Bundesliga

Eta-Debüt misslingt: 1. FC Union Berlin verliert auch gegen Wolfsburg

Auch Marie-Louise Eta konnte den Abwärtstrend des 1. FC Union Berlin nicht stoppen. Die Köpenicker unterlagen dem in der Rückrunde noch sieglosen VfL Wolfsburg.

Ihre Kommandos brachten noch keinen Erfolg: Marie-Louise Eta verlor bei ihrem Debüt als Cheftrainerin des 1. FC Union Berlin gegen Wolfsburg.
Ihre Kommandos brachten noch keinen Erfolg: Marie-Louise Eta verlor bei ihrem Debüt als Cheftrainerin des 1. FC Union Berlin gegen Wolfsburg.IMAGO/Michael Taeger

Es knisterte an jeder Ecke in Köpenick. Normalerweise elektrisiert ein Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg im Umfeld des 1. FC Union Berlin keinen Fan so wirklich, diesmal war allerdings alles anders. Das lag zwar nicht an der Gastmannschaft, die als Vorletzter noch sieglos in der Rückrunde in die Hauptstadt gereist war, der VfL war aber nun mal der Klub, der an diesem Nachmittag dabei war, als im Berliner Südosten Bundesliga-Geschichte geschrieben wurde.

Mit Marie-Louise Eta stand die erste Cheftrainerin überhaupt im deutschen Fußball-Oberhaus an der Seitenlinie. Am vergangenen Wochenende hatten die Eisernen sie als Nachfolgerin von Steffen Baumgart auserkoren. Der Verein hatte offenbar nicht damit gerechnet, welch großes öffentliches Echo die Maßnahme nach sich ziehen würde, am Sonnabend gab es aber tatsächlich nur ein Thema. Weit vor Anpfiff tummelten sich rund um das Stadion An der Alten Försterei schon etliche Fans, die einzig und allein das Debüt der 34-Jährigen an der Seitenlinie beschäftigte.

Weil der FC St. Pauli am Vorabend beim 1:1 gegen den 1. FC Köln nur einen Punkt geholt hatte, war die sportliche Ausgangslage nicht allzu brisant. Die Hamburger, weiter auf dem Relegationsplatz, hatten den Rückstand auf Union von sieben lediglich auf sechs Punkte verkürzen können. Eine Niederlage gegen den VfL Wolfsburg würde die Ausgangssituation mit Blick auf die danach noch folgenden vier Spiele also nur ein wenig beeinflussen.

Die neue Fußballgöttin in der Coachingzone sah einen engagierten Beginn ihrer Mannschaft, die sie im Vergleich zur desaströsen 1:3-Pleite in Heidenheim auf vier Positionen verändert hatte. Kapitän Christopher Trimmel lief von Beginn an auf, auch Aljoscha Kemlein, Tom Rothe und Ilyas Ansah kehrten in die erste Elf zurück. Janik Haberer, András Schäfer, Derrick Köhn und Alex Král saßen dagegen auf der Bank. Das erste ganz dicke Ausrufezeichen des Nachmittags setzten aber nicht die Hausherren, sondern die stark abstiegsbedrohten Gäste. Patrick Wimmer marschierte unbehelligt durchs Zentrum und traf kurz vor dem Strafraum herrlich mit dem Außenrist zur Wolfsburger Führung (11.). Rani Khedira hätte in dieser Situation zwingend ein taktisches Foul ziehen müssen, ließ den Österreicher aber laufen.

Ansah belebt die Offensive, bleibt aber glücklos

Eta klatschte am Rand in die Hände, ruderte mit den Armen: Frei nach Oliver Kahn: Weiter, immer weiter! Ansah hatte nur einige Momente nach dem Rückstand schon die große Chance auf den Ausgleich, scheiterte aber der Parade von VfL-Torhüter Kamil Grabara (15.). Überhaupt war Ansah ein belebendes Element in der Offensive. Das Selbstvertrauen, das war zwar wieder erkennbar, ist beim 21-Jährigen gerade nicht stark ausgeprägt, offensive Bemühungen unternahm er aber immer wieder. Nach 20 Minuten köpfte er rechts vorbei, in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit zielte er zu weit nach links.

Die Niedersachsen ließen abgesehen von diesen Chancen vor der Pause keine größere Union-Druckphase zu, konterten dagegen das ein oder andere mal recht ansehnlich. Frederik Rönnow verhinderte gegen den satten Schuss von Aaron Zehnter einen möglichen zweiten Gegentreffer (38.).

Engagiert an der Linie: Marie-Louise Eta gibt ihren Spielern während einer kurzen Unterbrechung Anweisungen.
Engagiert an der Linie: Marie-Louise Eta gibt ihren Spielern während einer kurzen Unterbrechung Anweisungen.IMAGO/O.Behrendt

Den musste Rönnow dann exakt 30 Sekunden nach Wiederanpfiff hinnehmen. Dzenan Pejcionvic wurde vor dem Berliner Strafraum nicht angegriffen und traf akkurat ins Eck. Der dänische Schlussmann streckte sich abermals vergeblich. Auf der anderen Seite kam dann auch noch Pech dazu: Andrej Ilic köpfte eine Trimmel-Flanke an den Innenpfosten (57.). Bis tief in die Schlussphase hinein sollte dies die gefährlichste Torannäherung bleiben. Union hatte zwar fast pausenlos den Ball, schaffte es aber nicht im letzten Drittel für kreative Momente zu sorgen. Einmal wurden die Gastgeber dann aber doch nochmal gefährlich: Oliver Burke lief fast von der Mittellinie alleine auf das gegnerische Tor zu und verkürzte mit seinem fünften Saisontor zum 1:2-Endstand (86.). In der Nachspielzeit hatte Danilho Doekhi gar noch den Ausgleich auf dem Fuß, scheiterte aber an der Fußabwehr von Grabara (90.+3).

Am Ende eines wieder einmal ernüchternden Nachmittags stand nicht nur die Pleite auf der Anzeigetafel, sondern auch die Erkenntnis, dass auf Marie-Louise Eta in den nächsten Wochen viel Arbeit wartet. Am Freitag (20.30 Uhr) wartet bei RB Leipzig Teil zwei der Fünf-Spiele-Mission.