Ursachenforschung

Aljoscha Kemlein erklärt die Krise beim 1. FC Union Berlin: „Uns fehlt der absolute Wille“

Nach sieben Spielen ohne Sieg ist der 1. FC Union Berlin mit der Aufarbeitung beschäftigt, richtet den Blick aber auch schon wieder nach vorn.

Aljoscha Kemlein steckt mit dem 1. FC Union Berlin aktuell in einer sportlich schwierigen Situation.
Aljoscha Kemlein steckt mit dem 1. FC Union Berlin aktuell in einer sportlich schwierigen Situation.Wolfgang Frank/Eibner-Pressefoto/imago

Eine richtige Erklärung, wieso, weshalb und warum der 1. FC Union Berlin sportlich auf die schiefe Bahn geraten ist, scheint es aktuell nicht zu geben. Am Mittwoch versuchte Eigengewächs Aljoscha Kemlein in einer Medienrunde, Gründe für die Krise zu erörtern, die den Köpenickern in der Fußball-Bundesliga mit der jüngsten 2:3-Niederlage beim Hamburger SV das siebte sieglose Spiel in Serie beschert hat.

„Wir haben oft gute Leistungen gezeigt, das bringt uns aber auch keine Punkte“, sagte der 21-Jährige, um dann noch entscheidend zu ergänzen: „Uns fehlt im Moment der absolute Wille, unser Tor zu verteidigen, und auch der absolute Wille, vorne selbst ein Tor zu schießen. Das reicht in der Bundesliga nicht aus und wird sofort bestraft.“

Ganz unterschiedliche Fehler waren es, die am vergangenen Wochenende die Enttäuschung im Volksparkstadion auf den Weg brachten. Vor dem ersten Gegentor verpassten es die Gäste, vor allem in Person von Danilho Doekhi, im Mittelfeld ein taktisches Foulspiel zu begehen. Vor dem zweiten Hamburger Treffer wurde Vorlagengeber Bakery Jatta nicht angegriffen, Torschütze Nicolas Capaldo stand viel zu frei im Zentrum und vor dem zwischenzeitlichen 3:1, das die Begegnung letztlich entschied, ließ sich Leopold Querfeld in der Entstehung viel zu leicht übertölpeln.

In Summe schafft das eine Drucksituation vor dem Spiel gegen Bayer Leverkusen (Sonnabend, 15.30 Uhr), in dem der Turnaround unbedingt gelingen soll. „Wir spüren keine Angst, sind uns unserer Situation aber bewusst“, bekräftigte Kemlein, der in 20 der 22 Saisonspiele auf dem Platz stand, in diesem Jahr – mit Ausnahme der Partie in Augsburg (1:1) – auch immer von Beginn an.

„Ich möchte jeden Tag ein Stückchen besser werden“

Längst ist er aus der Startformation von Trainer Steffen Baumgart nicht mehr wegzudenken. Spielt Union mit zwei Mittelfeldspielern im Zentrum, bilden in aller Regel Kemlein und Vize-Kapitän Rani Khedira das Duo. Entscheidet sich Baumgart für die nominell defensivere Variante mit drei Mittelfeldspielern und nur zwei Stürmern, kommt András Schäfer meist hinzu. Der Stammplatz bei den Berlinern hat Kemleins Selbstvertrauen gestärkt: „Ich sehe mich hier auch in der Position, voranzugehen. Jeden Tag möchte ich ein kleines Stückchen besser werden, irgendwo einen Schritt nach vorne gehen.“

Einen Schritt nach vorn ist womöglich Stürmer Andrej Ilic gegangen. In Hamburg vergab der Serbe vor dem Seitenwechsel zwar eine riesige Chance, als er das leere Tor nicht traf, in der Schlussphase erzielte er dann aber per Kopf doch noch seinen erlösenden ersten Saisontreffer. In der Liga hatte er zuletzt im Mai des vergangenen Jahres jubeln dürfen, danach hatten abseits seiner Qualitäten als Vorbereiter vor allem Fehlschüsse und andere vergebene Gelegenheiten seinen persönlichen Saisonverlauf bestimmt.

„Ich habe ihn nicht anders als vorher auch wahrgenommen“, berichtete Kemlein aus der Trainingswoche. Ilic will er „ohnehin nicht an Toren messen“. Auch aufgrund seiner weiteren Qualitäten dürfte dem 25-Jährigen ein Startplatz am Wochenende sicher sein. „Er ist mit und gegen den Ball so wichtig für uns und allein an der Zahl seiner Vorlagen (acht, ligaweit hinter Michael Olise, Luis Díaz und Julian Ryerson Platz vier; Anm. d. Red.) sieht man, welchen Einfluss er auf unser Spiel hat“, sagte Kemlein.

Gegen Leverkusen, nach dem Auswärtsspiel in der Champions League bei Olympiakos Piräus sicher nicht im Vollbesitz der eigenen Kräfte, dürfte es für den 1. FC Union Berlin vor allem auch darauf ankommen, immer wieder Ballbesitzphasen und Drucksituationen des Gegners auszuhalten. „Das gehört einfach dazu, aber das erleben wir auch nicht zum ersten Mal“, erinnerte Kemlein an Heimspiele wie gegen Bayern, Stuttgart oder Leipzig. Gegen keinen dieser Favoriten unterlag Union im Stadion An der Alten Försterei. Vielleicht ein gutes Omen, um den ersten Sieg im Kalenderjahr zu feiern.