Was der Konzern dazu sagt

Mercedes meldet Marke in Russland an – warum jetzt?

Eigentlich ist Mercedes längst aus Russland raus. Doch nun registriert der Konzern erneut seine Marke – und russische Medien spekulieren. Was ist da dran?

Eine Mercedes E-Klasse auf einer Straße in Moskau
Eine Mercedes E-Klasse auf einer Straße in MoskauDreamstime/imago

Eigentlich hat sich Mercedes-Benz längst aus Russland zurückgezogen. Der Konzern verkaufte im Frühjahr 2023 seine Produktionsstätte bei Moskau, den Vertrieb sowie die Leasinggesellschaft an den russischen Händler Avtodom und beendete damit sein operatives Russlandgeschäft.

Nun sorgt eine neue Entdeckung für Aufmerksamkeit. Russische Medien, darunter die staatliche Nachrichtenagentur RIA, berichten, dass Mercedes-Benz in Russland erneut seine Marke registrieren ließ. Grundlage sind Einträge in der Datenbank der russischen Patentbehörde Rospatent. Demnach hatte der Konzern bereits im September 2025 einen entsprechenden Antrag gestellt – sowohl für die englische als auch für die russische Schreibweise des Markennamens.

Russische Medien leiten aus der Entscheidung ab, Mercedes-Benz könne damit formal wieder Fahrzeuge und Ersatzteile auf dem russischen Markt anbieten. Schnell ist von einer möglichen Rückkehr westlicher Konzerne die Rede. Doch was bedeutet diese Markenanmeldung tatsächlich?

Mercedes reagiert: Markenschutz statt Marktcomeback nach Russland

Auf Anfrage der Berliner Zeitung erklärte ein Sprecher von Mercedes-Benz, dass der Konzern weiterhin vollständig aus dem russischen Markt ausgestiegen sei. An dieser Entscheidung habe sich nichts geändert. Die Markenanmeldung sei keine Vorbereitung auf eine Rückkehr, sondern diene ausschließlich dem Schutz der eigenen Markenrechte.

Hintergrund ist eine Besonderheit des russischen Markenrechts: Wird eine Marke in Russland drei Jahre lang nicht genutzt, kann der Schutz entfallen, sofern sie nicht erneut angemeldet wird. Diese sogenannte Benutzungsschonfrist habe Mercedes-Benz vorsorglich berücksichtigt, um zu verhindern, dass Dritte sich die Markenrechte sichern.

„Dies ist kein Hinweis auf eine Rückkehr auf den russischen Markt, sondern dient der Erhaltung unserer Schutzrechtsposition“, so der Konzernsprecher. Die Markenanmeldungen seien zudem nicht von den geltenden Sanktionen betroffen.

Der Schritt fügt sich in eine breitere Strategie ein, mit der Mercedes-Benz sich juristisch absichert, ohne operativ zurückzukehren. Beim Verkauf seiner russischen Produktionsanlage hatte sich der Konzern zudem eine zeitlich befristete Rückkaufoption gesichert.

Andere Hersteller wählten einen härteren Schnitt. Volkswagen etwa zog sich ohne Rückkaufoption aus Russland zurück und verzichtete damit bewusst auf eine strategische Hintertür.

Mercedes in Russland: Warum die Meldung trotzdem für Aufmerksamkeit sorgt

Mit einer eingetragenen Marke besteht formal die Möglichkeit, Produkte unter diesem Namen anzubieten. So hatte ein früherer BMW-Partner im letzten Jahr in Kaliningrad Fahrzeuge aus noch vorhandenen Komponenten montiert und unter dem BMW-Markennamen angeboten. Der Münchner Konzern hatte sich von diesem kühnen Unterfangen distanziert.

Auch andere Autobauer gehen inzwischen ähnlich vor. So meldete zuletzt auch Ford in Russland mehrere Marken an, darunter die Logos Ford und Mustang sowie den Ersatzteil-Markennamen Motorcraft. Darüber berichtete die russische staatliche Nachrichtenagentur TASS ebenfalls unter Berufung auf Einträge in der Datenbank der Patentbehörde Rospatent.

Auch Ford stellte klar, dass die Markenregistrierungen keine Rückkehr auf den russischen Markt bedeuten, sondern dem Schutz des geistigen Eigentums dienen. Wie bei Mercedes-Benz geht es darum, die eigenen Markenrechte aufrechtzuerhalten, solange das Unternehmen operativ nicht präsent ist.

Damit verdichten sich die Hinweise, dass westliche Konzerne ihre Schutzrechte in Russland sichern, ohne ihre strategischen Entscheidungen oder ihre Marktstrategie zu ändern.

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