Die SPD-Kandidatin für das Amt der Bezirksbürgermeisterin in Berlin-Mitte, Uta Francisco Dos Santos, wehrt sich gegen schwere Vorwürfe. Die B.Z. hatte berichtet, die Politikerin sei seit Mitte 2024 nicht mehr an ihrem Arbeitsplatz in der Senatsfinanzverwaltung erschienen – offiziell krankgemeldet, aber gleichzeitig aktiv im Wahlkampf. Im November vergangenen Jahres ließ sie sich auf einem SPD-Kreisparteitag zur Spitzenkandidatin für den Bezirk Mitte wählen.
Doch die Darstellung der Springer-Presse ist nach Überzeugung von Dos Santos unvollständig und unfair. Auf Nachfrage dieser Redaktion hat die SPD-Politikerin nun exklusiv eine ausführliche schriftliche Stellungnahme vorgelegt, die ein völlig anderes Bild der Ereignisse zeichnet.
Die Vorwürfe im Überblick
Die B.Z. wirft Dos Santos vor, ihrer wichtigen Aufgabe als „Gremienreferentin“ in der Leitungsebene von Finanzsenator Stefan Evers (CDU) nicht nachzukommen. Die Stelle ist mit der Gehaltsstufe E 15 bewertet, was ein Monatsgehalt von bis zu 7641 Euro ermöglicht. Zu ihren Aufgaben gehören die Vorbereitung der wöchentlichen Senatssitzung sowie die Kontaktpflege zum Parlament – Arbeit, die dem Vernehmen nach andere übernehmen müssten.
Politikwissenschaftler Prof. Jürgen Falter wird in dem Bericht mit den Worten zitiert: „Entweder man ist dienstunfähig, dann kann man aber auch keine Behörde leiten wollen, oder man kann es, aber dann stimmt etwas nicht mit der Dienstunfähigkeit.“ Noch schärfer äußerte sich Ex-Justizsenator Michael Braun (CDU): „Die Dame hat den öffentlichen Dienst falsch verstanden. Man hat loyal gegenüber dem Staat zu sein – und sich nicht an Parteivorgaben zu orientieren.“
Dos Santos kontert: Freistellung gegen den Willen
Dos Santos stellt nun klar, dass die Wirklichkeit weitaus komplexer ist. „Im Sommer 2024 erlitt ich durch einen Sportunfall eine schwere Verletzung, die eine längere Krankschreibung nach sich zog“, schreibt sie in ihrer Stellungnahme gegenüber der Berliner Zeitung.
Doch als sie nach ihrer Genesung an den Arbeitsplatz zurückkehren wollte, sei es zu einer für sie völlig unerwarteten Wendung gekommen. „Mir wurde von meinem Arbeitgeber – der Senatsverwaltung für Finanzen – mitgeteilt, dass meine Rückkehr auf meine bisherige Position als Leiterin des Gremienreferates beim Berliner Finanzsenator nicht erwünscht sei“, so Dos Santos wörtlich. Daraufhin sei sie „ohne Angabe von Gründen gegen meinen Willen von meiner Tätigkeit freigestellt“ worden. Von „Arbeit schwänzen“ könne also keine Rede sein – vielmehr sei sie vom Dienst ferngehalten worden.
Psychische Erkrankung durch Behördenverhalten
Der anschließende Konflikt mit der Behörde, verbunden mit mehreren privaten Belastungssituationen, habe bei Dos Santos zu einer psychischen Erkrankung geführt. „Der Umgang mit mir in der darauffolgenden, konfliktbelasteten Zeit hat – auch in Verbindung mit mehreren privaten Belastungssituationen – zu einer psychischen Erkrankung geführt“, schreibt sie.
Sie beruft sich dabei auf medizinische Expertise: „Gutachten des Betriebsarztes der Charité bestätigen, dass das Verhalten des Arbeitgebers maßgeblich zu meiner Erkrankung beigetragen hat.“
Wahlkampf als therapeutisches Mittel?
Ein besonders heikler Punkt: die zeitgleiche Wahlkampfaktivität. Die B.Z. hatte genau hier den Widerspruch konstruiert. Dos Santos erklärt dazu: „Trotz dieser Situation habe ich mich aktiv um meine Genesung bemüht. Dabei hat mir insbesondere mein ehrenamtliches Engagement Kraft und Stabilität gegeben. In diesem Rahmen erfolgte auch meine Kandidatur für die Bezirksverordnetenversammlung von Berlin-Mitte.“
Ein ärztliches Attest bestätige ausdrücklich, „dass mein ehrenamtliches Engagement meiner Genesung zuträglich ist“, so die Politikerin. Was in der Springer-Presse als Skandal dargestellt wird, erweist sich aus ihrer Sicht also als Teil des Genesungsprozesses.
Seit September 2025 bemühe sie sich aktiv um eine Rückkehr in ihr reguläres Arbeitsverhältnis. „Meine Krankschreibung endet am 13. April 2026. Ab diesem Zeitpunkt bin ich wieder arbeitsfähig und werde die mir bewilligte Elternzeit beginnen“, teilt Dos Santos mit.


