverlängerungen – „bis 2029, teilweise bis 2032“, so Dill.

Neue Bahnhöfe auf der Linie RE1: Die Bahn kann auch schnell. Das Brandenburger Wirtschaftsministerium und Tesla setzen sich dafür ein, dass der Bahnhof Fangschleuse zügig fertiggestellt wird. Mit Erfolg: Die neue Station unweit des Elektroautowerks soll schon im August 2026 in Betrieb gehen. Ein weiterer Halt für den RE1 ist im Bau. „Der Regionalbahnhof Berlin-Köpenick soll im Dezember 2027 eröffnet werden“, sagt Dill. „Dann können die Fahrgäste dort direkt in die Regionalzüge Richtung Frankfurt (Oder) und Magdeburg einsteigen.“

Protest gegen die Einstellung der direkten Zugverbindung zwischen Schwedt/Oder und Berlin: Rund 150 Menschen demonstrieren am 23. April in Schwedt.
Protest gegen die Einstellung der direkten Zugverbindung zwischen Schwedt/Oder und Berlin: Rund 150 Menschen demonstrieren am 23. April in Schwedt.Pressestelle der Stadt Schwedt/Oder

Nur noch mit Umsteigen von Berlin nach Schwedt/Oder: Wie berichtet wird der Verkehr auf der Regionalexpresslinie RE3 neu strukturiert. Folge ist, dass der Streckenast nach Schwedt wegfällt. Zwar ist die Industrie- und Nationalparkstadt im Osten der Uckermark auch nach dem Fahrplanwechsel im Dezember weiter stündlich per Bahn erreichbar. Doch die Fahrgäste müssen in Angermünde stets in die Regionalbahn RB61 umsteigen. Schwedt und Pinnow protestieren gegen den Wegfall der Direktverbindung nach Berlin.

Stündlich durchgehend über Greifswald nach Stralsund, neue Züge: Die Verbindung nach Prenzlau, Pasewalk, Anklam, Züssow, Greifswald und Stralsund wird gestärkt. Auf diesem Teil der RE3 wird der Verkehr ab 13. Dezember 2026 auf einen Stundentakt verdichtet. 2027 flottet die DB neue Fahrzeuge des Typs Stadler Kiss ein. Die fünf Wagen haben mehr Sitzplätze als die heutigen Doppelstockzüge – 579 statt 480. Sie haben Wlan, große Info-Displays und mobilfunkdurchlässiges Fensterglas.

Mehr Regionalzüge nach Lutherstadt Wittenberg: Auch im Süden gibt es Neues. „Auf dem Südteil der Linie RE3, zwischen Jüterbog und Lutherstadt Wittenberg, stocken wir das Zugangebot von einem Zweistunden- auf einen Stundentakt auf“, berichtet Dill. Dort weist der Fahrplan außerhalb der Hauptverkehrszeiten heute noch Lücken auf.

Mehr Direktverbindungen nach Stendal: Die Elektrifizierung der Stammstrecke der Lehrter Bahn in Richtung Westen geht gut voran, so der Planer. „Das bedeutet, dass die Züge des RE4 ab Mitte Dezember 2026 stündlich über Rathenow hinaus nach Stendal fahren können. Derzeit ist nur ein Zweistundentakt auf diesem Abschnitt möglich. Die Verbindungen nach Sachsen-Anhalt verbessern sich. Die Dieselzüge der RB34 können dann durch die elektrischen Züge ersetzt werden.“

Neue Züge für die Linie RE3 zwischen Lutherstadt Wittenberg, Berlin und Stralsund: Die Visualisierung zeigt, wie es in den KISS-Zügen im Oberdeck der zweiten Klasse aussieht.
Neue Züge für die Linie RE3 zwischen Lutherstadt Wittenberg, Berlin und Stralsund: Die Visualisierung zeigt, wie es in den KISS-Zügen im Oberdeck der zweiten Klasse aussieht.Visualisierung: Stadler

Mehr Züge in den Süden des Landes Brandenburg: Gute Nachrichten für Oehna, Holzdorf (Elster), Herzberg (Elster), Falkenberg (Elster) und andere Orte. Sie sind nach dem Fahrplanwechsel im Dezember 2026 ebenfalls häufiger direkt von Berlin aus erreichbar. „Auch auf dem Südabschnitt, zwischen Jüterbog und Falkenberg (Elster), fährt der RE4 statt im Zweistundentakt künftig stündlich“, berichtet Thomas Dill.

