In Dschibuti wird an diesem Freitag gewählt – doch das Ergebnis gilt als ausgemacht. Präsident Ismail Omar Guelleh, seit 1999 an der Macht, steuert auf eine sechste Amtszeit zu. Eine Altersgrenze, die seiner erneuten Kandidatur im Weg gestanden hätte, wurde im vergangenen Jahr kurzerhand aufgehoben. Sein einziger Gegenkandidat gilt als chancenlos, wichtige Oppositionsparteien boykottieren die Wahl seit Jahren. Guelleh gewann frühere Abstimmungen mit Ergebnissen von teils über 90 Prozent
Politisch ist das Bild widersprüchlich: Während die Regierung auf Stabilität in einer von Konflikten geprägten Region verweist, werfen Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch ihr vor, Oppositionelle, Aktivisten und Journalisten systematisch zu unterdrücken. Tatsächlich gilt Dschibuti im Vergleich zu Nachbarländern wie Somalia oder Äthiopien als ruhig. Ein Umstand, der dem Präsidenten im Inland durchaus Unterstützung sichert.
Am Nadelöhr des Welthandels
Die eigentliche Bedeutung dieser Wahl liegt nicht im politischen Wettbewerb, sondern in der geopolitischen Lage des Landes. Dschibuti liegt am Bab al-Mandab, einer der wichtigsten Meeresengen der Welt. Ein erheblicher Teil des globalen Handels, vor allem Öltransporte, passiert täglich diese Route. Wer diesen Zugang kontrolliert, spielt eine zentrale Rolle im internationalen Machtgefüge.
Entsprechend dicht ist die Präsenz globaler Akteure. In Dschibuti unterhalten die USA, China, Frankreich, Japan und andere Staaten Militärbasen – ein weltweit nahezu einzigartiges Nebeneinander rivalisierender Mächte. Für Washington ist das Land ein zentraler Stützpunkt für militärische Operationen, für Peking ein strategischer Baustein seiner globalen Infrastrukturpolitik. Es ist die einzige Militärbasis, die China im Ausland betreibt. Die Regierung von Dschibuti profitiert finanziell erheblich von dieser internationalen Präsenz.
Diese Rolle als geopolitischer Knotenpunkt erklärt auch, warum politische Veränderungen in Dschibuti bislang ausbleiben. Stabilität ist nicht nur ein innenpolitisches Argument, sie ist ein internationales Interesse. Für viele externe Akteure ist ein berechenbarer Langzeitpräsident verlässlicher als ein möglicher Machtwechsel.
Die Wahl zeigt damit exemplarisch eine Entwicklung, die sich in vielen Teilen Afrikas beobachten lässt. Staaten positionieren sich zunehmend selbstbewusst im Spannungsfeld globaler Interessen. Sie wenden sich nicht einfach vom Westen ab, sondern nutzen die Konkurrenz zwischen Mächten wie den USA, China oder Europa, um eigene Handlungsspielräume zu vergrößern.
Afrikas neue Rolle im globalen Machtgefüge
Für Europa gewinnt diese Dynamik gerade an Bedeutung. Angesichts globaler Krisen und neuer Abhängigkeiten – etwa im Energie- und Handelsbereich – rückt Afrika stärker in den Fokus strategischer Überlegungen. Doch anders als früher ist diese Beziehung keine Einbahnstraße mehr. Die Länder in Afrika entscheiden zunehmend selbst, mit wem sie kooperieren – und zu welchen Bedingungen.




