Das aktuelle Zeitgeschehen hinterlässt auch beim 1. FC Union Berlin seine Spuren. Mindestens hinsichtlich der Musikauswahl in der Halbzeitpause; da bewies der DJ im Stadion An der Alten Försterei am Wochenende viel Taktgefühl. „Walkampf“, ein Lied, das die Toten Hosen vor über 20 Jahren schrieben und mit dem die Düsseldorfer Punkrock-Band in gewisser Hinsicht ihrer Zeit voraus war, handelt von einem gestrandeten Wal, der unter großer Anstrengung zurück ins Meer geschoben werden muss. Klar, in der vergangenen Woche hatte der riesige Meeressäuger, der sich aktuell tatsächlich in der Ostsee gefährlich nah ans Ufer verirrt hat, die Schlagzeilen bestimmt. Einen letzten Rettungsversuch soll es dieser Tage noch geben. Einen letzten Versuch, dass das arme Tier den Weg zurück in sichere Gefilde findet.
Zwischen den üblichen Verdächtigen aus Wirtschaft und Weltpolitik hatte es aber spätestens seit dem Wochenende zuvor noch eine weitere Protagonistin verlässlich in die Hauptnachrichten geschafft. Da war nicht nur der Wal, sondern auch die weibliche Führungskraft. Das Tier und die Trainerin. Marie-Louise Eta war bei Union zumindest für die letzten fünf Saisonspiele als Nachfolgerin von Steffen Baumgart ernannt worden, und auch hier war der Auftrag ganz klar formuliert: Anschub dringend benötigt!
Die erste Cheftrainerin in der Fußball-Bundesliga stand medial derart im Fokus, dass das Spiel der Köpenicker gegen den VfL Wolfsburg fast in den Hintergrund geriet. Dabei hatte das Aufeinandertreffen mit den Niedersachsen eine immense Bedeutung: Wäre mit einem Sieg der Klassenerhalt zwar noch nicht rechnerisch fix gewesen, gezweifelt hätten bei dann neun Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz vier Spieltage vor Schluss aber auch die größten Pessimisten nicht mehr.
Letztlich aber unterlagen die Gastgeber mit 1:2 (0:1). Patrick Wimmer (11.) und Dzenan Pejcinovic (46.) trafen für den VfL, der sein erstes Spiel in der Rückrunde gewann und sich bei nur noch zwei Zählern Rückstand auf Rang 16 wieder berechtigte Hoffnungen im Kampf um den Klassenverbleib machen darf. Oliver Burke gelang fünf Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit nur noch der Anschlusstreffer. Union agierte im Vergleich zu Baumgarts letztem Spiel, der desaströsen 1:3-Pleite in Heidenheim, zwar formverbessert. Allzu hoch hing die Messlatte aber auch nicht.
Zu einfache Fehler vor beiden Gegentoren
„Am Ende hat uns in unseren Offensivaktionen immer wieder eine Kleinigkeit gefehlt, aber insgesamt passt das Ergebnis nicht zur Leistung“, wollte Eta nach ihrem verlorenen Premierenspiel mit den Spielern nicht zu hart ins Gericht gehen. 25 Schüsse hatten die Hausherren abgegeben, bei ihren aussichtsreichsten Gelegenheiten durch Ilyas Ansah (15.) und Danilho Doekhi (90.+3) stand Wolfsburgs Torhüter Kamil Grabara und beim Kopfball von Andrej Ilic (57.) der linke Pfosten im Weg.
Pech war bei der fünften Heimniederlage sicher auch dabei, einmal mehr waren es aber in erster Linie die Abwehrfehler, die den Berlinern sportlich das Genick brachen. Beim ersten Gegentor war Wimmer bei seinem Antritt viel schneller als Aljoscha Kemlein und Rani Khedira, der es nicht mehr schaffte, den Torschützen taktisch zu foulen. Gegentor Nummer zwei resultierte aus einem Ballverlust von Danilho Doekhi. „Nach dem 0:2 hat die Mannschaft trotzdem weiter an sich geglaubt“, sagte Eta. „Ich muss den Hut ziehen vor den Jungs, wie sie weitergemacht und sich in das Spiel reingekämpft haben.“
Auch Kapitän Christopher Trimmel sah im Vergleich zur Vorwoche eine klare Steigerung. „Die Art und Weise“, bilanzierte der Routinier, „hat heute gepasst.“ Derrick Köhn, der in der Schlussphase eingewechselt wurde, lobte die Trainerin explizit: „Ihre Ansprache an uns ist sehr gut. Wir haben das, was sie uns im Vorfeld mitgegeben hat, auf dem Platz auch umgesetzt. Mit ihr fühlen wir uns sehr wohl.“




