Klitschko-Brüder

Von Kreml-Komikern reingelegt: Klitschko kritisiert „widerliche Korruption“ in der Ukraine

Die beiden russischen Prankster Vovan und Lexus haben wieder zugeschlagen. Dieses Mal erwischte es einen der Klitschko-Brüder. Thema war die Korruption in der ukrainischen Regierung.

Klitschkos im Fokus: Bürgermeister Vitali (r.) und sein Bruder Wladimir, beide ehemalige Boxweltmeister, kritisieren immer wieder die ukrainische Regierung von Präsident Selenskyj.
Klitschkos im Fokus: Bürgermeister Vitali (r.) und sein Bruder Wladimir, beide ehemalige Boxweltmeister, kritisieren immer wieder die ukrainische Regierung von Präsident Selenskyj.Jakub Porzycki/imago

Ein Telefonstreich russischer Komiker hat brisante Details über die inneren Abläufe in der ukrainischen Politik ans Licht gebracht. Die bekannten russischen Prankster Vovan und Lexus, die in der Vergangenheit schon die ehemalige Regierende Bürgermeisterin Berlins, Franziska Giffey, oder den aktuellen Außenminister Johann Wadephul austricksten, gaben sich als polnische Beamte aus und sprachen mit dem früheren Boxweltmeister Wladimir Klitschko, Bruder des Kiewer Bürgermeisters Vitali Klitschko.

In dem Gespräch kritisierte Klitschko die weitverbreitete Korruption innerhalb der ukrainischen Regierung. „Die Beteiligung der Behörden an Korruptionsschemata in diesem Ausmaß ist einfach widerlich“, so Klitschko in dem Video. Der Wahl-Hamburger beklagte, dass korrupte Strukturen die internationale Unterstützung für die Ukraine massiv erschweren würden. Für die ukrainische Führung von Präsident Wolodymyr Selenskyj ist das ein großes Problem, da auch in Kriegszeiten Gelder offenbar teilweise zweckentfremdet wurden.

Ukraine: Korruption bleibt eines der größten Probleme

Doch nicht nur der Korruptionsvorwurf sorgt für Aufregung. So offenbarte Klitschko im Gespräch, dass er seinen Bruder bei offiziellen Terminen gelegentlich vertritt. Dabei nahm der fünf Jahre jüngere Wladimir nach eigenen Angaben an Treffen mit anderen Bürgermeistern und Regierungsvertretern teil und konnte zwar keine offiziellen Dokumente unterzeichnen, wohl aber Lobbyarbeit im Namen seines älteren Bruders Vitali leisten. „Manchmal muss ich meinen Bruder ersetzen, wenn er nicht kann“, erklärte der Sportler.

Korruption ist in der Ukraine seit Jahrzehnten eines der größten gesamtgesellschaftlichen Probleme. Trotz mehrfacher Reformversprechen und der internationalen Unterstützung zur Bekämpfung von Vetternwirtschaft und Bestechung haben sich in vielen Bereichen von Verwaltung und Militär tief verwurzelte korrupte Strukturen erhalten. Korruptionsskandale im Land belasten zudem zunehmend das Vertrauensverhältnis zu den für die Ukraine wichtigen westlichen Partnern. Erst im vergangenen Herbst erschütterte ein Korruptionsskandal das kriegsgebeutelte Land, höchste Regierungskreise waren in die Affäre involviert.

Im Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International rangiert die Ukraine seit Jahren europaweit auf den hinteren Plätzen, weltweit findet sie sich auf Rang 105 wieder, zwischen der Dominikanischen Republik und Algerien, weit entfernt von westlichen Standards. Zwar weist der Index seit 2014 leichte Verbesserungen aus, doch der Fortschritt bleibt insbesondere seit Kriegsbeginn fragil und stockend. Transparency International verweist regelmäßig auf strukturelle Defizite wie politischen Einfluss auf Ermittlungsbehörden, mangelnde Unabhängigkeit der Justiz und eine Kultur der Straflosigkeit für Eliten. Reformgesetze existieren zwar auf dem Papier, ihre Umsetzung scheitert jedoch allzu oft an eben jenen Machtstrukturen, die sie eigentlich zerschlagen sollen.