Mehr Verbindungen nach Ludwigsfelde: Ins südliche Berliner Umland wird der Verkehr ebenfalls aufgestockt – eine weitere Auswirkung des neuen Verkehrsvertrags für das Netz Nord-Süd, den der Verbund mit DB Regio Nordost abgeschlossen hat. „Zwischen 5 und 19 Uhr wird montags bis freitags die Linie RE5 über Berlin-Südkreuz hinaus nach Ludwigsfelde verlängert.“ Zusammen mit dem RE3 und dem RE4 ergibt sich auf dem Abschnitt ein Angebot von drei Zügen pro Stunde.

Schienenersatzverkehr nach Rathenow: Die nächste Sperrung einer wichtigen Strecke in der Region ist in Sicht. „Vom 2. Oktober bis 12. Dezember 2026 und vom 15. Oktober bis 11. Dezember 2027 wird die Verbindung von Berlin nach Lehrte bei Hannover wegen Bauarbeiten unterbrochen“, erklärt Dill. Betroffen ist die Regionalexpresslinie RE4 nach Rathenow. Für den Schienenersatzverkehr hat DB InfraGO einen Betreiber gefunden: Go.On ist eine Tochtergesellschaft von 24 mittelständischen Firmen aus Ostwestfalen-Lippe. Problem: Während der Unterbrechung 2027 wird auch der Bahnhof Spandau gesperrt.

Bahnhof Flughafen BER: Ein Flughafen-Express aus Berlin trifft verspätet ein. Künftig gibt es wieder eine direkte Verbindung mit Regionalzügen zum Bahnhof Gesundbrunnen.
Bahnhof Flughafen BER: Ein Flughafen-Express aus Berlin trifft verspätet ein. Künftig gibt es wieder eine direkte Verbindung mit Regionalzügen zum Bahnhof Gesundbrunnen.Peter Neumann/Berliner Zeitung

Bessere Verbindungen zwischen der Lausitz und Polen: Auf der Regionalbahnlinie RB93, die in Cottbus beginnt, wird das Angebot auf sieben Zugpaare ausgeweitet und über Zagań (Sagan) hinaus bis Legnica (Liegnitz) durchgebunden. Im grenzüberschreitenden Verkehr gibt es annähernd einen Zweistundentakt. Damit entsteht nach dem Ende des Kulturzugs eine neue Verbindung von Berlin nach Wrocław (Breslau) mit Umsteigen in Cottbus und Legnica. Das Deutschlandticket gilt bis Forst, für Polen gibt es Tickets beim Zugbegleitpersonal.

Wieder ohne Umsteigen von Berlin-Gesundbrunnen zum BER: Seit dem vergangenen Dezember beginnt der Flughafen-Express am Hauptbahnhof, der halbstündliche Stopp im Bahnhof Gesundbrunnen wurde gestrichen. Ab 13. Dezember 2026 wird es nun wieder eine Direktverbindung zwischen der wichtigen Station in der nördlichen Innenstadt und dem Airport geben. Zwischen Berlin und Angermünde geht dann die neue Regionalexpresslinie RE9 in Betrieb. Durch die Verknüpfung mit der Linie RE20 entstehen direkte Zugläufe zwischen Angermünde, Gesundbrunnen, dem BER und Cottbus: montags bis freitags in den Hauptverkehrszeiten stündlich, sonst alle zwei Stunden.

Kürzungen ab Dezember 2027 nicht ausgeschlossen

So viel steht fest: „Das Angebot, wie es im Fahrplan 2027 für den Jahreszeitraum ab Mitte Dezember 2026 festgelegt wurde, ist bestellt“, erklärt VBB-Planer Thomas Dill. Beim Infrastrukturbetreiber DB InfraGO wurden die Trassen angemeldet.

Doch wie es vom 12. Dezember 2027 an weitergeht, ob im Fahrplan 2028 größere Kürzungen erforderlich werden, „wissen wir noch nicht“, gibt der Bahnexperte zu bedenken. „Das hängt unter anderem davon ab, wie die Trassenpreise reformiert werden und auf welche Finanzierung sich Bund und Länder einigen. Erst wenn wir wissen, wie viele Regionalisierungsmittel künftig zur Verfügung stehen, können wir sicher planen.“