Fauxpas

Das Deutsche Theater entschuldigt sich für Nazi-Wortspiel

Das Deutsche Theater hat mit einem abgewandelten NS-Slogan Werbung für eine Premiere gemacht. Jetzt entschuldigt sich die Intendantin.

Iris Laufenberg, Intendantin am Deutschen Theater
Iris Laufenberg, Intendantin am Deutschen Theaterdpa

Das Deutsche Theater Berlin entschuldigt sich für die Betreffzeile „Heim ins Theater“ in seinem jüngsten Newsletter. Die Formulierung sei „unbedacht und unangemessen“ gewesen, so teilt das Theater mit, da sie an nationalsozialistische Propagandasprache erinnere. Sie wurde in Verbindung mit der Inszenierung „Heimsuchung“ verwendet, die am Freitag in der Regie von Alexander Eisenach zur Premiere kam.

Die Formulierung „Heim ins Reich“ wurde in der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945) in Deutschland verwendet. Sie bezog sich auf die aggressive außenpolitische Strategie des NS-Regimes, Gebiete mit deutschsprachiger Bevölkerung „wieder ins Reich“ zu integrieren, also unter deutsche Herrschaft zu bringen. Am bekanntesten ist die Verwendung während der Annexion Österreichs 1938 („Anschluss“) und des Sudetenlandes 1938/39.

Das Deutsche Theater Berlin distanziert sich in dem Schreiben an die Newsletter-Abonnenten nachdrücklich von menschenverachtenden Parolen und jeglichem entsprechenden Gedankengut. Das Haus stehe für Vielfalt, Toleranz und ein respektvolles Miteinander.

„Wir bedauern sehr, dass diese Formulierung in einem werblichen Kontext erschienen ist, und bitten unsere Zuschauerinnen und Zuschauer sowie die Öffentlichkeit um Entschuldigung“, erklärt Intendantin Iris Laufenberg.

Zuletzt war im November das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg in die Kritik geraten, nachdem bei der Jubiläumsfeier zum 125‑jährigen Bestehen des Theaters historische Aufnahmen projiziert wurden, auf denen weiße Schauspieler mit schwarz geschminkten Gesichtern („Blackfacing“) aus früheren Inszenierungen zu sehen waren – unter anderem aus der berühmten „Othello“-Inszenierung von Peter Zadek.

Diese Praxis gilt heute als rassistisch. Nach heftiger Kritik räumte die Intendantin Karin Beier öffentlich „zwei schwerwiegende Fehler“ ein: die unangemessene Präsentation und die zunächst unzureichende Reaktion auf die Kritik. Sie entschuldigte sich „aufrichtig bei allen Menschen, die wir durch unser Handeln verletzt haben – insbesondere bei Schwarzen Menschen und People of Color“, und kündigte an, verlorenes Vertrauen zurückgewinnen zu wollen.


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